Europa
"Boost" für Wissenschaft – auch mit US-Forschenden
Damit Europa wieder wettbewerbsfähig wird, brauche es über Exzellenz in der Forschung hinaus eine Politik, die disruptive Innovationen langfristig finanziell unterstützt, diese Ideen in die Umsetzung bringt und die geeigneten Marktbedingungen dafür sicherstellt. Mit diesen Kernaussagen hat die Präsidentin des Europäischen Forschungsrats (ERC), Professorin Maria Leptin, kürzlich die Perspektive des europäischen Forschungsraums vor dem Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie (ITRE) des Europäischen Parlaments umrissen.
Leptin betonte, dass es auch oder sogar besonders in Krisenzeiten einen langfristigen strategischen Blick auf die Forschung und einen echten "Boost" brauche. "Mit den Entscheidungen über den nächsten mehrjährigen Finanzrahmen, die noch vor dem Sommer erwartet werden, haben wir die Möglichkeit, die Zukunft Europas zu gestalten", erläuterte sie. Dabei stehe sehr viel auf dem Spiel und es gebe gemäß dem sogenannten Draghi-Bericht etliche Warnzeichen, dass Europa bei Zukunftstechnologien zurückfalle.
So dominierten die USA und China beispielsweise die KI-Forschung. "Europa kann es sich nicht leisten, nur ein Verbraucher dieser Technologien zu sein und sich bei wichtigen Komponenten unserer Wirtschaft auf andere zu verlassen", warnte Lupin diesbezüglich. Gleichzeitig seien auch in Europa viele Ideen und Techniken entwickelt worden – und das überwiegend an staatlichen Universitäten und Laboratorien. Viele dieser Ideen würden heute von den großen Technologieunternehmen in großem Umfang eingesetzt.
Europa als Zufluchtsort für US-Forschende
Lupin unterstützt die Idee, ein "Zufluchtsort" für Forschende zu sein, die aufgrund der politischen Lage in den USA nach Europa kommen wollen, berichtet das Wissenschaftsmagazin "Science Business". Sie habe vor dem Europäischen Parlament klargestellt, dass der Forschungsrat nur begrenzte Möglichkeiten habe, hier Einfluss zu nehmen. Dies habe sich bereits im Rahmen des Ukrainekriegs gezeigt, wo man immerhin über die eigenen Stipendienprogramme einige Aufnahmen habe ermöglichen können.
Die ERC-Präsidentin hob laut "Science Business" hervor, dass der Forschungsrat durch seine Programme Unterstützung anbieten könne. Aber er könne keine vollständige Infrastruktur für die Ansiedlung von Forschenden bieten. Ekaterina Zaharieva, die für Forschung und Innovation zuständige Kommissarin, habe auf demselben Treffen der Europaabgeordneten gesagt, dass sie die Schaffung eines "speziellen Passes" für die Wissenschaft in Betracht ziehe.
"Vielleicht braucht ein Philosoph oder ein theoretischer Physiker nur ein Büro, aber die meisten Forschenden brauchen viel mehr. Sie brauchen eine Infrastruktur, sie wollen in die Gemeinschaft eingebettet sein. Das ist etwas, was wir nicht bieten können, aber wir können es unterstützen", führte Leptin dazu weiter aus. So könne der ERC im Rahmen laufender Programme zusätzlich eine Million Euro zur Deckung förderfähiger Gründungskosten für Forschende bereitstellen.
cva