NRW-Hochschulen
DHV-Präsident: "Einsparungen gefährden Innovationsfähigkeit"
Bisher war die genaue Einsparsumme ab 2026 noch Objekt von Spekulationen: Am Mittwoch tagte der nordrhein-westfälische Wissenschaftsausschuss des Landtags zu den Kürzungen an den Hochschulen des Landes. Bereits aus der Vorlage für die Sitzung ging hervor, dass ihr Budget ab dem Jahr 2026 um 150 Millionen Euro gekürzt werden soll. Bedauern darüber äußert Professor Lambert T. Koch, Präsident des Deutschen Hochschulverbands (DHV) am Mittwoch: Die Kürzungen würden den Hochschulen "die Flügel stutzen, statt ihnen Auftrieb zu geben".
"Eine starke Wissensinfrastruktur macht jede andere Infrastruktur möglich – sie ist Grundvoraussetzung allen Fortschritts." Professor Lambert T. Koch, DHV-Präsident
"Die Einsparungen gefährden die Innovationsfähigkeit unseres Landes und schwächen den Wissenschaftsstandort Deutschland im globalen Wettbewerb um die besten Talente", so der DHV-Präsident in einer Pressemitteilung. Zudem beeinträchtigten die Kürzungen die Fachkräftesicherung im Inland und erschwerten es den Hochschulen, ihren Beitrag zu einer resilienten demokratischen Gesellschaft zu leisten. An der Wissenschaft zu sparen, sei der falsche Weg: "eine starke Wissensinfrastruktur macht jede andere Infrastruktur möglich – sie ist Grundvoraussetzung allen Fortschritts."
Was in der Sitzungsvorlage steht
In der Sitzungsvorlage heißt es, dass die zu erwartenden Steuereinnahmen des Landeshaushalts für 2026 deutlich unter den ursprünglichen Prognosen lägen und daher Kürzungen nötig seien. Hochschulen sollen im Haushalt 2026 demnach dennoch finanziell so ausgestattet sein, "dass ihre Handlungsfähigkeit in der aktuellen Wirtschaftslage gesichert bleibt." Es gehe darum, Strukturen zu erhalten und zu stärken, sobald sich "neue finanzielle Möglichkeiten" ergäben. Trotz Kürzungen sollen die Ausgaben im Etat des NRW-Forschungsministeriums um 3,1 Prozent auf 11,2 Milliarden Euro steigen.
Bereits zu Beginn des Jahres hatten Meldungen die Runde gemacht, dass bei den Hochschulen des Landes 2026 Kürzungen in Höhe von 255 Millionen Euro im Raum stehen. Als das Landeskabinett im Juli den Haushaltsentwurf für 2026 beschloss, kritisierten. Hochschulen und Opposition die Kürzungsabsichten. So gab die Universität zu Köln gegenüber dem WDR an, dass sie für das kommende Jahr mit zehn Millionen Euro weniger kalkuliere. Die Hochschule Düsseldorf sagte gegenüber der Rheinischen Post, dass sie wahrscheinlich bis zu 15 Professuren kürzen müsse.
Folgen für die Hochschulen
Die Kürzungen treffen "über 850.000 Menschen, die an Nordrhein-Westfalens Hochschulen studieren und arbeiten", sagt auch der Vorsitzende des Landesverbands NRW im DHV, Professor Christian von Coelln. "Weniger Geld bedeutet letztlich weniger Studienangebote, weniger Forschung und weniger Stellen – und das obwohl der Landesetat für Hochschulen schon jetzt auf Kante genäht ist und Nordrhein-Westfalen beispielsweise seit vielen Jahren bei der Relation von Studierenden pro Hochschullehrerin bzw. Hochschullehrer im bundesweiten Vergleich auf dem letzten Platz rangiert."
"Weniger Geld bedeutet letztlich weniger Studienangebote, weniger Forschung und weniger Stellen." Professor Christian von Coelln, Vorsitzender des Landesverbands NRW im DHV
Die 2021 getroffene "Hochschulvereinbarung NRW 2026" soll laut Sitzungsvorlage um zwei Jahre bis 2028 verlängert werden. Damit sei die Übernahme von Tarifsteigerungen, die Übernahme der Kostensteigerung von drei Prozent für Sach- und Investitionsmittel sowie der Kosten für Mietsteigerungen garantiert. Somit stiegen die Gesamtausgaben im Hochschulbereich von 6,13 Milliarden Euro auf 6,49 Milliarden Euro. Um ihren Beitrag zur Haushaltskonsolidierung zu leisten, müssten die Hochschulen auf die erwähnten 150 Millionen Euro pro Jahr bei der Grundfinanzierung verzichten. Ausgenommen seien die Kunst- und Musikhochschulen, nicht aber die Universitätsklinika.
Noch im Jahr 2021 hatten allerdings Landesregierung und Hochschulleitungen – unabhängig vom Hochschultypus – in der Hochschulvereinbarung fixiert, dass die Hochschulen bis einschließlich 2026 "von haushaltswirtschaftlichen Einsparungen, insbesondere von globalen Minderausgaben und Ausgabensperren, ausgenommen" bleiben. "Das gilt ab heute offenkundig nicht mehr", stellte der NRW-Landesvorsitzender im DHV von Coelln dazu fest.
Einsparungen laut Brandes "zumutbar"
Wissenschaftsministerin Ina Brandes hat am Mittwochnachmittag im Ausschuss in den Gesetzesentwurf eingeführt und hervorgehoben, dass in der Situation unvermeidlicher Einsparungen das konkrete Vorgehen in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe mit den Hochschulleitungen ausgearbeitet worden sei. Der Beitrag der Hochschulen zur Haushaltskonsolidierung sei für diese zwar sicher "schmerzhaft", aber doch "zumutbar", so Brandes. Hinsichtlich der Verlängerung der Hochschulvereinbarung kündigte die Ministerin an, dass der aktuelle Stand der Vereinbarung in dieser Woche an die Hochschulen versandt würde, damit die jeweiligen Hochschulgremien noch im Herbst über sie beraten könnten. Über den Gesetzentwurf werde in einer weiteren Sitzung des Wissenschaftsausschusses am 12. November abgestimmt.
aktualisiert am 25.09.2025 um 10:48 Uhr [Ergänzung um Absatz "Einsparungen laut Brandes 'zumutbar'", sowie Anpassungen im ersten Absatz im Anschluss an die Ausschusssitzung], zuerst veröffentlicht am 24.09.2025
cpy