Portraitfoto von Ayse Asar
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Forschungsdatensicherung
Grüne kritisieren Maßnahmen der Regierung

Im Koalitionsvertrag kündigen CDU/CSU und SPD die Sicherung von bedrohten Forschungsdaten an. Eine Kleine Anfrage zielt auf die Umsetzung ab.

23.06.2025

Die wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Ayse Asar, hat die Bemühungen der Bundesregierung zur Sicherung und Zugänglichmachung bedrohter wissenschaftlicher Datenbestände kritisiert: "Es fehlt ein verbindlicher Notfallplan, konkrete Maßnahmen und ausreichende Ressourcen, um bedrohte Datenbestände zu sichern und dauerhaft zugänglichzuhalten", sagte Asar gegenüber Forschung & Lehre. Vorausgegangen war eine Kleine Anfrage Bundestagsfraktion der Grünen von Anfang Juni, auf die die Bundesregierung am 18. Juni geantwortet hat.

Vor dem Hintergrund, dass zentrale wissenschaftliche Daten, die bisher von den Vereinigten Staaten von Amerika zur Verfügung gestellt wurden, nicht mehr frei zugänglich sind oder in Gefahr sind, dass der Zugang zu ihnen erschwert wird, hatte die Anfrage Angaben zu aktuellen Maßnahmen der Bundesregierung zur Forschungsdatensicherung erbeten. Spezifisch hatten die Grünen gefragt, wie die Regierung wissenschaftliche Einrichtungen bei der Datensicherung fördert und ob sie den Ausbau finanzieller, infrastruktureller und personeller Kapazitäten für notwendig hält. Aus der Antwort der Bundesregierung, die Forschung & Lehre vorliegt, geht hervor, dass "erste kurzfristige Maßnahmen" bereits laufen, die "insbesondere der Spiegelung von Datenbanken" dienen. Dazu stünde die Regierung im Austausch mit der Allianz der Wissenschaftsorganisationen. Darüber hinaus sei aber eine Koordination auf europäischer Ebene "unerlässlich".  

Hinsichtlich der Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten sowie des Ausbaus finanzieller, infrastruktureller und personeller Kapazitäten verweist die Bundesregierung auf ihren "kontinuierlichen Dialog mit den betroffenen Einrichtungen in Deutschland, unter anderem mit Blick auf den Umgang von Datenbeständen, eine Konkretisierung der Bedarfe und mögliche Unterstützungsleistungen für die Wissenschaft". Sie deutet lediglich an, dass die "Bereitstellung von übernommenen Forschungsdaten für eine wissenschaftliche Community" gegebenenfalls auch "spezialisierte IT- und Fachkenntnisse" erfordern könne "deren Verfügbarkeit im Einzelfall zu prüfen ist".

Fachleute zur Datenbearbeitung fehlen

Schon vor einigen Wochen hatten Fachleute gegenüber Forschung & Lehre deutlich gemacht, dass die Bearbeitung und Pflege von Forschungsdaten und nicht allein ihr Spiegeln eine Herausforderung darstellten. Schritte in der Datenprozessierung, wie zum Beispiel die Transformation von gemessenen Rohdaten zu qualitätsgesicherten Datenprodukten, könnten nicht geleistet werden. Sie wurden bisher etwa durch die US-amerikanische Wetter- und Ozeanografie-Behörde  (National Oceanic and Atmospheric Administration, NOAA) vorgenommen. Es fehlten in Europa sowohl die Expertise als auch die Expertinnen und Experten, erläuterte Frank Oliver Glöckner, Professor für Erdsystem Datenwissenschaften an der Universität, im Gespräch mit Forschung & Lehre. Er ist Leiter des deutschen Repositoriums PANGAEA, das vom Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) und dem Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen Open Access zur Verfügung gestellt wird und bereits US-Forschungsdaten sichert.

Auch Sören Lorenz, Chief Information Officer (CIO) am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, sagte Mitte Mai gegenüber Forschung & Lehre, dass Expertinnen und Experten zur Verwaltung der Daten nötig seien, die ausgebildet und gehalten werden müssten. Lorenz ist Co-Sprecher von DataHub Erde und Umwelt, der gemeinsamen Initiative aller Helmholtz-Zentren für Erd- und Umweltforschung, die Forschenden erlaubt, Daten zu speichern, zu managen und zu teilen, aber auch sie zu analysieren und visualisieren.

Asar, Sprecherin für Forschung, Technologie und Raumfahrt der Grünen im Bundestag, kritisiert die Antworten der Bundesregierung als "vage Ankündigungen". Die Regierung wälze die Verantwortung auf die Wissenschaftsorganisationen und die europäische Ebene ab. Stattdessen fordert sie ein Sofortprogramm zur Unterstützung der Wissenschaftseinrichtungen in Deutschland, "das finanzielle, personelle und technische Ressourcen bereitstellt, um eine sichere, dauerhafte Infrastruktur für bedrohte internationale Forschungsdaten zu schaffen". In Europa müsse Deutschland "eine aktive Führungsrolle" übernehmen, "um unwiederbringliche Wissensverluste abzuwenden und den freien internationalen Zugang zu wissenschaftlichen Daten dauerhaft zu sichern".

cpy