Hochschulkooperationen
Allianz kritisiert Einstellung von Förderprogrammen
Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen kritisiert die geplante Streichung fast aller Hochschulkooperationsprogramme der Entwicklungszusammenarbeit. Die Einstellung der Förderprogramme schwäche Deutschlands Interessen, teilt der Zusammenschluss der bedeutendsten Wissenschaftsorganisationen in Deutschland am 1. Juli mit.
Schon Ende Mai hatte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gegenüber Medienvertretern den Förderstopp für neue Hochschulkooperationen mit dem Globalen Süden bestätigt. Laufende Projekte sollen noch bis zum Jahr 2030 bezahlt werden. Lediglich ein Alumniprogramm bleibe bestehen. Hintergrund der Streichungen sind Haushaltskürzungen des Ministeriums.
Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen betont, dass deutsche Hochschulen durch die BMZ-Programme über 30 Jahre lang mit Partnerinstitutionen im Globalen Süden "erfolgreich Bildungs- und Wissenschaftssysteme vor Ort gestärkt und die Zusammenarbeit mit Deutschland vertieft" hätten. Insbesondere der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) und die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) haben demnach die Hochschul- und Wissenschaftsförderung des BMZ realisiert. Die geplante Streichung beschneide "international Potenziale für Wohlstand".
Streichung bedeutet Einflussverlust für Deutschland
"Die nachhaltig verankerte Hochschulzusammenarbeit mit Entwicklungs- und Schwellenländern dient dezidiert Deutschlands Interessen in Wissenschaft, Wirtschaft und Außenpolitik", erläutert HRK-Präsident Professor Walter Rosenthal, Sprecher der Allianz der Wissenschaftsorganisationen, laut Mitteilung. "Ohne die bisherigen Kooperationsprogramme verliert Deutschland nachhaltig Einfluss in Regionen, in denen andere Staaten ihre wissenschafts- und bildungspolitische Präsenz derzeit gezielt ausbauen."
Im Mai hatte der DAAD-Präsident Professor Joybrato Mukherjee die Streichungspläne bereits mit Sorge kommentiert. Er mahnte, dass die entstehenden Lücken durch "andere Staaten wie China, möglicherweise auch Russland" gefüllt werden könnten, "mit erheblichen Folgen für den Einfluss Deutschlands in den Ländern des Globalen Südens". Es ginge im Fall des DAAD allein in den vergangenen fünf Jahren um Projekte in etwa 60 Ländern und mit 450 Partnerinstitutionen. "Wer vor Ort wissenschaftlich präsent ist, gewinnt Zugang zu Talenten, Daten, Anwendungen und politischen Beziehungen", erläuterte Mukherjee Anfang Juni den Ertrag der Programme für Deutschland in einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Allianz fordert weitere Unterstützung der Programme
Die Allianz appelliert an die Bundesregierung und den Bundestag, eine Lösung zu finden, um die Kooperationen weiterhin zu unterstützen. Zur Allianz gehören neben der HRK, dem DAAD und der AvH auch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft, die Leibniz-Gemeinschaft, die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, die Max-Planck-Gesellschaft und der Wissenschaftsrat.
cpy