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Kommentar Die Schulen brauchen Profis

Der dramatische Lehrermangel führt zu Panikreaktionen der Bildungspolitik. Das zeigt der Vorschlag des KMK-Präsidenten überdeutlich.

10.08.2018

Die Politik nimmt die Schule nicht ernst. Sie nimmt auch die Arbeit und Qualifikation des Lehrerberufes nicht ernst. Dass ihr dann auch die zukünftige Qualifikation der Schüler gleichgültig ist, ist die logische Konsequenz. Denn wie sollen nicht gründlich ausgebildete Lehrer und Lehrerinnen selbst gut lehren? Der Vorschlag des amtierenden Vorsitzenden der Kultusministerkonferenz, des thüringischen Kultusministers Helmut Holter (Linke), „Einheitslehrer“ als Passepartout auszubilden und einzusetzen, zeigt dies mit wünschenswerter Klarheit.

Im Kampf gegen den dramatischen Lehrermangel schlägt Holter vor, Lehrer nicht mehr strikt getrennt nach Schularten auszubilden. Seiner Ansicht nach darf die Lehrerausbildung nicht mehr nach Gymnasium, Grund- und Realschule erfolgen, sondern nach Altersstufen der zu unterrichtenden Kinder. Dadurch könnten Lehrer an verschiedenen Schularten zum Einsatz kommen. Über die Lehrerausbildung müsse eine Grundsatzdebatte geführt werden. "Am Ende kommt auch die Frage, ob die unterschiedliche Besoldung von Grundschul-, Regelschul- und Gymnasiallehrern aufgehoben wird", sagte Holter, der sich gegen Gehaltsunterschiede bei Lehrern aussprach.

Es geht also um Nivellierung. Nimmt man dies zusammen mit der in allen Ländern grassierenden Anstellung von didaktisch nicht gebildeten Quereinsteigern, so heißt das: Wir brauchen keine Profis. Lehrer kann jeder und jeder Lehrer kann gleichermaßen Sonderpädagogik, Grundschule und Gymnasium. Wenn dann noch alle das gleiche Gehalt bekommen, wird wohl für die Finanzminister am Ende etwas zum Sparen zu finden sein.

Dies ist auch ein Frontalangriff auf das Gymnasium. Wird auf Fachkompetenz verzichtet, hat dies unmittelbar dramatische Folgen für die Hochschulen und Universitäten. Schon jetzt müssen Hochschullehrer regelmäßig nachschulen, um die Abiturienten an das Universitätsniveau heranzuführen. Die Schulen brauchen bestausgebildete Profis, sie brauchen Differenzierung und Spezialisierung. So geht es nicht weiter. Schulen und Universitäten müssen wieder ernst genommen werden.