Bundeskanzler Friedrich Merz hält die Eröffnungsrede bei der Auftaktveranstaltung der Hightech-Agenda Deutschland.
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BMFTR
Hightech Agenda geht an den Start

Die Hightech Agenda Deutschland ist auf den Weg gebracht: Sie soll der Bundesrepublik "Innovationsführerschaft" bringen.

30.10.2025

Sie begann mit einem Countdown und einem symbolischen Raketenstart auf der Videoleinwand: Zur offiziellen Auftaktveranstaltung der Hightech Agenda Deutschland (HTAD) hatte Forschungsministerin Dorothee Bär am Mittwoch nach Berlin eingeladen. Bundeskanzler Friedrich Merz hielt vor Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft die Eröffnungsrede. EU-Forschungskommissarin Ekaterina Sachariewa schloss sich mit einem Impulsvortrag an.

Merz erläuterte, dass in Deutschland Verbesserungsbedarf bei der Übersetzung von Forschungsergebnissen in marktfähige Produkte bestehe, der schnell ausgeglichen werden müsse, da sonst Sicherheit und Freiheit bedroht wären. Vor dem Hintergrund eines Systemkonflikts zwischen autoritären und freiheitlichen Staaten sei technologische Souveränität besonders wichtig. "Nur Innovationsführerschaft führt dazu, dass wir eine Gestaltungsmacht sein können", so Merz. "Innovationspolitik hat für diese Bundesregierung von Anfang an eine hohe – ich neige dazu, zu sagen, die höchste – Priorität", erläuterte der Bundeskanzler. Deutschland dürfe nicht zulassen, dass die USA und China allein die technologische Zukunft bestimmten. Dafür brauche es einen "echten Schulterschluss von Wirtschaft und Wissenschaft" – für diesen stehe die HTAD.

Sachariewa stimmte Merz zu und betonte, wie wichtig Deutschlands Bemühungen um Innovation im europäischen Kontext seien: "Wenn Deutschland sich bewegt, bewegt sich auch Europa. Wenn Deutschland sich modernisiert, modernisiert sich Europa", sagte die Forschungskommissarin. Mit Initiativen wie der HTAD würde ein Europa errichtet, "in dem Innovationen und Ideen gedeihen, offen, selbstbewusst, nachhaltig und wertebasiert".

Die Auftaktveranstaltung ging mit einer Paneldiskussion weiter. Breakout-Sessions zu den einzelnen Schlüsseltechnologien fanden am Nachmittag statt. Dabei waren die Stakeholder eingeladen, ihre Perspektiven zu teilen. Ein Sprecher des BMFTR kündigte gegenüber Forschung & Lehre an, dass die Ergebnisse der Breakout-Sessions sowie die der gesamten Veranstaltung nun ausgewertet würden und sie in die weitere Umsetzung der Agenda einflössen. "Wir laden die Länder und Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und (Zivil-)Gesellschaft ein, die Technologie-Roadmaps mit uns auszugestalten und umzusetzen", sagte der Sprecher zum weiteren Verlauf.

HTAD: Mehr als "Wagnis und Wachstum"

Die Hightech Agenda Deutschland soll die Forschungs- und Technologiepolitik neu ausrichten. Ende Juli hat sie das Bundeskabinett passiert. Sie soll Deutschland laut Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) dazu verhelfen, in sechs Schlüsseltechnologien weltweit auf eine Spitzenposition zurückzukehren: Diese Technologien sind Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, Mikroelektronik, Biotechnologie, Fusion und klimaneutrale Energieerzeugung sowie Technologien für eine klimaneutrale Mobilität. Auch in strategischen Forschungsfeldern soll die HTAD wirken, dazu gehört etwa die Luft- und Raumfahrt. Die Ziele der HTAD umschrieb Forschungsministerin Bär bei der Auftaktveranstaltung mit "Wachstum und Wagnis, Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfung und Wohlstand". Nun laufen die in der Agenda genannten Roadmap-Prozesse mit konkreten Meilensteinen für die einzelnen Schlüsseltechnologien, an denen die Länder und zentrale Stakeholder aus Wissenschaft und Wirtschaft beteiligt sein sollen.

Laut Ankündigung des BMFTR von Anfang August werden bis 2029 insgesamt rund 18 Milliarden Euro für die HTAD hinterlegt. Kritische Nachfragen, ob dieses Budget ausreiche, konterte die Bundesforschungsministerin im Vorfeld der Auftaktveranstaltung. Das sei "ein finanziell unterfütterter Arbeitsplan, an dem wir uns auch messen lassen wollen", kommentierte Bär im Gespräch mit Table.Media. Die forschungspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Ayse Asar, kritisierte, dass die Forschungsausgaben an anderer Stelle gekürzt würden. Die Bundesregierung kürze die Mittel für Transfer von 463 auf 425 Millionen Euro. "Gleichzeitig sinkt der Forschungsetat real von 4,44 Prozent des Gesamthaushalts auf 3,67 Prozent bis 2029. Das ist nicht Zukunftspolitik, das ist Ankündigungspolitik", sagte Asar laut einer Pressemitteilung vom 29. August.

Spitze in KI-Forschung?

Das BMFTR möchte mit der HTAD auch dafür sorgen, dass Deutschland ein souveräner KI-Standort wird. Aktuell dominieren Anbieter von generativen KI-Modellen aus den USA und China. Das Science Media Center (SMC) hat KI-Fachleute gefragt, ob Deutschland und Europa eine Aufholchance haben und welche Förderansätze dabei vielversprechend seien.

Professor Kristian Kersting erläuterte, dass China in 15 Jahren gezeigt habe, dass entschlossenes Investieren reiche, um als einstiger Nachzügler eine KI-Macht zu werden. "Das kann Europa auch," so der Leiter des Fachgebiets Maschinelles Lernen, Technische Universität Darmstadt. "Europas Souveränität hängt heute von Recheninfrastruktur, mutiger Finanzierung und schnellem Transfer ab."

"Die Hightech Agenda Deutschland eröffnet die richtigen Förderprioritäten und setzt KI an die erste Stelle", sagte Antonio Krüger, Professor für Computer Science an der Universität des Saarlandes und CEO und wissenschaftlicher Direktor, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH (DFKI) gegenüber SMC.

Stifterverband: Länderbeteiligung muss organisiert werden

Neben Geld fehlten der HTAD klare Strukturen, messbare Ziele und die Einbindung der Länder, kritisierte Asar per Pressemitteilung. Auch der Stifterverband hatte sich am Dienstag zur Beteiligung der Länder an der Agenda geäußert. Der Verband hat ein Policy Paper mit Vorschlägen dazu veröffentlicht.

Prinzipiell begrüßt der Stifterverband die Beteiligung. Die Länder müssten frühzeitig in Entscheidungs-, Umsetzungs- und Evaluationsprozesse eingebunden werden und sollten nicht auf eine "konsultative Rolle reduziert werden", so der Stifterverband. Dies sollte in der Governance-Architektur der HTAD berücksichtigt sein. Nötig seien "klar definierte Prozessschritte, Fristen und Zuständigkeiten" sowie ein gemeinsames Monitoring.

Eine Möglichkeit, Verbindlichkeit in der Mitwirkung zu erzeugen, sei eine gemeinsame Steuerung der einzelnen Schüsseltechnologien durch Vertreterinnen und Vertreter von Bund und Ländern. Vorgeschlagen werden je zwei Länder pro Thema zusammen mit einem federführenden Bundesressort. Die Beteiligung sollte laut Stifterverband flexibel bleiben, da dies Spezialisierungen und agile Reaktionen ermögliche. Dafür seien transparente Kriterien notwendig, etwa die Expertise des jeweiligen Landes in der Schlüsseltechnologie, die im Land verfügbaren Forschungsinfrastrukturen und Cluster sowie Bereitschaft zur Umsetzung und Ko-Finanzierung.

aktualisiert am 30.10.2025 um 15.07 Uhr [Ergänzung des Statements des BMFTR-Sprechers], zuerst veröffentlicht am 29.10.2025
 

cpy