USA
Bildungsministerin fordert Bekenntnis von Hochschulen
In einem öffentlichen Brief an Hochschulleitungen in den USA hat Bildungsministerin Linda McMahon die Präsidentinnen und Präsidenten am 3. August aufgefordert, Erklärungen zu unterschiedlichen hochschulpolitischen Themen abzugeben. Demnach sollen sich die Universitäten zu "anspruchsvoller Lehre, bahnbrechender Forschung und nationalem Engagement" verpflichten. Die Stellungnahmen seien bis Ende des Jahres "an prominenter Stelle" auf den Websites der Universitäten zu veröffentlichen, so McMahon in dem Schreiben, das den Titel "A National Call to Action to University Presidents and Governing Boards" trägt.
Anhand eines Fragebogens sollen die Hochschulleitungen nach Wunsch der Regierung geplante sowie umgesetzte Reformen darlegen. Thematisiert werden unter anderem die Transparenz von Zulassungskriterien, Einstellungs- und Evaluierungsprozesse, die Sicherung von Exzellenz in der Lehre oder der Schutz vor "ausländischen Einflüssen". In Anlehnung an Vorwürfe, einige US-Universitäten bedienten das ideologische Spektrum nur einseitig, wird beispielsweise gefragt: "Inwiefern tragen Ihre Verfahren zur Einstellung und Bewertung von Lehrkräften zur akademischen Vielfalt bei und stellen sicher, dass alle relevanten Perspektiven ernst genommen werden?" Die Ministerin bezeichnete das Vorhaben in ihrem Brief als "offenes Gespräch mit der amerikanischen Bevölkerung", das längst überfällig sei. Es sei "der unverzichtbare erste Schritt, um das Vertrauen in das Hochschulwesen wiederherzustellen", so McMahon.
Unklar ist, welche Konsequenzen die Universitäten befürchten müssten, sollten sie McMahons Aufforderung nicht nachkommen. Gegenüber dem Online-Magazin Higher Ed Dive gab Jonathan Pidluzny, stellvertretender Stabschef für Politik und Programme im US-Bildungsministerium, an, dass im Zusammenhang mit dem "Call to Action" keine "direkten Sanktionen" verhängt würden. Allerdings fügte er hinzu, dass ein Schweigen von "Universitäten, die sich weigern, sich an einer solchen Maßnahme zu beteiligen", Bände sprechen würde.
Hochschulsektor reagiert mit Vorsicht
Vertreterinnen und Vertreter von Wissenschaftsverbänden reagierten unterschiedlich auf McMahons Vorstoß. Die Association of American Universities (AAU) betrachtet die Vorschläge laut Inside Higher Ed (IHE) als Möglichkeit, der Verpflichtung nachzukommen, der Nation zu dienen. Informationen des Magazins zufolge hatte die AAU dem Bildungsministerium bereits im Vorfeld der Veröffentlichung Rückmeldung zum "Call to Action" gegeben.
Ted Mitchell, Präsident des American Council of Education (ACE), äußerte sich gegenüber IHE mit Vorsicht. Er hoffe, dass die Regierung erkannt habe, dass Universitäten kein Instrument des Staats sein sollten. "Ich glaube tatsächlich, dass dies eine taktische Neuausrichtung ist", so Mitchell. Er sehe das Dokument als Aufforderung an den Sektor, einen Dialog mit der Regierung aufzunehmen. Es bleibe jedoch abzuwarten, wie die Informationen genutzt werden.
Noch deutlicher stellte die American Association of University Professors (AAUP) das Risiko in einer Pressemitteilung vom 7. August heraus: Der Ton des Briefs sei im Vergleich zum Compact, mit dem die US-Regierung die Hochschulen bereits 2025 auf ihre politische Linie verpflichten wollte, zwar gemäßigter. Dennoch sollten sich die Hochschulen "ausdrücklich versichern lassen, dass die Beantwortung – oder die Verweigerung der Beantwortung – keinerlei Auswirkungen auf Bundeszuschüsse, Verträge, Ermittlungen, Vollstreckungsentscheidungen oder sonstige Maßnahmen der Regierung haben wird", so die AAUP.
Am 10. August riefen der Autorenverband PEN America und die Alliance for Higher Education die Universitäten in einer Stellungnahme dazu auf, gemeinsam auf McMahons Aufruf zu reagieren. Sie betrachten den Brief als Versuch der Regierung, den Hochschulsektor zu spalten, indem künftige finanzielle Förderungen von einer positiven Reaktion abhängig gemacht werden könnten. Dies schade nicht nur den betroffenen Einrichtungen, sondern lenke auch von der übergeordneten Aufgabe ab: "Wenn wir Zeit und Energie darauf verwenden müssen, den politischen und rhetorischen Angriffen der Regierung auszuweichen, können wir uns nicht auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich die Fortentwicklung der Nation durch die Hochschulbildung."
Wie IHE am 12. August berichtet, prüfen Universitäten derzeit, ob und wie sie auf den "Call to Action" reagieren sollen. Erwogen werden demnach Beratungen und Absprachen innerhalb einzelner Einrichtungen zwischen Rektoraten und Fakultäten sowie Konsultationen mit anderen Interessengruppen.
aktualisiert am 12. August 2026 um 10:58 [Ergänzung Abschnitte "Statement PEN America und AHE" und "Universitäten prüfen Vorgehen"], erstmals veröffentlicht am 11. August 2026
hae