Die EU-Flagge weht vor stürmischem Himmel.
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Forschungsförderung
Gebündelte Kritik der europäischen Wissenschaft an FP10

Einen "dringenden Appell" richten zentrale Interessensvertretungen von Forschungseinrichtungen an die EU. Die FP10-Pläne sollen angepasst werden.

02.12.2025

Führende europäische Hochschulorganisationen haben am 1. Dezember Änderungsvorschläge präsentiert, die sicherstellen sollen, dass das kommende EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation (FP10) die Bedürfnisse der Forschungsgemeinschaft erfüllt. Nur so könnten hervorragende Forschungsergebnisse erzielt, weltweit führende Talente angezogen und Wissen in praktische Anwendungen umgesetzt werden. 

Darin sind sich die Initiatoren des Aufrufs einig, unter ihnen die Europäische Universitätsvereinigung (EUA), der Verband europäischer forschungsintensiver Universitäten sowie die Liga europäischer Forschungsuniversitäten (LERU). Sie vertreten insgesamt rund 900 europäische Universitäten und Forschungseinrichtungen. 

Die Gemeinschaft aus insgesamt vierzehn Verbänden aus Forschung und Entwicklung (F&E) richtet sich mit ihrem Appell an die Europäische Kommission und bezieht sich ganz konkret auf den bisherigen Entwurf für den Rechtstext. Die vorgelegten Änderungsvorschläge zielen darauf ab, "Klarheit, Kohärenz und Effektivität zu stärken, damit FP10 weiterhin einen maximalen europäischen Mehrwert generiert". Nur in abgeänderter Form könne das EU-Förderprogramm "seinen Beitrag zur Widerstandsfähigkeit, zur Wettbewerbsfähigkeit und zum Wohlstand Europas" maximieren. 

Gemeinsame Überzeugung: FP10 braucht eigene Programmziele 

Die Unterzeichnenden betonen in ihrem Appell und den beigefügten Erläuterungen, dass sie die geplante Erhöhung des Budgets von Horizon Europe auf 175 Milliarden Euro zwar begrüßen, diese aber als Minimum zur Erreichung der europäischen Ziele betrachten. Darüber hinaus bewerten sie die Verzahnung von FP10 mit dem Europäischen Wettbewerbsfonds (ECF) in der vorgesehenen Form als "ungeeignet" und wünschen sich "eine grundlegende Überarbeitung". 

Die F&E-Gemeinschaft fordert in ihrem Aufruf an die EU-Kommission die Definition klarer und eigenständiger Programmziele für das Nachfolgeprogramm von Horizon Europe. "Wir wollen genau die Elemente stärken, die den Europäischen Forschungsrat (ERC) und die Marie Sklodowska-Curie Actions (MSCA) so erfolgreich gemacht haben: Ihr Fokus auf von Forschenden geleitete Forschung und das Streben nach Exzellenz", führt Kurt Deketelaere, Generalsekretär der LERU, im Rahmen des Appells aus. 

Um die Komplementarität mit anderen EU-Instrumenten, insbesondere dem Europäischen Wettbewerbsfonds, sicherzustellen, fordern die Unterzeichnenden explizit die Streichung der entsprechenden Regelungen aus dem Rechtstext von FP10. Nur so könne sichergestellt werden, dass Forschungskooperation tatsächlich wissenschaftlich relevante Bereiche fokussiere. Bereits seit Monaten wird seitens der europäischen Forschungsgemeinschaft das Vorhaben mit Skepsis betrachtet, die Forschungsförderungen eng an die Ziele des Wettbewerbsfonds zu koppeln und diese somit in dessen inhaltliche Abhängigkeit geraten könnte.

Die Organisationen hinter dem Appell 

Für den Appell zusammengeschlossen haben sich 

  • ein Netzwerk aus 39 traditionsreichen europäischen Universitäten (Coimbra-Gruppe),
  • die Europäische Universitätsvereinigung (EUA),
  • eine Allianz unabhängiger Forschungsinstitute in ganz Europa (EU-LIFE),
  • der Verband europäischer forschungsintensiver Universitäten (Guild of European Research-Intensive Universities, "The Guild"),
  • die Liga europäischer Forschungsuniversitäten (LERU),
  • das Netzwerk junger europäischer Forschungsuniversitäten (YERUN) sowie
  • die Konferenz der Europäischen Hochschulen für fortgeschrittene Ingenieurausbildung und Forschung (CESAER). 

Unterstützend treten hinzu: 

  • Ein Zusammenschluss von Akademien der Wissenschaften und ähnlichen Einrichtungen in Europa (ALLEA),
  • das Aurora Universities Network,
  • das Europäische Konsortium innovativer Universitäten (ECIU),
  • die Initiative für Wissenschaft in Europa (ISE),
  • die Marie Curie Alumni Association (MCAA),
  • das Netzwerk der Universitäten aus den Hauptstädten Europas (UNICA) sowie
  • die Junge Akademie Europas.

cva