Exzellenzstrategie
Kritik an Förderpolitik der DFG
Die Förderentscheidungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Wissenschaftsrats, die sich unter anderem in der Auswahl der neuen Exzellenzcluster abbildet, wird den aktuellen politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen nicht gerecht. Diese Auffassung teilen der Philosophische Fakultätentag (PhFT), der Evangelisch-Theologische Fakultätentag (E-TFT) und der Katholisch-Theologische Fakultätentag (KThF) sowie die Konferenz der Institute für Evangelische Theologie (KIET) in einer gemeinsamen Erklärung.
Ende Mai haben die DFG und der Wissenschaftsrat mitgeteilt, dass an den deutschen Universitäten und Hochschulen in den nächsten sieben Jahren siebzig sogenannte Exzellenzcluster mit insgesamt 539 Millionen Euro pro Jahr gefördert werden. Es falle dabei laut aktueller Erklärung der vier geisteswissenschaftlichen Fachgremien auf, dass unter den 25 neuen Clustern nur zehn Prozent aus dem Bereich der Geisteswissenschaften stammten, und darunter wiederum keines aus der jüdischen, christlichen oder muslimischen Theologie.
Destruktiven Phänomenen wie Extremismus, Populismus oder Fundamentalismus könne nur dann angemessen begegnet werden, wenn sie sorgfältig auf ihre vielfältigen Wurzeln hin analysiert würden. Dies ist laut Erklärung die Aufgabe der verschiedenen Geisteswissenschaften sowie der Religionswissenschaften. Die Fachgremien appellieren deshalb an die DFG, "ihre Förderpolitik in dem Sinne zu überdenken, dass sie den Geisteswissenschaften entsprechend ihrer vielfältigen analytischen und konstruktiven Kompetenzen ein größeres Gewicht beimisst und dabei auch die Theologien mit einbezieht".
Schwerpunkt "Exzellenz"
Die Exzellenzstrategie ist ein Programm von Bund und Ländern. Es soll den Wissenschaftsstandort Deutschland stärken und seine internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Ob und wie das gelingt, erfahren Sie in unserem Themenschwerpunkt "Exzellenz".
Noch keine belastbaren Angaben über die fachliche Breite
"Hinsichtlich der fachlichen Schwerpunkte lassen sich bislang (nur) Angaben über die sogenannte 'primäre Selbstbeschreibung' machen", teilte der DFG-Pressesprecher Marco Finetti Forschung und Lehre auf Anfrage Anfang Juni mit. Dies sei die bei allen Förderanträgen übliche Angabe, mit der die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihr geplantes Projekt bei der Antragstellung selbst den vier großen Wissenschaftsbereichen zuordnen sollen.
Finetti zufolge haben die Antragstellerinnen und Antragsteller von 23 der jetzt ausgewählten 70 Cluster den Schwerpunkt ihres Projekts in den Lebenswissenschaften gesehen (rund 33 Prozent). Bei 21 Clustern beziehungsweise rund 30 Prozent lag der selbstzugewiesene Schwerpunkt demnach in den Naturwissenschaften, bei 13 Clustern (rund 19 Prozent) in den Ingenieurwissenschaften und bei ebenfalls 13 Clustern in den Geistes- und Sozialwissenschaften. "Diese Zahlen sind aber nur ein erster Anhaltspunkt und lassen vor allem keine belastbaren Angaben über die fachliche Breite und die Interdisziplinarität der einzelnen Cluster zu", betont der DFG-Pressesprecher.
"Diese Zahlen sind aber nur ein erster Anhaltspunkt."
DFG-Pressesprecher Marco Finetti
Hierfür schaue sich die DFG derzeit nach der Principal-Investigators-Methode an, welche Fächer die Institute der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler abdeckten, die an den Förderanträgen beteiligt waren. Ergebnisse hierzu sollen ab Juli oder August vorliegen. Noch genauere Angaben werden sich laut Finetti dann machen lassen, wenn die erstmals geförderten Cluster ihr wissenschaftliches Personal rekrutiert haben.
"Bei aller Vorläufigkeit zeigen die 'primären Selbstbeschreibungen' aber doch: Die dortige Verteilung der Exzellenzcluster auf die großen vier Wissenschaftsbereiche ist im Großen und Ganzen dieselbe wie in der gesamten Forschungsförderung der DFG mit aktuell mehr als 30.000 geförderten Projekten", erläutert Finetti. Dies gelte auch für den Anteil der Geistes- und Sozialwissenschaften.
Nächste Schritte in der Exzellenzstrategie
In der zweiten Förderlinie der Exzellenzstrategie können bis zum 12. November 2025 Anträge als Exzellenzuniversität oder Exzellenzverbund gestellt werden. Antragsberechtigt sind zehn Titelverteidiger sowie bundesweit 15 weitere Kandidaten. Unter den neu Qualifizierten befinden sich die Ruhr-Universität Bochum und die Technische Universität Dortmund sowie die Universitäten Bremen und Oldenburg, welche die Bewerbung jeweils im Zweierverbund antreten.
Über Antragsskizzen und Anträge entscheiden das Expertengremium (Committee of Experts) und die Exzellenzkommission für die Exzellenzstrategie, informiert die DFG auf ihrer Website. Das Committee of Experts besteht demnach aus insgesamt 39 in der Forschung auf verschiedenen Wissenschaftsgebieten ausgewiesenen, das gesamte Spektrum der Disziplinen repräsentierenden Personen. Diese verfügen laut DFG über langjährige Erfahrungen im Ausland, im Hochschulmanagement, in der Lehre oder in der Wirtschaft.
Die Entscheidung fällt im Oktober nächsten Jahres. Ab 2027 sollen bis zu 15 Exzellenzuniversitäten oder Exzellenzverbünde gefördert werden. Gefragt ist eine Gesamtstrategie, die die Positionierung im internationalen Forschungsumfeld verbessert. Dafür sollen vor allem effektive Managementstrukturen aufgebaut werden, die eine Erneuerungsfähigkeit sicherstellen.
cva