Studierende demonstrieren vor der Sharif University of Technology in Iran am 7. Oktober.

Iran
Studierende ausgeschlossen und suspendiert

Im Iran demonstrieren weiterhin Studierende und boykottieren Veranstaltungen. Ihre Unis versuchen, sie mit Gewalt und Verhaftungen einzuschüchtern.

21.11.2022

Studierende verschiedener iranischer Hochschulen dürfen in Folge der andauernden Proteste ihre Campus nicht mehr betreten. Zudem drohen ihnen Disziplinarmaßnahmen, die bis zur Exmatrikulation gehen, wie das Onlinemagazin "University World News" (UWN) berichtete. Auch das Hochkommissariat für Menschenrechte der Vereinten Nationen hat in einer Mitteilung vom 15. November kritisiert, dass die iranischen Sicherheitskräfte zunehmend brutal auf die Protestierenden reagierten und diese mit Urteilen für angebliche Straftaten belegten, auf denen die Todesstrafe stehe.

Studierende boykottierten laut "UWN" Seminare und forderten die Freilassung der verhafteten Studierenden sowie die Rücknahme von Suspendierungen von Forschenden und den Abzug der Sicherheitskräfte von den Campus. Das Schicksal vieler verhafteter Studierender und ihre Aufenthaltsorte sind demnach unbekannt. Ebenso würden verhaftete und wieder freigelassene Studierende von staatlichen Sicherheitskräften daran gehindert, die Gelände ihrer Hochschulen erneut zu betreten. Studierendengruppen zufolge sei dies gegen geltendes iranisches Recht, das nur universitätsinternen Disziplinarkomitees erlauben würde, Studierende auszuschließen, schreibt das Newsoutlet "Iran Wire". Massenhaft würden Studierende zudem bestraft, wenn sie Univeranstaltungen fernblieben, so "UWN".

Die Hochschulen sind gespalten

Zu den Hochschulen, die Studierende ausschließen, gehört demnach seit dem 22. Oktober die Sharif University of Technology in Teheran. Inzwischen würden etwa 80 Studierende nicht mehr auf den Campus gelassen, wie "UWN" unter Berufung auf die Hochschulzeitschrift "Sharif Today" berichtet.

Auch an weiteren Universitäten gäbe es Suspendierungen, darunter die Al-Zahra Universität für Frauen, die Guilan University, die Bojnord University of Medical Sciences und die Tehran University of Arts, an der alle Theaterstudierenden von ihren Abschlussprüfungen ausgeschlossen seien, so "UWN“.

Professorinnen und Professoren scheinen hin und hergerissen zu sein, wie verschiedene Medien berichten: Einige wenige hätten sich den Protesten angeschlossen, andere solidarisierten sich soweit, dass sie immerhin vor der Gewalt gegen die demonstrierenden Studierenden abrieten. Andere Professorinnen und Professoren riefen hingegen öffentlich dazu auf, gegen die Studierenden "durchzugreifen". Währenddessen seien die Führungspositionen der Hochschulen ausnahmslos mit Regimetreuen besetzt.

Die iranischen Studierenden protestieren seit Wochen gemeinsam mit anderen Bürgerinnen und Bürgern für Freiheitsrechte und gegen das aktuelle Regime. Auslöser war Mitte September der Tod der jungen Jina Mahsa Amini in Polizeihaft, die vermutlich an während der Haft erlittenen Verletzungen starb.

cpy