Podium
U15-Diskussionsrunde dämpft Erwartungen an Karrierepolitik
Für verlässliche Karrierewege fehlen nach wie vor die politischen Rahmenbedingungen. Das haben die Teilnehmenden einer Podiumsdiskussion am 2. Dezember festgestellt. Geladen hatte der Verbund aus fünfzehn führenden forschungsstarken deutschen Universitäten, die German U15.
Der Parlamentarische Staatssekretär des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), Matthias Hauer, hob in seinem Grußwort die besondere Rolle der Peer-to-Peer-Beratung zwischen Hochschulen hervor. Diese solle im kommenden Jahr mehr Raum erhalten. Er nannte hierfür als positive Beispiele den regen Austausch zum Thema Tenure Track auf der Tagung dazu im Mai dieses Jahres und Anregungen wie neu errichtete Department-Strukturen an einigen Hochschulen.
Das BMFTR arbeitet Hauer zufolge daran, die im Koalitionsvertrag angekündigten Pläne und Reformen für das Wissenschaftssystem, beispielsweise für das Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG), umzusetzen. Für eine dauerhafte Beschäftigung stehe den Hochschulen und Forschungseinrichtungen als Arbeitgebenden schon jetzt nichts im Wege. Das aktuelle Gesetz enthalte "keine Pflicht zur Befristung", sondern eröffne "lediglich Befristungsmöglichkeiten".
Politisch Verantwortliche sehen (zu) eingeschränkten Spielraum
Von German U15 als Podiumsgäste geladen waren die forschungspolitischen Sprecherinnen und Sprecher der Parteien CDU/CSU, SPD, Die Grünen sowie Die Linke. Zu den Anwesenden zählten zudem zahlreiche Verantwortliche aus der Wissenschaftscommunity, wie zum Beispiel der Präsident der Freien Universität (FU) Berlin, Professor Günter M. Ziegler, der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Professor Walter Rosenthal, sowie die Vizepräsidentin der Universität Hamburg, Professorin Jetta Frost.
Florian Müller, forschungspolitischer Sprecher der CDU, hob in seinem Redebeitrag das Tenure-Track-Programm als "Erfolgsprojekt" hervor. Gleichzeitig machte er deutlich, dass für eine gelingende Mittelbaustrategie finanzielle Impulse seitens Bund und Ländern zwar weitere positive Wirkung zeigen könnten, sie dürften aber nicht alleiniges Fundament einer nachhaltigen Strukturreform sein. Auch eine Reform des WissZeitVG werde nicht "viele Dauerstellen schaffen". Vor dieser "Projektion" warnte er ausdrücklich.
Auch Müllers Koalitionskollege Oliver Kaczmarek (SPD) betonte einen "enormen Handlungsdruck bei gleichzeitigen großartigen Chancen" für die Schaffung "stabiler Karriereperspektiven" im Wissenschaftssystem. Er hob jedoch hervor, dass die Haushaltslage wenig Spielraum für Initiativen lasse und man keine "unrealistischen Erwartungen" wecken sollte. Die Reform des WissZeitVG sah er für Mitte 2026 als gesetzt an.
Dass der Hochschulstrukturwandel in der Haushaltsplanung keine Rolle spiele, wurde von der forschungspolitischen Sprecherin der Grünen, Ayse Asar, kritisiert. Weder für die Verstetigung des Tenure-Track-Programms noch für die Etablierung eines Mittelbauprogramms seien Mittel im Haushalt hinterlegt. Sonja Lemke von den Linken setzte bei ihren Anmerkungen einen Fokus auf die derzeitige Befristungspraxis und forderte eine bundesweite Entfristungsoffensive, nicht zuletzt, da "Kontinuität die Wissenschaft stärken" würde.
Aus Sicht der Hochschulen konstatierte HRK-Präsident Rosenthal, dass das Tenure-Track-Programm mit rund 38 Jahren ein zu hohes Berufungsalter aufzeige und in dieser Hinsicht "nicht gut gelungen sei". Das Berufungsalter müsse um sieben bis acht Jahre gesenkt werden. Er begrüße das Programm an sich und halte einen weiteren politischen "Push" und eine Ausweitung auf Stellen neben der Professur für begrüßenswert. Ablehnend äußerte sich der HRK-Präsident gegenüber gesetzlichen Festlegungen von Dauerstellen an Hochschulen beispielsweise in Prozentsätzen. Dies widerspreche der Hochschulautonomie.
cva