Das Bild zeigt den Geschwister-Scholl-Platz vor dem LMU-Hauptgebäude.
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München
LMU sagt Seminar mit Palästina-Thematik ab

Eine geplante Veranstaltung mit dem Titel "The Targeting of the Palestinian Academia" hatte Kritik hervorgerufen. Nun werden neue Formate entwickelt.

18.11.2025

Wie die Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) gestern bekannt gab, wurde ein für den 28. November geplantes Seminar mit dem Titel "The Targeting of the Palestinian Academia" nach einem Austausch mit dem Veranstalter Professor Andreas Kaplony einvernehmlich abgesagt. Neben der Frage nach dem wissenschaftlichen Charakter der Veranstaltung hätten auch Sicherheitsbedenken bestanden. Man würde nun damit beginnen, "geeignete wissenschaftliche Formate auch für derart aufgeladene Themen zu entwickeln". Ein solches Format solle zeitnah umgesetzt werden.

Zuvor hatte es Kritik an der Zusammensetzung der Vortragenden sowie an den angekündigten Vortragsthemen gegeben: Das Netzwerk Jüdischer Hochschullehrender in Deutschland, Österreich und der Schweiz hatte in einem offenen Brief unter anderem bemängelt, dass allein die Wahl des Veranstaltungstitels ein politisches Framing setze und eine israelische Perspektive gänzlich fehle. Das Netzwerk verwies auf die Fürsorgepflicht der Universität gegenüber jüdischen Studierenden und Beschäftigten und forderte die Hochschulleitung zur gründlichen Prüfung auf.

Dieser Forderung schloss sich die CSU-Landtagsfraktion am 16. November an. "Nicht nur die Themen einiger Vorträge, auch Äußerungen der eingeladenen Gäste lassen an der einseitigen Stoßrichtung der Veranstaltung keine Zweifel", teilte CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek mit. "Wenn Referenten von einem israelischen 'Gefängnisregime' fabulieren, 'unnachgiebige Gewalt' beklagen und dem Staat Israel eine 'genozidale Kriegsmaschinerie' vorwerfen, ist eine sachliche wissenschaftliche Auseinandersetzung nicht ansatzweise in Sicht."

LMU will "integrative Strategie" erarbeiten

Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und die relevanten wissenschaftlichen und rechtlichen Aspekte abgewogen, erklärt die LMU in einer Stellungnahme. Die Freiheit der Wissenschaft sei ein hohes Gut. "Weil die LMU nicht für Verbote, sondern für Angebote steht, nehmen wir dies zum Anlass, eine integrative Strategie zu erarbeiten", heißt es weiter. Über den konkreten Fall hinaus würden nun wissenschaftsbasierte Veranstaltungsformate entwickelt, die für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit kontroversen Themen geeignet seien.

Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, begrüßte Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume die Entscheidung der LMU. "Der aufgezeigte Weg ist richtig", wird Blume zitiert. "Selbstverständlich sind unsere Hochschulen Orte für einen offenen, breiten Diskurs, aber ganz sicher kein Forum für politische Propaganda oder gar Hass und Hetze."

Für die abgesagte Veranstaltung waren Beiträge von Mitgliedern der palästinensischen Hochschulen Birzeit University und Al-Quds University angekündigt. Die Vortragstitel lauteten unter anderem "Scholasticide in Gaza: Challenges and Resilience of Academic Institutions" und "Israel's Carceral Regime and Relentless Violence".

hes