Illustration eines Fließbands, das aus dem Boden kommt und dann wieder im Boden verschwindet und nichts erreicht.
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BMFTR
Transferagentur DATI kommt nicht nach Erfurt

Die DATI, Großprojekt der Ampel-Koalition, ist Vergangenheit. Kritik kommt vor allem aus Thüringen und von der anwendungsorientierten Forschung.

14.10.2025

Erfurt war als Standort für die geplante Deutsche Agentur für Transfer und Innovation (DATI) vorgesehen. Die Agentur sollte Forschungseinrichtungen und Unternehmen besser vernetzen, wovon Ostdeutschland strukturell profitiert hätte. Am 9. Oktober ist bekannt geworden, dass sich die Bundesregierung gegen die Pläne ihrer Vorgängerregierung entschieden hat: Der Koalitionsvertrag sehe keine DATI mehr vor, sagte eine Sprecherin des Bundesforschungsministeriums gegenüber dem ZDF. 

Die aktuelle Bundesregierung habe sich demnach vorgenommen "den Transfer in Deutschland weiter zu stärken und zu beschleunigen", wie Bundesforschungsministerin Dorothee Bär auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) angab. Dazu liefen bereits Vorbereitungen, die auch das Wissen und die Erkenntnisse, die bei der Planung der DATI gewonnen worden seien, nutzen würden.

Kritik an der Planänderung der Bundesregierung

Die Entscheidung gegen eine DATI in Erfurt stößt auf Kritik: Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD), der ehemalige Ostbeauftragte der Ampel-Regierung, nennt sie laut ZDF-Bericht einen herben Rückschlag. Er macht Bär verantwortlich. Auch Erfurts Oberbürgermeister Andreas Horn ist demnach enttäuscht und möchte sich mit der Absage nicht abfinden. Er kündigte an, von Bär einen Ersatz einzufordern.

Thüringens CDU-Fraktionschef Andreas Bühl forderte laut dpa ebenfalls einen Ausgleich für die Region vom Bund: Erfurt brauche eine gezielte Kompensation durch neue Investitions- und Innovationsprojekte. Denkbar seien Bundesprogramme für Technologietransfer, Start-up-Förderung oder eine Stärkung der ICE-City als Standort für Zukunftsbranchen.

Christian Schaft, Fraktionschef und wissenschaftspolitischer Sprecher der Linken in Thüringen, bezeichnete die Streichung des Projekts laut einer Pressemitteilung vom 9. Oktober als "Schlag ins Gesicht der ostdeutschen Forschungslandschaft, die durch den Standort deutlich gestärkt worden wäre". Er kündigte am Montag in einer weiteren Mitteilung an, die Entscheidung zum Thema im Thüringer Wissenschaftsausschuss zu machen.

Auch Thüringens Wissenschaftsstaatssekretär Professor Steffen Teichert beurteilte die Entscheidung der Bundesregierung laut dpa als äußerst bedauerlich. Die Ansiedlung der Forschungseinrichtung in Erfurt hätte Investitionen in Millionenhöhe bedeutet, was ein deutliches Zeichen für den Wissenschaftsstandort Thüringen gewesen wäre. Das damalige Thüringer Wirtschafts- und Wissenschaftsministerium hatte sich 2022 um den DATI-Sitz beworben. Laut einem Konzept aus dem Jahr 2024 waren allein für Personal- und Sachkosten bis einschließlich 2029 rund 97 Millionen Euro vorgesehen.

Projektbeteiligte verteidigen DATI-Pläne

Während die Bundes-CDU gegenüber dem Briefingdienst Table.Media die Schuld am Scheitern der DATI der Ampel-Regierung gibt, verteidigen einige ehemalige Beteiligte das Projekt auf Anfrage des Mediums: So verweise Anna Christmann, die für die Grünen im Forschungsausschuss war, auf das Konzept der Transferagentur, das die DATI-Gründungskommission im Sommer 2024 vorgelegt habe. Man müsse sich zumindest mit den enthaltenen Empfehlungen auseinandersetzen.

Auf dem Netzwerk LinkedIn äußerte sich der ehemalige Vorsitzende der Gründungskommission, Dr. Stefan Groß-Selbeck: Die DATI hätte eine Lücke unseres Innovationssystems schließen sollen, zwischen exzellenter Forschung und Anwendung. Wie dieses "strukturelle Problem nun gelöst werden soll" bliebe "offen". Auch die Kompetenzstreitigkeiten zwischen dem Forschungs- und dem Wissenschaftsministerium bestünden weiter. Die Präsentation des Neuzuschnitts des BMFTR vergangene Woche hat gezeigt, dass die Kompetenzen im Bereich Transfer nicht gebündelt werden.

Auch die frühere Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger kommentierte bei LinkedIn. Als Gründe, warum die DATI nicht realisiert wurde, nennt sie, dass sich die Verantwortlichen bewusst Zeit genommen hätten, um "mit Pilotlinien Erfahrungen zu sammeln und daraus zu lernen" und die Bedürfnisse der Wissenschaftscommunity kennenzulernen. Die politischen Abstimmungsprozesse seien zu langsam verlaufen. Stark-Watzinger hebt dennoch als Ergebnis hervor, dass es ein Konzept gegeben habe, der Sitz bestimmt und die Ausschreibung der Geschäftsführung vorbereitet gewesen seien.

Enttäuschung bei den Hochschulen für angewandte Wissenschaften 

Währenddessen nannte der Berufsverband der Professorinnen und Professoren an Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Deutschland (hlb) die Entscheidung der Bundesregierung am 10. Oktober einen "Rückschlag für Hochschulen für angewandte Wissenschaften". Diese sind besonders auf die Förderung anwendungsorientierter Forschung angewiesen. Für das Förderangebot DATIpilot der Ampel-Regierung seien 3.000 Projekte eingereicht worden, was laut hlb zeige, wie dringend notwendig eine kurzfristige Forschungsförderung sei.

aktualisiert am 14.10.2025 um 12.27 Uhr [Ergänzung der Absätze unter der Zwischenüberschrift "Projektbeteiligte verteidigen DATI-Pläne"], zuerst veröffentlicht am 13.10.2025

cpy