Sanierungsstau
Kundgebung fordert Umsetzung von Bauprojekten an HU Berlin
Über 150 Studierende, Mitarbeitende und weitere Interessierte sind dem Aufruf der Humboldt-Universität (HU) Berlin zu einer Kundgebung vor dem Gebäude der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen am 24. Juni gefolgt. Mit der Protestveranstaltung wollte die Hochschule auf verschiedene bauliche Mängel an ihren Gebäuden hinweisen, die teilweise seit Jahren nicht genutzt werden können.
Eine zentrale Forderung der Protestierenden war laut einer Sprecherin der Hochschule "Audimax statt Ausweichzelt". Entsprechend hielt HU-Juraprofessor Gerhard Wagner im Rahmen der Kundgebung eine Vorlesung zum Thema Baurecht unter freiem Himmel. Sie habe bereits regelmäßig im Hörsaalzelt auf dem Campus Nord der HU stattfinden müssen – das Audimax sei seit acht Jahren nicht mehr nutzbar.
Bereits im Vorfeld des Protests wies die HU in einer Pressemitteilung darauf hin, dass die Senatsverwaltung die Fertigstellung des Ostflügels des HU-Hauptgebäudes, der seit 2016 saniert werde, ständig verschiebe. Dadurch müsse der Unterricht seit 2018 statt im Audimax in einem provisorischen Hörsaalzelt stattfinden. "Wir brauchen dringend eine belastbare Aussage, ab wann wir diesen zentralen Gebäudeteil mit unseren beiden größten Hörsälen wieder nutzen können", so die Universität. Sie fordert das Ende der Verschleppung der Bau- und Sanierungsprojekte.
HU-Präsidentin Professorin Julia von Blumenthal bezeichnete im Rahmen des Protests die Problematik des angemieteten Zelts als "Verschwendung von Steuergeldern". Sie thematisierte außerdem das aus Sicherheitsgründen seit 2023 gesperrte Gebäude der HU in der Invalidenstraße: Die HU benötige für dessen Sanierung mehr als 100 Millionen Euro. Lediglich 15,5 Millionen Euro seien der Hochschule über das Sondervermögen zugesagt worden, "ein zu spätes und viel zu kleines Geschenk". Jedes Jahr zahle die HU 4,5 Millionen Euro für Ersatzmieten. Die Sanierung der Invalidenstraße 110 habe derweil noch immer nicht begonnen.
Ein Studierendenvertreter wies auf der Kundgebung zudem darauf hin, dass an der Hochschule auch immer mehr Räume für den Austausch von Studierenden fehlten.
Sanierungsstau an sämtlichen Berliner Hochschulen
Der Hochschulstandort-Entwicklungsplan des Landes Berlin zählt derzeit 389 Bauvorhaben, davon 240 Maßnahmen wegen Sanierungsstaus, wie eine Sprecherin der Wissenschaftsverwaltung gegenüber der Berliner Zeitung mitteilte.
Von der vom Senat beschlossenen Berliner Hochschulbaugesellschaft (BHG) versprechen sich die Berliner Hochschulen bei der Lösung des Problems nicht allzu viel. Laut Gesetzesentwurf sollen Bau- und Sanierungsvorhaben von der BHG zukünftig strategisch geplant, langfristig finanziell abgesichert und bedarfsgerecht umgesetzt werden. Insgesamt geht es dem Entwurf zufolge bei der Nutzung durch die elf staatlichen Berliner Hochschulen um rund 450 landeseigene Gebäude mit einer Nutzfläche von 1,2 Millionen Quadratmetern. Viele stammen aus den 1960er- und 1970er-Jahren, müssen zum Teil komplett saniert werden, besitzen oftmals eine veraltete Technik und verursachen im Betrieb einen hohen Energieverbrauch.
Anfang Mai hat die Landeskonferenz der Rektor*innen und Präsident*innen der Berliner Hochschulen (LKRP) in einer Pressemitteilung Befürchtungen geäußert, die BHG bringe mehr Nach- als Vorteile. Insbesondere die darin erwähnte Flächenreduzierung um 15 bis 30 Prozent hält sie für eine gravierende Einschränkung der Hochschulautonomie. Der Start der BGH-Gründungsphase ist nach Angaben der Senatskanzlei für 2026/2027 geplant.
cpy/cva