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Umfrage unter US-amerikanischen Studierenden Diversität wichtiger als Meinungsfreiheit

Viele US-amerikanische Studierende finden Diversität und Inklusion wichtiger als die Meinungsfreiheit. Social Media sehen sie zunehmend kritisch.

12.03.2018

Der Großteil der US-amerikanischen Studierenden ist für Meinungsfreiheit sowie Diversität und Inklusion auf dem Campus. Müssen sie sich entscheiden, sprechen sich 53 Prozent in erster Linie für Diversität und Inklusion aus. 46 Prozent finden die freie Meinungsäußerung wichtiger. Das ergab eine Umfrage unter rund 3.000 Studierenden an rund 100 Hochschulen, die unter anderem die Non-Profit-Organisation Knight Foundation durchgeführt hat.

Die Meinung unterschiedlicher Gruppen unterscheidet sich teils deutlich. Während etwa 61 Prozent der befragten Männer die Meinungsfreiheit für wichtiger als Diversität und Inklusion auf dem Campus erachten, setzen 64 Prozent der Frauen diese an die zweite Stelle. Auch weiße und schwarze Studierende, zwischen denen traditionell in US-Statistiken unterschieden wird, haben unterschiedliche Meinungen. Weiße Studierende entscheiden sich mehrheitlich für die Meinungsfreiheit, schwarze Studierende für Diversität und Inklusion.

Fördern soziale Medien Hassrede?

Der Großteil der Studierenden glaubt, dass gesellschaftspolitische Debatten an ihrer mittlerweile häufiger online als persönlich auf dem Campus ausgetragen würden. Obwohl sie Social Media regelmäßig nutzten, haben die befragten Studierenden eine zunehmend kritische Meinung darüber, wie die sozialen Netzwerke auf den gegenseitigen Umgang wirkten. 59 Prozent glauben zum Beispiel, dass Menschen Angriffe in sozialen Medien fürchteten, 83 Prozent sagten, dass es zu einfach sei, anonym online zu posten. 60 Prozent sind der Meinung, dass zu viele Menschen Andersdenkende in den sozialen Medien blocken würden, anstatt sich mit deren Positionen auseinanderzusetzen.

Insgesamt kamen die Studierenden zu dem Schluss, dass Hassrede, "Hate Speech", durch Social Media zugenommen habe. Obwohl die Befragten das First Amendment des Grundrechtekatalogs zur Sicherung der Meinungsfreiheit befürworten, sind sie dagegen, dass es Hassrede schützt.

Gewalt gegen kontroverse Redner: 10 Prozent der US-Studierenden halten dies teils für vertretbar

Die Erhebung fällt in eine Zeit, in der Hassrede ein aktuelles Thema an US-Hochschulen ist. Die Kritik an Diskriminierungen und einer fehlenden Chancengleichheit an den Hochschulen nimmt zu, Redner wurden ausgeladen oder ausgebuht. In der Umfrage haben sich die Studierenden mehrheitlich dagegen ausgesprochen, dass es in Ordnung sei, einen Redner "niederzubrüllen". 37 Prozent hielten es jedoch teils für vertretbar. 90 Prozent sprachen sich außerdem klar gegen Gewalt aus. 10 Prozent hielten auch dies situationsabhängig für legitim, um "kontroverse Sprecher" an ihrem Auftritt auf dem Campus zu hindern.

Beteiligt waren an der Umfrage neben der Knight Foundation das Meinungsforschungsinstitut Gallup, der American Council on Education, das Charles Koch Institute und die Stanton Foundation.

kas