Gebäude des DAAD mit Schriftzug
picture alliance/dpa | Thomas Banneyer
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Akademischer Austausch
DAAD in Russland unerwünscht

Der Deutsche Akademische Austauschdienst gehört nun zu den Organisationen, deren Tätigkeit in Russland unerwünscht ist. Welche Folgen hat das?

13.02.2026

Das Justizministerium der Russischen Föderation in Moskau hat den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) in die Reihe der Organisationen aufgenommen, deren Tätigkeit in Russland unerwünscht ist. Damit ist die Förderorganisation in Russland faktisch verboten. Man habe diese Entscheidung zur Kenntnis genommen, teilte der DAAD in Bonn mit. "Wir stehen in engem Austausch mit dem Auswärtigen Amt zu den nächsten Schritten."

Außenminister Johann Wadephul hat Russland mit scharfen Worten aufgefordert, das faktische Verbot des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) zurückzunehmen. "Wir verurteilen diese Maßnahme auf das Schärfste. Sie ist völlig unbegründet", sagte der CDU-Politiker am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC). Er ergänzte: "Wir fordern Russland auf, diese Maßnahme umgehend zurückzunehmen."

DAAD stellt Arbeit in Russland ein

Russische Organisationen dürfen nun keine Beziehungen mehr mit dem DAAD unterhalten. Für russische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger bedeutet die Einstufung, dass sie bei Kontakt mit der deutschen Organisation Gefahr laufen, strafrechtlich verfolgt zu werden. 

Der DAAD kündigte am Freitag in einer Mitteilung an, seine Arbeit in Russland einzustellen. Auswahlverfahren für Stipendien in Russland müssten gestoppt werden. Das DAAD-Büro sowie das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) in Moskau würden geschlossen. Währenddessen liefen DAAD-Stipendien für russische Studierende, Promovierende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die bereits in Deutschland sind, weiter. "Russinnen und Russen können sich, zum Beispiel aus Drittländern, weiterhin auf DAAD-Stipendien bewerben", sagte DAAD-Präsident Professor Joybrato Mukherjee. Er drückte sein Bedauern gegenüber der Entscheidung der russischen Regierung aus.

Akademische Kontakte kommen zum Erliegen

Mit der Einstufung kommen akademische Kontakte mit Russland fast zum Erliegen, weil viele andere deutsche Wissenschaftsorganisationen bereits auf der Verbotsliste stehen. Bereits seit 2022 gilt die Heinrich-Böll-Stiftung als unerwünscht, 2023 folgte das Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien. Seit 2024 sind die Friedrich-Ebert-Stiftung, die Konrad-Adenauer-Stiftung, das Deutsche Historische Institut Moskau und die Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde in Russland ebenfalls faktisch verboten. 2025 wurde auch die Rosa-Luxemburg-Stiftung als unerwünscht eingestuft.

"Russland schafft so bewusst eine Atmosphäre der Angst und der Isolation. Kontakte mit dem Ausland werden zunehmend kriminalisiert", sagte Bundesaußenminister Wadephul. "Das ist kein wirklicher Friedenswillen, das ist kein Wille der Verständigung, den wir in Russland hier sehen."

Noch 200 russische Stipendiatinnen und Stipendiaten in Deutschland

DAAD-Angaben zufolge studieren derzeit noch etwa 200 russische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger mit einem DAAD-Stipendium in Deutschland. Insgesamt seien an deutschen Hochschulen 10.500 Russen eingeschrieben.

Der DAAD hatte 2022 mit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine Kontakte mit Russland eingeschränkt und seither keine Stipendiatinnen und Stipendiaten mehr dorthin entsandt. Der umgekehrte Weg für Russen und Russinnen an deutsche Hochschulen sollte jedoch erhalten bleiben. "In den vergangenen Jahren gab es vor Ort weiterhin Interesse an DAAD-Stipendien für Studien- oder Forschungsaufenthalte in Deutschland", sagte Mukherjee.

Das russische Justizministerium machte am Dienstag auf seiner Webseite die Einstufung des DAAD als unerwünscht öffentlich.

aktualisiert am 13.02.2026 um 14.25 Uhr [Ergänzung durch Inhalt aus DAAD-Pressemitteilung und durch Zitate von Außenminister Wadephul], zuerst veröffentlicht um 13.24 Uhr 

dpa/cpy