Das Bild zeigt Delegationsteilnehmende bei der Weltklimakonferenz.
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COP30
So bilanziert die Wissenschaft die Ergebnisse der Weltklimakonferenz

Kein Fahrplan zum Ausstieg aus den fossilen Energien, aber immerhin eine Abschlusserklärung: Forschende sprechen von einem Minimalkonsens.

24.11.2025

UN-Generalsekretär António Guterres hat das Ergebnis der Klimakonferenz COP30 (30th Conference of the Parties) als wichtigen Fortschritt gewürdigt, zugleich jedoch vor weiteren gefährlich großen Lücken im globalen Klimaschutz gewarnt. In einer Erklärung zum Abschluss des Gipfels im brasilianischen Belém lobte er, dass die Staatengemeinschaft trotz geopolitischer Spannungen einen Konsens erzielt habe. Dennoch seien die Beschlüsse nicht annähernd weitreichend genug gewesen, um einen weiteren Temperaturanstieg und damit irreversible Kipppunkte zu vermeiden. 

Positiv sei, dass die Staaten mehr Geld für Maßnahmen zur Klimaanpassung bereitstellen wollen – bis 2035 dreimal so viel wie bisher – und sich auf einen Mechanismus geeinigt haben, der Länder und Beschäftigte beim Umstieg auf saubere Energien unterstützen soll. Doch die Erderwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, müsse das Ziel bleiben, sagte er. Dafür seien tiefgreifende und schnelle Emissionssenkungen sowie ein konsequenter Übergang weg von fossilen Energien nötig. 

Trotz verlängerter Verhandlungen bis zum späten Samstagnachmittag hatte sich die Weltklimakonferenz in Brasilien nicht darauf einigen können, einen verbindlichen Plan für eine Abkehr von Öl, Kohle und Gas zu erarbeiten.

Wissenschaft zeigt sich enttäuscht

Die 30. Weltklimakonferenz sei wie so viele vor ihr ohne nennenswerte Ergebnisse zu Ende gegangen, ordnet der Meteorologe und Ozeanograph Professor Mojib Latif auf Anfrage von Forschung & Lehre ein. Das verwundere auch nicht, schließlich gelte auf UN-Verhandlungen das Prinzip der Einstimmigkeit. Zehn Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen sei kaum Besserung in Sicht. "Der Gehalt der Treibhausgase in der Atmosphäre steigt mit einem atemberaubenden Tempo, wobei sich der Anstieg in den letzten Jahren sogar noch beschleunigt hat. Und die Erderwärmung schreitet ungebremst voran", so Latif. "Wir müssen uns endlich eingestehen: Die Weltklimakonferenzen sind nicht zielführend, weswegen wir dringend neue Formate benötigen."

"Die Weltklimakonferenzen sind nicht zielführend, weswegen wir dringend neue Formate benötigen."

Mojib Latif, Seniorprofessor an der Universität Kiel und am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR)

Niklas Höhne, Leiter des New Climate Institute und Professor für die Minderung von Treibhausgasemissionen an der Wageningen Universität in den Niederlanden, hofft laut Science Media Center (SMC), dass sich die Bundesregierung zurück aus Belém an ihre Hausaufgaben setzt: "Deutschland hatte sich sehr für einen Fahrplan aus den fossilen Energien eingesetzt. Diesen Vorsatz müsste es eigentlich mit nach Hause nehmen und seine Politik ändern: Keine Genehmigungen für neue Gasfelder mehr, keine überdimensionierten neuen Gaskraftwerke, keine Gaspreissenkung über Steuergelder und keine Senkung der Abgaben im Flugverkehr."

"Fortschritt gab es wenigstens in Bezug auf den Schutz des Regenwaldes", resümiert Julia Pongratz, Professorin für Physische Geographie und Landnutzungssysteme an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) gegenüber SMC. "Noch auf keiner COP gab es hierzu so hohe finanzielle Zusagen wie in Belém. Mit der Tropical Forest Forever Facility (TFFF) und am Ende doch noch einigen starken Finanzierungszusagen – unter anderem von Deutschland – wird betont, dass Klimaschutz und Ökosystemschutz Hand in Hand gehen."

"Noch auf keiner COP gab es so hohe finanzielle Zusagen wie in Belém."

Julia Pongratz, Professorin für Physische Geographie und Landnutzungssysteme an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Insgesamt habe die Konferenz unter extrem herausfordernden geopolitischen Bedingungen stattgefunden, betont Professor Florian Egli, der an der Technischen Universität München die Forschungsgruppe Public Policy for the Green Transition leitet. So habe die USA keine offizielle Delegation entsandt und gehöre dem Pariser Klimaabkommen ab 2026 nicht mehr an, wird er von SMC zitiert. "In Anbetracht dieser Situation ist es als kleiner Erfolg zu werten, dass fast 200 Länder an der COP30 teilgenommen haben und es ein Abschlussdokument gibt."

aktualisiert am 25.11.2025 um 8:30 Uhr (Statement Professor Mojib Latif); zuerst veröffentlicht am 24.11.2025

hes/dpa