Person hält Weltkugel in der Hand
mauritius images/Blend Images/ac productions

Serie: 25 Jahre Forschung & Lehre
Wie sich Hochschulen global behaupten können

Welche Erfolgsstrategien ergeben sich, wenn man Hochschulen mit global agierenden mittelgroßen Unternehmen vergleicht? Ein Gedankenspiel.

Von Hermann Simon 12.02.2019

Unter den Megatrends der letzten 25 Jahre steht die Globalisierung ganz vorne, noch vor der Digitalisierung. Deutschland kann als einer der großen Gewinner der Globalisierung gelten. Die meisten Menschen vermuten hinter diesem Erfolg Großunternehmen wie Siemens, Daimler oder Bayer. Das ist jedoch eine Fehlwahrnehmung.

Wichtiger für die nachhaltigen globalen Marktpositionen deutscher Firmen sind vielmehr mittelständische, wenig bekannte Weltmarktführer. Für diese Firmen habe ich den Begriff "Hidden Champions" geprägt, der heute mit 880.000 Einträgen in Google Weltgeltung besitzt. Etwa 40 Prozent aller Hidden Champions kommen aus Deutschland. Kein Land dieser Welt hat mehr dieser stillen Stars.

Die Globalisierung bildet eine der großen Herausforderungen für die deutschen Hochschulen, die mittelständische und keine Großbetriebe sind. Die 500 größten Unternehmen der Welt haben im Schnitt 134.000 Mitarbeiter und einen Umsatz von 55 Milliarden Dollar.

Personal und Budget vergleichbar

Die meisten Hidden Cham­pions beschäftigen 1.000 bis 6.000 Mitarbeiter und setzen 100 bis 600 Millionen Euro um. Sie liegen damit genau in der Größenordnung typischer Universitäten:

  • LMU München: 5.480 Mitarbeiter, Budget 605 Millionen Euro
  • Universität Bonn: 4.500 Mitarbeiter, Budget 440 Millionen Euro
  • Universität Trier 2.067 Mitarbeiter, Budget 140 Millionen Euro

Was können die Hochschulen für ihren Weg nach Globalia, der globalisierten Welt der Zukunft, von den Hidden Champions lernen? Sehr viel, denn die Hidden Champions sind trotz ihrer nur mittleren Größe wirklich globale Unternehmen. Wie haben Sie diese Positionen erreicht?

  • Die Hidden Champions haben sehr früh die Ambition entwickelt, global zu werden und entsprechende Strategien umgesetzt. Demgegenüber wirken die meisten Hochschulen eher zaghaft. So bezeichnet sich Bonn als "international operierende Forschungsuniversität". Etwas entschlossener zeigen sich private Hochschulen. Die European School of Management and Technology (ESMT) spricht davon, "Internationalität zu leben und zu atmen".
  • Die Hidden Champions globalisieren mit eigener Kraft, das heißt über eigene Tochtergesellschaften, nicht über Dritte wie Agenten oder Importeure. Dies bedeutet für die Hochschulen, dass sie ihre Globalisierung selbst in die Hand nehmen müssen, und diese Aufgabe nicht Dritten wie DAAD, DFG oder Stiftungen überlassen können. Das bedeutet auch, dass man in ausgewählten Zentren eigene Kontaktstellen oder Büros errichten muss.
  • Zunehmend eröffnen die Hidden Champions sogar Forschungs- und Entwicklungszentren an global führenden Standorten. Eine Universität, die in der Digitalisierung mithalten will, sollte demgemäß mit eigenen Ressourcen im Silicon Valley oder in Shenzhen vertreten sein.
  • Die wichtigste Dimension der Globalisierung aber sind die Mitarbeiter. Seit 2008 beschäftigen die deutschen Hidden Champions mehr Arbeitnehmer im Ausland als in Deutschland. Diesen Maßstab kann man nicht 1:1 auf die Universitäten übertragen. Aber bei entsprechenden Indikatoren stehen die Hochschulen ganz am Anfang. An der LMU sind 16,7 Prozent der Studenten Ausländer, in Bonn sind es 13,6 Prozent, an der HU Berlin und in Trier jeweils 11 Prozent. Die Zahl ausländischer Professoren ist, wenn man Österreicher und deutschsprachige Schweizer abzieht, nach wie vor verschwindend gering. Wenn es nicht gelingt, Spitzentalente aus der ganzen Welt zu gewinnen, werden unsere Hochschulen nicht globale Spitzenklasse (siehe Fußball).
  • Englisch ist bei den meisten Hidden Champions Unternehmenssprache. Auch die Hochschulen müssen die Sprachbarriere beseitigen, denn diese bildet in Globalia einen gravierenden Wettbewerbsnachteil. An der HU Berlin werden lediglich 24 von 189 Studiengängen, also 13 Prozent, in Englisch angeboten. Mit anderen Worten 87 Prozent scheiden für Nichtdeutschsprachige aus.
  • Die Globalisierung wird für Hochschulen zu einem entscheidenden Wettbewerbsvor- oder -nachteil. So sagen Absolventen international führender Schulen, dass der wichtigste Nutzen nicht aus dem resultiert, was sie dort gelernt haben, sondern aus den globalen Netzwerken, die sie dort knüpfen konnten. Das gelingt aber nur, wenn sich eine Hochschule durchgängig, auch kulturell, globalisiert.

0 Kommentare