Eine geschliffener Diamant wird aus vielen Diamanten ausgewählt und mit einer Pinzette hochgehoben.
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Exzellenzstrategie
Fünf neue Exzellenzstandorte jubeln

Im März konnten sich zehn bisherige Exzellenzstandorte ihre Weiterförderung sichern. Nun ist die Entscheidung über die Neuzugänge gefallen.

06.10.2026

"Heute ist ein guter Tag für die Wissenschaft in Deutschland", sagte der Vorsitzende des Wissenschaftsrats Professor Wolfgang Wick im Bonner Wissenschaftszentrum im Rahmen der Pressekonferenz zur Bekanntgabe der neuen Exzellenzstandorte am 2. Oktober. Kurz zuvor hatte die Exzellenzkommission entschieden, dass fünf neue Standorte zukünftig in die Reihe der Exzellenzuniversitäten und Exzellenzverbünde gehören sollen. Elf Standorte hatten sich im Neuantragsverfahren der zweiten Wettbewerbsrunde auf bis zu fünf Förderplätze beworben: Sieben Universitäten und vier Verbünde. Die eingereichten Konzepte hätten Exzellenz nicht nur versprochen, sondern auch belegt, sagte Wick, der gleichzeitig auch Vorsitzender des Committee of Experts sowie der Exzellenzkommission ist.

Für die Förderlinie "Exzellenzuniversität" der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern wurden neu ausgewählt:

  • Ruhr Innovation Lab (Ruhr-Universität Bochum, Technische Universität Dortmund)
  • Rhein-Main-Universitäten (Technische Universität Darmstadt, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Johannes Gutenberg-Universität Mainz)
  • Universität Freiburg
  • Friedrich-Schiller-Universität Jena
  • Universität zu Köln

Nicht erfolgreich waren somit die Bewerbungen der Standorte:

  • Northwest Alliance (Universität Bremen, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg)
  • Justus-Liebig-Universität Gießen, Philipps-Universität Marburg | "H_CORE – Hessian Collaboration for Research Excellence"
  • Leibniz Universität Hannover
  • Medizinische Hochschule Hannover – die einzige reine medizinische Universität Deutschlands
  • Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
  • Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär gratulierte allen erfolgreichen Standorten "zu ihrer beeindruckenden Leistung". Die Förderentscheidungen seien nicht leicht zu treffen gewesen, so die Ministerin, die auch Vorsitzende der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) ist: "Alle Standorte haben im Antragsverfahren enorme Kräfte entwickelt." Auch die in der aktuellen Auswahlrunde nicht erfolgreichen Standorte könnten sich freuen, so Bär, denn auch bei ihnen würde "exzellent" geforscht.

Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs, der stellvertretende Vorsitzende der GWK, versicherte in der gemeinsamen Pressemitteilung des Wissenschaftsrats und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), dass auch dort, wo Anträge nicht erfolgreich waren, wertvolle Strategien, Kooperationen und Entwicklungsperspektiven bestehen blieben. "Die Exzellenzstrategie wirkt damit weit über die ausgezeichneten Standorte hinaus", so der Minister.

Die DFG-Präsidentin Professorin Katja Becker betonte die Wichtigkeit des Prinzips der wissenschaftsgeleiteten Forschungsförderung, hinter dem Bund, Länder und Wissenschaft in Deutschland fest stünden. "Dies ist ein starkes Zeichen für das Vertrauen in die Wissenschaft und für die Resilienz des Wissenschaftssystems," sagte Becker im Rahmen der Pressekonferenz.

Ablauf der Ausschreibungsrunde

Wie auch bei der ersten Ausschreibungsrunde waren Einzeluniversitäten antragsberechtigt, wenn sie mindestens zwei Exzellenzcluster aufweisen können. Bei Verbünden müssen mindestens drei Exzellenzcluster vorliegen. Die Absichtserklärungen der Universitäten und Verbünde waren bis zum 27. Juni 2025 beim Wissenschaftsrat einzureichen, der für die Durchführung der Förderlinie Exzellenzuniversitäten verantwortlich ist. Die Neuanträge mussten bis zum 12. November 2025 eingehen. Zwischen April und Juni 2026 fanden dann die Ortsbegehungen statt.

Getroffen wurde die Entscheidung über die Neubewerbungen von der Exzellenzkommission, die sich aus 39 international renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern (dem Committee of Experts) sowie aus den zuständigen Ministerinnen und Minister des Bundes und der Länder zusammensetzt.

Wie es für die neuen Exzellenzstandorte nun weitergeht

Die neuen Exzellenzstandorte werden ab dem 1. Januar 2027 gemeinsam mit den bislang ausgezeichneten und weiterbewilligten Exzellenzuniversitäten gefördert. Dabei können die Einzelbewerberinnen mit zehn bis 15 Millionen Euro Förderung pro Jahr rechnen, während die Universitätsverbünde jährlich 15 bis 28 Millionen Euro erhalten. Das geht aus der zugrundeliegenden Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern hervor. Die Mittel werden zu 75 Prozent vom Bund und zu 25 Prozent von den jeweiligen Sitzländern getragen.

Dadurch, dass nun drei Verbünde gefördert werden, die mit bis zu 28 Millionen Euro einen großen Teil des Gesamttopfs von 208 Millionen Euro erhalten können, bekommen alle fünfzehn Standorte weniger Geld. Der Wissenschaftsrats-Vorsitzende Wick erläuterte dazu in der Pressekonferenz, dass es durch die Neuzugänge in jedem Fall Kürzungen gegeben hätte, ungeachtet der Tatsache, ob Verbünde oder Einzeluniversitäten ausgewählt worden wären. Bei der Auswahl der neuen Exzellenzstandorte sei die wissenschaftliche Qualität bewertet worden, die Finanzierung hätte die Entscheidung nicht beeinflusst. Dagegen berichtet der Briefingdienst Table.Media am 5. Oktober, dass es über die geringen Fördermittel größere Diskussionen gegeben habe. Vor allem Bayern habe die niedrigeren Mittel nachdrücklich kritisiert.

Mit den fünf Neuzugängen werden nunmehr 15 Exzellenzstandorte gefördert. Zuvor hatte es zehn Exzellenzuniversitäten und einen Exzellenzverbund gegeben. Von diesen wurden im März 2026 neun Universitäten und ein Verbund positiv evaluiert und für die Weiterförderung zugelassen. Die Universität Konstanz hatte die zur Förderung als Exzellenzuniversität notwendigen zwei Exzellenzcluster nicht mehr vorweisen können und war deshalb vorzeitig aus dem Wettbewerb ausgeschieden. Die weiter geförderten bisherigen Exzellenzstandorte sind:

  • Berlin University Alliance (BUA)
  • Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
  • Technische Universität München
  • Ludwig-Maximilians-Universität München
  • Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
  • Universität Hamburg
  • Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH Aachen)
  • Technische Universität Dresden
  • Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
  • Eberhard Karls Universität Tübingen

Mit der Exzellenzstrategie wollen Bund und Länder seit 2019 gemeinsam Spitzenforschung fördern. Die Förderlinie Exzellenzuniversitäten dient der Stärkung der Universitäten als Institution und dem Ausbau ihrer internationalen Spitzenstellung in der Forschung. Exzellenzuniversitäten sollen auf Dauer gefördert werden, werden dazu aber alle sieben Jahre vom Wissenschaftsrat evaluiert.

Exzellenzstrategie zuletzt auch in Frage gestellt

Die Exzellenzstrategie und vor allem die Förderlinie Exzellenzuniversitäten steht allerdings auch in der Kritik. Im Vorfeld der Auswahl wurde etwa diskutiert, ob die Hochschullandschaft in Deutschland nicht mehr davon profitieren würde, wenn nur einige wenige Spitzenuniversitäten, die im internationalen Vergleich bestehen können, eine entsprechend herausragende Förderung erhalten sollten. So hatte sich etwa der Münchner Soziologieprofessor und Vizepräsident der Ludwig-Maximilians-Universität München, Armin Nassehi, in einem gemeinsam mit Kollegen verfassten Beitrag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sowie im Interview mit dem Tagesspiegel geäußert. "Wir müssen uns fragen, ob es sinnvoll ist, den begrenzten Förderkuchen unter immer mehr Einrichtungen aufzuteilen", so Nassehi.  

Zur internen Bewertung der Exzellenzstrategie wird das Committee of Experts der GWK bis zum 30. Juni 2027 einen Bericht über die Erfahrungen mit den Förderlinien vorlegen. Ob damit eine im Koalitionsvertrag enthaltene Ankündigung gemeint ist, ist unklar. Dort sagen die Koalitionsparteien zu, die Exzellenzstrategie "für eine mögliche Förderperiode ab 2030 grundlegend evaluieren" zu wollen. Eine externe Überprüfung der Exzellenzstrategie und ihrer Wirksamkeit sieht die Bund-Länder-Vereinbarung zur Exzellenzstrategie vor. In der Vereinbarung steht lediglich, dass sie "nach Abschluss der zweiten Förderrunde" von internationalen Expertinnen und Experten extern durchgeführt werde. Die Ergebnisse dieser Evaluation sollen der GWK demnach bis 2035 vorgelegt werden. 

zuletzt aktualisiert am 05.10.2026 um 17.31 Uhr [Ergänzung der Eiinschätzung von Table.Media zu der Diskussion über die Kürzungen sowie um den Absatz zur Evaluation; Statements der Minister, Statement von Professorin Becker, Absatz zu Finanzierung und der Einschätzung durch Professor Wick], zuerst veröffentlicht am 02.10.2026 um 16.22 Uhr

Aktueller Heft-Schwerpunkt 10/2026: Exzellenz

In der Oktober-Ausgabe von Forschung & Lehre geht es um den Begriff der "Exzellenz", der seit über 20 Jahren die deutsche Hochschul- und Wissenschaftslandschaft bewegt. Was hat die Exzellenzförderung auf der Ebene der Fächer und Universitäten bewirkt? Inwiefern hat der Exzellenzwettbewerb das deutsche Hochschulsystem verändert? Welche Herausforderungen zeigen sich auf europäischer Ebene? Viele Facetten in sechs Beiträgen zu einem vielschichtigen Thema.  

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Forschung & Lehre 10/2026 mit dem Themenschwerpunkt "Exzellenz" ist am 30. September 2026 erschienen. 
Auszüge der jeweils neuesten Ausgabe können Sie hier online lesen.

cpy