Portraitfoto von Donald Trump, auf dem er aussieht, als schmolle er.
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Antisemitismusvorwurf
Trump will eine Milliarde US-Dollar von Harvard

Gerade noch zeichnete sich eine Einigung im Streit mit der Eliteuniversität ab. Nun stellt US-Präsident Trump hohe Schadensersatzforderungen.

04.02.2026

US-Präsident Donald Trump fordert eine Milliarde US-Dollar (etwa 846 Millionen Euro) Schadensersatz von der Universität Harvard. Das berichten verschiedene Medien unter Bezug auf einen Post des US-amerikanischen Präsidenten auf seiner Plattform Truth Social. Die Forderungen stehen im Zusammenhang mit dem laut Trump an der Hochschule herrschenden Antisemitismus und falscher Aussagen, die Harvard gegenüber der Zeitung New York Times getätigt haben soll.

In einem Post vom späten Montagabend kündigte Trump die Schadensersatzforderung seiner Regierung an die Universität an. Auch zukünftig wolle die Trump-Regierung nichts mehr mit der Elitehochschule zu tun haben. Die Universität Harvard sei "stark antisemitisch" und habe "schwerwiegende Rechtsverstöße" begangen. Er gab keine Details zu den Verstößen an, schrieb aber, dass es sich um strafrechtliche und nicht zivilrechtliche Angelegenheiten handele und die Hochschule mit den Konsequenzen werde "leben müssen". Der Präsident der Hochschule, Professor Alan Garber, habe nicht genug getan, um die Situation seiner Universität zu verbessern. Auch die New York Times kritisierte Trump in diesem und folgenden Posts als "korrupt" und "unglaubwürdig".

Hintergrund der hohen Schadensersatzforderungen

Laut Bericht der New York Times vom Dienstag hat Trump die neuen Ansprüche gestellt, kurz nachdem die Zeitung berichtet hatte, dass die US-Regierung ihre Forderungen an Harvard in Höhe von 200 Millionen US-Dollar (etwa 170 Millionen Euro) fallengelassen habe.

Mit der Zahlung hatten die monatelangen Vorwürfe und die Untersuchungen des angeblich nicht ausreichenden Vorgehens der Universität gegen Antisemitismus auf dem Campus beigelegt werden sollen. Die Hochschulleitung habe die Pläne allerdings abgelehnt. Zuletzt hätten anonyme Insider beider Seiten angegeben, dass der US-Präsident diese Zahlung nicht länger erwarte. Dies sei laut Trumps Post aber nicht wahr.    

Trumps Einflussnahme in US-Hochschulen

Seit Beginn seiner Amtszeit versucht Trump die Elitehochschulen unter seine Kontrolle zu bringen. Die Trump-Regierung hatte Harvard wegen des Umgangs der Hochschule mit pro-palästinensischen Protesten auf dem Campus sowie ihren herrschenden Regelungen zu Diversität Fördergelder vorenthalten. Sie forderte, dass die Universität ihre Diversitätsprogramme einstellt und internationale Studierende meldet, die Campus-Regeln verletzten. Zeitweise sollte auch die Einschreibung von internationalen Studierenden vermieden werden.

Harvard hatte daraufhin gegen die Regierung und ihre Maßnahmen geklagt, die laut der Universität ihre Unabhängigkeit einschränkten. Vergangenen September hatte ein Bundesgericht entschieden, dass die Trump-Regierung einige Fördergelder zu Unrecht entzogen hatte und ihre Freigabe angeordnet. Im Dezember hatte die Trump-Regierung Berufung gegen diesen Beschluss eingelegt.

Weitere US-amerikanische Elitehochschulen haben sich in ähnlichen Konflikten mit der US-Regierung durch Zugeständnisse und Vergleichszahlungen geeinigt, darunter Columbia University und Brown University.

cpy