EU-Kommission
EU-Strategie soll Forschungs-Infrastrukturen stärken
Forschungs- und Technologie-Infrastrukturen bilden das "Rückgrat des europäischen Forschungs- und Innovationsökosystems". Sie müssen gestärkt werden, um die europäische Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. So beschreibt es die EU-Kommission in einem am 15. September veröffentlichten Strategiepapier. "Um im weltweiten Wettlauf um Wissenschaft und Innovation weiterhin an der Spitze zu liegen, muss Europa seine Forschungs- und Technologie-Infrastrukturen deutlich ausbauen und sie noch stärker integrieren und einem breiteren Kreis zugänglich machen", teilt die EU-Kommission dazu mit. Auch der vor einem Jahr veröffentlichte Draghi-Bericht hatte die Wichtigkeit der wissenschaftlichen Infrastrukturen hervorgehoben.
Ekaterina Sachariewa, EU-Forschungskommissarin, sagte laut Mitteilung: "Mit unserer neuen Strategie werden wir sicherstellen, dass Wissenschaftler, Forschende und Innovatoren in ganz Europa, einschließlich Start-ups und Scale-ups, einfachen Zugang zu modernsten Einrichtungen und maßgeschneiderten Dienstleistungen haben, um ihre Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln und zu testen." So soll der Standort auch im Kontext der Choose-Europe-Initiative attraktiver werden, mit der die EU internationale Forschende für eine Tätigkeit in Europa gewinnen will.
Bei den Forschungs-Infrastrukturen, auf die sich die Strategie bezieht, geht es beispielsweise um das CERN, die erste europäische Großforschungseinrichtung, die 1954 in der Nähe von Genf eingerichtet wurde. Technologieinfrastrukturen sind Einrichtungen, die die Entwicklung und Erprobung von Technologien ermöglichen sowie erlauben, eine Kommerzialisierung vorzubereiten. Dabei handelt es sich um Pilotanlagen, Demonstrationsanlagen, Reinräume, Prüfstände und Living Labs. Beispielhaft erwähnt das Strategiepapier das Bioruukki Testzentrum in Finnland für biobasierte Produkte und Kreislaufwirtschaft, das verschiedene Anlagen und Dienstleistungen für Material- und Chemietechnologien anbietet.
Herausforderungen und Lösungsvorschläge
Die Finanzierung der Infrastrukturen erfolgt oft durch öffentliche Mittel der Länder, in denen sie sich befinden, oder durch Gelder der sie beherbergenden Institutionen, so das Strategiepapier. Die Strategie enthält verschiedene Maßnahmen an, durch die sich die EU mehr einbringen werde.
- Infrastrukturen sollen gestärkt werden, indem die EU ihre Kapazitäten ausbaut. Dazu will sie Investitionen mobilisieren.
- Dienste, die die Infrastrukturen anbieten, sollen besser auf die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer angepasst werden.
- Der Zugang zu den Infrastrukturen soll verbessert und vereinfacht werden, etwa durch virtuelle Zugangsmöglichkeiten.
- Talente sollen für attraktive Laufbahnen in den Infrastrukturen angeworben und ausgebildet werden.
- Der Governance-Rahmen soll verbessert und vereinfacht werden, etwa um Prioritäten zwischen den EU-Mitgliedsstaaten und Stakeholder abzustimmen und die langfristige Planung und Finanzierung der Forschungs-Infrastrukturen zu erleichtern.
- Die Widerstandsfähigkeit der Infrastrukturen und ihre internationale Dimension soll gestärkt werden, indem global gesellschaftliche Herausforderungen gemeinsam mit strategischen Partnern bewältigt werden und es ein Risikomanagement für Infrastrukturen gibt.
Die European Association of Research and Technology Organisations (EARTO) begrüßte in einer Mitteilung am Donnerstag die Strategie grundsätzlich. Starke Forschungs- und Technologie-Infrastrukturen seien zentral, damit Europa im globalen Wettbewerb um neue Technologien nicht weiter abgehängt werde. Allerdings sei das dazu eingeplante Budget von knapp 11 Milliarden Euro zu niedrig. Die European Investment Bank habe eine Studie zu Technologieinfrastrukturen veröffentlicht, die davon ausgehe, dass allein für diese zwischen 13 und 16 Milliarden Euro investiert werden müssten. Die Organisation fordert daher, das Budget entsprechend dem tatsächlichen Bedarf zu erhöhen.
Gegenüber dem Onlinemagazin Science Business, das auch über das Strategiepapier berichtet, äußerten einige Expertinnen und Experten die Sorge, dass sich Forschungs- und Technologie-Infrastrukturen gegenseitig die Finanzierung streitig machen könnten. Diese Kritik sei bei der Konzeption der Strategie berücksichtigt worden, berichtet das Onlinemagazin unter Verweis auf einen Sprecher der EU-Kommission.
cpy