Stellungnahme
Forschungsnetzwerk fordert nachhaltigere Hightech Agenda
Das Ecological Research Network (Ecornet) hat vor einigen Tagen seine Stellungnahme zur Hightech Agenda Deutschland (HTAD) veröffentlicht. Das Netzwerk fordert, die Agenda um Perspektiven der Resilienz- und Nachhaltigkeitsforschung zu ergänzen. Die Stellungnahme wurde als Beitrag zur derzeit laufenden Agenda-Konsultation eingereicht, teilte das Netzwerk in einer Pressemitteilung mit.
Ende Mai dieses Jahres veröffentlichte die Bundesregierung Umsetzungspläne (Roadmaps) für die sechs Zukunftstechnologien der HTAD. Zugleich startete ein digitaler Konsultationsprozess, an dem sich Wissenschaft, Wirtschaft, aber auch die Zivilgesellschaft beteiligen konnten. Das Netzwerk von acht Instituten der Nachhaltigkeitsforschung in Deutschland sieht die Notwendigkeit, dass sich die Agenda und ihre Roadmaps stärker als bisher an zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen und einer nachhaltigen Entwicklung ausrichten sollten. "In vielen Technologie- und Industriebranchen ist eine Nachhaltigkeitsorientierung bereits jetzt ein klarer Wettbewerbsvorteil und ein entscheidendes Asset von Zukunftsmärkten. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund geopolitischer Risiken", heißt es in der Stellungnahme.
Das Netzwerk empfiehlt, die Hightech Agenda mit Kernelementen und Erkenntnissen aus der Strategie "Forschung für Nachhaltigkeit" (FONA) des Bundesforschungsministeriums anzureichern. Auch Bundesforschungsministerin Dorothee Bär hatte bei der Veröffentlichung der neuen FONA-Strategie Ende Juni in Berlin angesichts zunehmender Wissenschaftsfeindlichkeit und Klimawandelleugnung festgestellt: "Wir müssen alles daransetzen, dass das Thema Nachhaltigkeit nicht hinten runterrutscht." Nachhaltigkeit, so die Ministerin weiter, sei aktive Zukunftsvorsorge und auch ein entscheidender Wirtschaftsfaktor.
Gesellschaftlichen Nutzen von Hightech sichtbar machen
Bisher ziele die Agenda hauptsächlich auf Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfung und technologische Souveränität. Ecornet empfiehlt, dass die HTAD stärker als bisher auch auf die Lösung gesellschaftlicher und alltagsweltlicher Probleme fokussieren muss. Die Berücksichtigung sozialer Dimensionen wie Arbeit oder Gerechtigkeitsfragen sei unerlässlich, damit Innovationen besser gesellschaftliche Wirkung entfalteten. Darüber hinaus könne der selbst gesetzte Anspruch auf eine "Mitmach-Agenda" nur durch die Einbindung zivilgesellschaftlicher Akteursgruppen erfüllt werden.
Zentral dafür ist nach Ansicht von Ecornet auch ein erweitertes Innovationsverständnis. Der Fokus der Agenda auf technologische Innovationen müsse ergänzt werden um soziale, kulturelle und institutionelle Innovationen, die alle miteinander in Wechselwirkung stehen. Erst dieses Zusammenspiel erzeuge eine lebendige Innovationskultur, wie sie die Agenda anstrebe. "Nicht nur neue marktfähige Produkte sollen entstehen, sondern auch andere Innovationen wie neue Verfahren, Plattformen, Service- und Nutzungsmodelle, Organisationsformen, Governancemodelle etc. Erst die Summe aller Innovationen erzeugt starke Hebelwirkung und eine lebendige Innovationskultur, die positiv auf Wertschöpfungssysteme zurückwirkt", führt Ecornet in seiner Stellungnahme aus.
Das Netzwerk betont vor allem die Hebelwirkung, die transdisziplinäre Forschung für technologische Innovationen habe. Der von den Ecornet-Instituten früh mitentwickelte Forschungsansatz ermögliche eine breite Akteursbeteiligung für eine große Perspektivenvielfalt in Forschung und Innovation. Zudem seien Innovationsprozesse komplexe Gefüge, die mithilfe transdisziplinärer Methoden für verschiedene Akteursgruppen verständlich aufbereitet werden könnten.
Mitglieder von Ecornet
- Ecologic Institut gemeinnützige GmbH,
- Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg,
- Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (iöw),
- Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE),
- Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (izt),
- Öko-Institut,
- Unabhängiges Institut für Umwelfragen (UfU e. V.) sowie das
- Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH.
cva