Gleichstellung
Warum werden Fakultäten seltener von Frauen geleitet?
31 Prozent der Hochschulen in Deutschland hatten im Jahr 2023 eine Rektorin oder Präsidentin. In den Senaten und Hochschulräten waren Frauen 2024 mit einem Anteil von jeweils knapp über 40 Prozent vertreten. Bei den Fakultätsleitungen sieht es allerdings anders aus: Der Anteil der Dekaninnen lag im Jahr 2024 mit knapp 23 Prozent unter dem Professorinnen-Anteil von rund 29 Prozent in 2023. Das ist ein Ergebnis des Datenreports "Geschlechtergleichstellung in Entscheidungsgremien von Hochschulen" des CEWS Kompetenzzentrums Frauen in Wissenschaft und Forschung des GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, der am Ende der vergangenen Woche veröffentlicht wurde.
Weniger als ein Viertel der Fakultäten deutscher Hochschulen wird demnach von Frauen geleitet. Besonders niedrig ist mit 22 Prozent der Frauenanteil der Fakultätsleitungen an staatlichen Hochschulen. An privaten und kirchlichen Hochschulen liegt er bei 32 und 38 Prozent. Die Unterschiede zwischen Hochschulleitungen und Fakultätsleitungen lassen sich laut CEWS Report darauf zurückführen, dass die Wahl von Frauen je nach Amt und Aufgabe unterschiedlich motiviert sei: Während der Anteil von Frauen in der Hochschulleitung durch politische Anforderungen und gezielte Entscheidungen beeinflusst werde, bestehe bei den Fakultätsleitungen ein engerer Zusammenhang mit dem Anteil der Professorinnen und dem Frauenanteil am gesamten wissenschaftlichen Personal: Je mehr Frauen an einer Hochschule als Wissenschaftlerinnen tätig seien, desto mehr wirkten auch in den Fakultätsleitungen mit.
Weniger Dekaninnen an Hochschulen mit MINT-Fokus
Zudem bestehe ein Zusammenhang zwischen der Geschlechterverteilung in der Fakultätsleitung und dem Anteil der Studierenden in MINT-Fächern – also der Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – an der gesamten Studierendenschaft. Entsprechend sei der Anteil von Dekaninnen und Prodekaninnen an Hochschulen mit einem naturwissenschaftlich-technischen Fokus tendentiell niedriger als an solchen mit sozial- oder geisteswissenschaftlichen Schwerpunkten. Um die Frauenanteile in den Fakultätsleitungen zu erhöhen, empfiehlt das CEWS, die Ämter für Frauen attraktiver zu machen und Frauen gezielt anzusprechen.
Auch andere Berichte ermitteln die Geschlechterverteilung in den Hochschulleitungen in Deutschland. Zuletzt hatte das CHE Centrum für Hochschulentwicklung im April dieses Jahres für Dezember 2024 einen Frauenanteil bei den Hochschulleitungen von gut 35 Prozent gemeldet. Dabei wurden die Fakultätsleitungen nicht berücksichtigt. Daten zu Senaten und Fakultätsleitungen erhebt das CEWS laut Mitteilung vom Donnerstag alle drei Jahre durch eine Abfrage bei allen Hochschulen. Dies geschah per E-Mail im Januar 2025. Von 368 befragten Hochschulen antworteten 259.
cpy