Das Foto zeigt das MPI für Radioastronomie Garching
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Max-Planck-Gesellschaft MPG will Mobbingvorwürfe mit Anwaltskanzlei aufklären

Die Direktorin eines Max-Planck-Instituts soll Mitarbeiter jahrelang gemobbt und schikaniert haben. Eine Anwaltskanzlei soll dies nun aufklären.

11.07.2018

Der Direktorin am Max-Planck-Institut für Astrophysik wird vorgeworfen, ihre Doktoranden und Postdocs jahrelang gemobbt zu haben. Junge Forscher hatten dem Magazin "Der Spiegel" Anfang des Jahres davon berichtet, wie sie von Professoren des renommierten Max-Planck-Instituts schikaniert worden seien. Die Max-Planck-Gesellschaft bestätigte laut Spiegel damals, dass es "Defizite in der Mitarbeiterführung" in der Abteilung einer Professorin gab. Die Wissenschaftlerin, Direktorin des Max-Planck-Instituts für Astrophysik (MPA), habe daraufhin an einem Coaching teilgenommen und sich durch den beruflichen Alltag begleiten lassen.

Nun hat die Max-Planck-Gesellschaft eine Stellungnahme zur aktuellen Berichterstattung veröffentlicht.

Laut MPG waren die Führungsprobleme am Max-Planck-Institut für Astrophysik (MPA) bereits im Jahr 2016 „intern bekannt“. Die Leitung der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) habe damals umgehend reagiert und dafür gesorgt, dass sich die betroffene Direktorin im beruflichen Alltag durch ein professionelles Coaching bis heute begleiten lasse. Bisher hätten weder die MPG noch das MPI neue Mobbing-Vorwürfe aus der Abteilung erhalten. Auch entziehe es sich der Kenntnis, ob die E-Mails, die in der Presse zitiert werden, den Vorgängen aus der Vergangenheit zuzuordnen seien oder nicht.

Um mehr Transparenz über die Vorgänge am MPI zu gewinnen, habe das Institut vor wenigen Wochen eine anonymisierte Befragung durch eine Gruppe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durchführen lassen. Deren Ergebnisse liegen inzwischen vor. 61 von 115 Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler haben sich laut Mitteilung der MPG an der Umfrage beteiligt, darunter 11 Frauen.

Danach sind 84 Prozent mit ihrer Betreuung am Max-Planck-Institut für Astrophysik zufrieden bzw. sogar sehr zufrieden. Das sind 51 von 61 Befragten. Insgesamt vier Befragte, darunter zwei Männer und zwei Frauen, geben an, dass sie mit der Betreuung unzufrieden sind. Zwei Drittel aller Befragten bewerten das soziale Umfeld positiv; acht von 61 Befragten sind damit unzufrieden, darunter jeweils vier Frauen und vier Männer. Drei von 61 Befragten erklären, Mobbingerfahrungen gemacht zu haben. Zwei Personen geben an, sexuelle Belästigung erfahren zu haben. Der Survey enthalte keine Angaben, auf wen sich diese Vorwürfe beziehen und auf welchen Zeitraum.

Dem Survey zufolge sind die internen Anlaufstellen nach wie vor weniger als der Hälfte der Befragten hinreichend bekannt. Mehr als die Hälfte der Befragten habe Zweifel, ob die bestehenden Anlaufstellen am Institut bei der Lösung der Probleme wirklich hilfreich sind.

Nach Interpretation der MPG seien dies „wichtige Hinweise, dass die bestehenden Angebote der Generalverwaltung sowie der Max-Planck-Institute besser kommuniziert werden müssen“.
Die MPG betont in ihrer Erklärung, dass jede Form von Mobbing oder sexueller Belästigung den Grundsätzen der Gesellschaft widerspreche. Die Max-Planck-Gesellschaft nehme die Vorwürfe ernst. Um zu einer sachgerechten Bewertung zu kommen, bedürfe es allerdings einer Konkretisierung der Vorwürfe. Daher habe die Max-Planck-Gesellschaft eine externe Kanzlei beauftragt, an die sich Betroffene wenden könnten und die Vertraulichkeit sicherstelle. Die Betroffenen könnten selbst entscheiden, ob sie anonym bleiben möchten und ob ihre Hinweise weitergeleitet werden sollen.

Laut Information des Spiegel sei die Situation am Institut weiter „sehr angespannt“. Viele Mitarbeiter seien enttäuscht darüber, dass sich die Direktorin nicht für ihr Verhalten entschuldigt habe und dass keine Konsequenzen gezogen wurden.

In einem Interview in der Frankfurter Allgemeien Zeitung von heute betont der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Professor Martin Stratmann, dass die Vorwürfe in den bereits 2016 bekannten E-mails "inakzeptabel" seien. Es habe damals "sehr ernsthafte Gespräche mit ernsthaften Folgen" für die MPA-Direktorin gegeben. Dies sei damals "keine laxe Maßnahme" gewesen. Der Reputationsschaden für die Direktorin sei "immens".

Einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zufolge, sind die Vorfälle in Garching "kein Einzelfall". Nach der Erfahrung der Doktorandenplattform Max-Planck-PhDnet gebe es auch an anderen Max-Planck-Instituten "ähnliche, wenngleich nichst so gravierende Fälle" von Machtmissbrauch. Man erhalte durchaus "herzzerreißende" Beschwerden, die meisten anonym aus Angst vor Karrierenachteilen, heißt es in dem FAZ-Bericht.

gri