Mecklenburg-Vorpommern
Kommission empfiehlt mehr Zusammenarbeit in Lehre und Forschung
Hochschulen und außeruniversitäre Institute in Mecklenburg-Vorpommern sollten sich einer Expertenkommission zufolge "besser abstimmen". Um ein integriertes Wissenschaftssystem in Mecklenburg-Vorpommern zu schaffen, sollten diese ein "Netz von zunehmend dauerhaften und verbindlichen Kooperationen" aufbauen. Auch mit der Wirtschaft sollte enger kooperiert werden, heißt es im Abschlussbericht der Kommission, der am Donnerstag in Schwerin vorgestellt wurde.
Die achtköpfige, bundesweit besetzte Kommission hatte von Wissenschaftsministerin Bettina Martin im Herbst 2024 den Auftrag bekommen, Anregungen für eine Wissenschafts- und Forschungsstrategie für den Nordosten zu geben. Mit dem Vorschlag eines integrierten Wissenschaftssystems schlage die Kommission "einen in der deutschen Wissenschaftspolitik durchaus neuen strategischen Ansatz" vor, wie der Kommissionsvorsitzende Professor Peter Strohschneider sagte.
Der Literaturwissenschaftler und ehemalige Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft präsentierte den Bericht. Das Papier bescheinigt der Wissenschaft in Mecklenburg-Vorpommern eine "gute, in einigen Bereichen eine beachtliche Leistungsfähigkeit". Doch es könnte besser sein.
"Abstimmungs- und Koordinationsdefizit"
Die Empfehlung für eine engere Zusammenarbeit betrifft etwa die Lehrangebote, die Forschungsaktivitäten und den Betrieb von Infrastrukturen. So bemängelt der 52-seitige Bericht, dass gleichartige Studiengänge parallel an zwei Landeshochschulen neu eingerichtet würden.
Es zeige sich ein "signifikantes Abstimmungs- und Koordinationsdefizit", schreiben die Expertinnen und Experten um Strohschneider. Unverzichtbar sei eine aufgabenkritische Überprüfung der Studienangebote im Land, "die nach Auffassung der Kommission die medizinischen und pflegewissenschaftlichen Studiengänge nicht aussparen darf".
Mecklenburg-Vorpommern leistet sich zwei Universitätsmedizinen in Rostock und Greifswald. Dass das Land pro Studierendem 11.100 Euro ausgebe und damit einen Spitzenplatz einnehme, habe damit direkt zu tun, schreibt die Kommission. "12 Prozent der Studierenden in Mecklenburg-Vorpommern sind Medizinstudierende", stellt der Bericht fest.
Graduierten-Akademie Mecklenberg-Vorpommern
In der Forschung empfiehlt die Kommission, sich über landesweite thematische Schwerpunkte zu verständigen. Außerdem schlägt sie die Schaffung einer "Graduierten-Akademie Mecklenburg-Vorpommern" für Masterstudierende und Promovierende vor. "Vorbild könnten andernorts existierende Graduate Schools sein", heißt es in ihrem Bericht.
Forschungstalente aus dem gesamten Land könnten so miteinander in den Austausch gebracht werden. "Damit dürfte die Qualität ihrer Arbeiten steigen." Langfristig könne solch eine Graduierten-Akademie auch internationale Strahlkraft entwickeln. Im Blick haben die Expertinnen und Experten als organisatorisches Dach dabei das Alfried-Krupp-Wissenschaftskolleg der Universität Greifswald.
Innovationen für die Wirtschaft
Eine wichtige Aufgabe für die Wissenschaft im Land sieht die Kommission darin, Innovationen für die Wirtschaft zu generieren. Die Unternehmenslandschaft aus hauptsächlich kleinen und kleinsten Unternehmen erlaube den Firmen kaum, selbst zu forschen. "Gefordert ist eine Ausweitung und Intensivierung wirkungsvoller Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft", heißt es. Dazu müssten auch die zuständigen Ministerien der Landesregierung enger zusammenarbeiten.
Schließlich hält die achtköpfige Kommission den Ausbau der internationalen Beziehungen im Ostseeraum und seinen Anrainerstaaten für angezeigt. "Wir haben nicht den Eindruck gehabt, dass die Zusammenarbeit mit den nordwestpolnischen Wissenschaftseinrichtungen irgendwie blühe", sagte Strohschneider. "Warum eigentlich nicht?"
Beitrag zur demokratischen Stabilität
Auch zur Gesellschaft und zur demokratischen Stabilität des Landes könnten die Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen wirksamer beitragen, so der Bericht. Die Kommission betont "die Verantwortung der Hochschulen für demokratische Diskursräume" in Mecklenburg-Vorpommern, auch jenseits der Hochschulstandorte. Dabei sei die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern besonders wichtig. Die Wissenschaft könne zudem einen Beitrag zur kulturellen Attraktivität und sozialen Stabilität leisten, indem sie sich ihrem gesellschaftlichen Umfeld mehr öffne.
Gespräch mit Hochschulen
Die Ministerin kündigte Gespräche mit den Hochschulen über den Bericht der Kommission an. "Ein stark aufgestelltes Wissenschaftssystem in Mecklenburg-Vorpommern ist Voraussetzung und Antreiber für Wohlstand, Lebensqualität und demokratischen Zusammenhalt", sagte sie.
dpa/cpy