Fünfjahresplan
Chinas Innovationsoffensive soll Unabhängigkeit sichern
China strebt mit dem kommenden Fünfjahresplan erhöhte Autonomie in der Wissenschaft an und setzt verstärkt auf fortschrittliche Halbleitertechnologien, Künstliche Intelligenz (KI) und Grundlagenforschung. Das geht aus einer Ankündigung der chinesischen Regierung vom 24. Oktober hervor, die auf die kürzlich festgelegten Empfehlungen des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) zum Fünfjahresplan eingeht.
Zu den Zielvorgaben der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt gehören demnach die Stärkung von originären Innovationen und Durchbrüchen in Kerntechnologien sowie das Vorhaben, wissenschaftliche und industrielle Innovationen aufeinander abzustimmen. Darüber hinaus sollen talentierte Forschende gefördert und die Ausweitung der Initiative Digitales China vorangetrieben werden. Auf die koordinierte Entwicklung von Bildung, Wissenschaft und Technologie wird besonderen Wert gelegt.
Internationale Medien gehen von einer nennenswerten Budgeterhöhung für Forschung und Entwicklung (F&E) aus, wie sie bereits in den letzten zwei Jahrzehnten zu verzeichnen war. Laut dem Magazin Nature ist die chinesische Regierung der weltweit größte F&E-Geldgeber. Insbesondere im Bereich der Chip-Technologie sei mit hohen Investitionen zu rechnen, um Autonomie von den USA zu erreichen. Die chinesische Regierung teilt in ihrer Ankündigung mit, dass die nationalen F&E-Ausgaben im Jahr 2024 bereits auf etwa 507,6 Milliarden US-Dollar angewachsen seien. Dies entspreche einem Anstieg von 48 Prozent im Vergleich zu 2020.
Schwerpunkt: China
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Wissenschaftlich-technische Eigenständigkeit als Ziel
"Diese Vereinbarungen zielten darauf ab, die wissenschaftlich-technische Eigenständigkeit auf hohem Niveau zu beschleunigen", sagte Wissenschafts- und Technologieminister Yin Hejun am Freitag dazu auf einer Pressekonferenz. Yin betonte, dass es von entscheidender Bedeutung sei, originäre Innovationen zu stärken, in Schlüsselbereichen Durchbrüche bei Kerntechnologien zu erzielen und deren Anwendung zu beschleunigen.
Wichtig ist es laut Yin darüber hinaus, die strategische, zukunftsorientierte und systematische Ausrichtung der Grundlagenforschung zu unterstützen sowie die langfristige und stabile Förderung weiter auszubauen. Yin wies darauf hin, dass China einen offenen, gemeinsamen und sicheren nationalen Datenmarkt aufbauen werde. Die chinesische Regierung wolle Innovationen in digitalen Intelligenztechnologien wie KI beschleunigen und die effiziente Bereitstellung von Rechenleistung, Algorithmen und Daten verbessern. "Wir werden uns auf die Entwicklung neuer Modellalgorithmen und High-End-KI-Chips konzentrieren", sagte der Wissenschaftsminister.
"Wir werden zusammenarbeiten, um ein globales KI-Governance-System aufzubauen und globale Herausforderungen gemeinsam anzugehen."
Yin Hejun, Wissenschafts- und Technologieminister
Yin betonte außerdem die Notwendigkeit, relevante Gesetze und Vorschriften, Richtlinien, Anwendungsstandards und ethische Leitlinien zu verbessern. Gleichzeitig sei es wichtig, den internationalen Austausch und die Zusammenarbeit zu fördern. "Wir werden zusammenarbeiten, um ein globales KI-Governance-System aufzubauen und globale Herausforderungen gemeinsam anzugehen", sagte er. Ziel sei es, die traditionelle Industrie hin zu einer intelligenten, grünen und integrierten Industrie zu transformieren. Nach Informationen der britischen Rundfunkanstalt BBC wird der finale Fünfjahresplan erst im nächsten Jahr vorliegen.
cva