20 Jahre EFI
Expertenkommission sieht Deutschland technologisch im Rückstand
Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) erinnert heute an den Regierungsbeschluss zu ihrer Einrichtung vor 20 Jahren und verbindet dies in einer Pressemitteilung mit einem aktuellen Appell. "Die gesamte Bundesregierung sollte an einem Strang ziehen und mit höchster Priorität und Pragmatismus daran arbeiten, Deutschland fit für die Zukunft zu machen", sagt EFI-Vorsitzende Professorin Irene Bertschek vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung Mannheim und der Universität Gießen. Eine wirksame Forschungs- und Innovationspolitik (F&I) benötige belastbare Evidenz, langfristige Perspektiven und den Blick über kurzfristige politische Zyklen hinaus.
"Die gesamte Bundesregierung sollte an einem Strang ziehen."
Professorin Irene Bertschek, EFI-Vorsitzende
Uwe Cantner, Professor an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und EFI-Vorsitzender von 2019 bis 2025, resümiert: "In den letzten Jahren hat die Kommission auch die Grundlagen für eine F&I-Politik gelegt, die auf die Generierung und Anwendung radikal neuer Technologien und den dabei entstehenden intensiven Strukturwandel in Wirtschaft und Gesellschaft abstellt."
Im Fokus der EFI stehen laut Pressemitteilung derzeit unter anderem die Hightech Agenda mit ihrem Schwerpunkt auf Schlüsseltechnologien, die digitale Transformation von Wirtschaft und Verwaltung, die weitere Forcierung des Transfers aus der Wissenschaft in die Anwendung und die Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Skalierung von Innovationen auf europäischer Ebene.
"Ich wünsche mir, dass der Bundeskanzler die Hightech Agenda noch stärker zum prioritären Projekt der gesamten Bundesregierung macht", sagte Bertschek im Interview mit Table.Briefings und wünschte sich einen schärferen Blick fürs große Ganze. F&I-Politik könne nicht alle derzeit bestehenden Probleme lösen, aber in vielen Bereichen zur Lösung beitragen, zum Beispiel durch energieeffiziente Technologien. Deutschland und Europa müssten dringend technologische Rückstände aufholen.
Erfolge der letzten 20 Jahre bei der wissenschaftlichen Beratung
Am 23. August 2006 beschloss die Bundesregierung die Einrichtung der EFI. Seit der Übergabe des ersten Jahresgutachtens 2008 liefert die EFI den politisch Verantwortlichen evidenzbasierte Analysen und konkrete Handlungsempfehlungen. Diese Empfehlungen sollen die Bundesregierung dabei unterstützen, innovationspolitische Maßnahmen weiterzuentwickeln, neue technologische Entwicklungen frühzeitig einzuordnen und die Rahmenbedingungen für Forschung und Innovation zukunftsorientiert zu gestalten.
"Manchmal bedarf es eines langen Atems."
Professor Dietmar Harhoff, EFI-Vorsitzender 2007 bis 2019
Zahlreiche Vorschläge und Appelle der EFI seien in den vergangenen Jahren aufgegriffen und in konkrete Maßnahmen überführt worden. So hätten diese beispielsweise zur Einrichtung eines Bundesministeriums für Digitalisierung und zur Gründung der Bundesagentur für Sprunginnovationen SPRIND beigetragen. Ebenso gründe das erklärte Ziel der Bundesregierung, 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung auszugeben, auf einer Forderung der EFI. "Manchmal bedarf es eines langen Atems. So hat die EFI seit ihrer Gründung immer wieder die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung empfohlen, bis im Jahr 2020 das Forschungszulagengesetz in Kraft trat", stellt Professor Dietmar Harhoff, Vorsitzender der EFI von ihrer Gründung 2007 bis 2019 und Direktor des Max-Planck-Instituts für Innovation und Wettbewerb, laut EFI-Pressemitteilung rückblickend fest.
Ein aktuelles Erfolgsbeispiel ist der EFI zufolge der Beschluss zum Bundeserprobungsgesetz im Sommer 2026. Bereits 2019 habe das Gremium den systematischen Einsatz von Reallaboren als regulatorische Experimentierräume empfohlen und sich seit 2022 kontinuierlich für ein eigenständiges Reallabore-Gesetz ausgesprochen.
cva