Eine ältere, blonde Frau spricht auf einem Versammlungsplatz in ein Mikrofon: Es ist Linda McMahon.
picture alliance / ZUMAPRESS.com | Gent Shkullaku

USA
Universitätsrat fordert Inhaltszensur und Hochschulen stoppen DEI-Programme

Kontroverse Themen sollen in der Lehre an neun texanischen Universitäten gemieden werden. Indes stoppen 31 Hochschulen ein PhD-Förderprogramm.

20.02.2026

Eins der weltweit größten staatlichen Universitätssysteme, das University of Texas System (UT System), schreibt seinen neun Hochschulen in einer neuen Richtlinie vor, dass Hochschullehrende "kontroverse oder umstrittene Themen ausschließen" müssen. Dies geht aus der Agenda des Hochschulrats hervor, worüber zuerst Inside Higher Ed (IHE) am 20. Februar berichtete. IHE zufolge ist UT System das dritte staatliche Universitätssystem in Texas, das eine Regelung zur Festlegung von Kursinhalten eingeführt hat. Nach eigenen Angaben umfasst UT System mehr als 260.000 Studierende an akademischen und medizinischen Einrichtungen im ganzen Bundesstaat und ist einer der größten Arbeitgeber in Texas.

Die am 19. Februar beschlossene Richtlinie "Erwartungen des University of Texas Systems an akademische Integrität und Standards für die Lehre kontroverser Themen" nimmt explizit Bezug auf die Verantwortung der Lehrenden für die Einhaltung der Grundsätze akademischer Integrität und ihrer Pflicht zum Schutz der Studierendenrechte. Demnach sind die Lehrkräfte an Hochschulen verantwortlich dafür, eine vertrauensvolle Lernkultur zu fördern, unterschiedliche Ansichten und wissenschaftliche Erkenntnisse zu "berechtigten Kontroversen und ungeklärten Fragen" fair darzustellen, Studierende zu eigenen Schlussfolgerungen zu befähigen und "Themen und Kontroversen zu vermeiden, die nicht zum Kurs gehören".

Richtlinie zu Kursinhalten trotz Widerspruch beschlossen

Wie das Online-Hochschulmagazin IHE in seinem Bericht darstellt, haben in einer öffentlichen Anhörung alle zehn Rednerinnen und Redner die Richtlinie wegen ihrer unklaren Formulierungen der Kriterien "strittige Angelegenheiten", "ungeklärte Fragen", "Kontroversen" und "fachlich" kritisiert. Dennoch habe der neunköpfige Hochschulrat sie in seiner regulären Sitzung einstimmig und ohne Diskussion beschlossen.

Von IHE eingeholte Stimmen zur Richtlinie äußerten sich kritisch, da die Bestimmungen zu Verunsicherung, einer Verflachung der Lerninhalte und Selbstzensur seitens der Hochschullehrenden führen könnten. Der zitierte Präsident der texanischen Abteilung der Amerikanischen Vereinigung der Universitätsprofessoren (AAUP), Brian Evans, äußerte sich zudem besorgt über mögliche personelle Entscheidungen. Im letzten Absatz der Richtlinie wird angedeutet, dass die Hochschulen "eine angemessene Vielfalt und Ausgewogenheit im Lehrkörper und im Curriculum" zu gewährleisten hätten. Diese Klausel könne Verwaltungsangestellte dazu verleiten, Einstellungs- und Entlassungsentscheidungen mit ideologischen Ansichten zu begründen, sagte Evans gegenüber IHE.

Bereits im November verabschiedete der Verwaltungsrat des Texas A&M University Systems eine neue Zustimmungspflicht seitens der Universitätsleitung für Kurse, die ethnische oder geschlechtsspezifische Ideologien, sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität thematisieren. Dies hatte zur Zensur von Kursinhalten bis zu den klassischen Werken Platons gereicht.

31 Hochschulen beenden ihre Kooperation mit gemeinnütziger Organisation

Um weitere Einschränkungen rund um das von der US-Regierung kritisierte Themenfeld Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion (diversity, equity, and inclusion, DEI) ging es am 19. Februar in einer Pressemitteilung des Bildungsministerium (ED). Das ED berichtete, dass das zugehörige Büro für Bürgerrechte (Office for Civil Rights, OCR) 31 Vereinbarungen mit Hochschulen getroffen habe. Darin gehe es um die Beendigung der Partnerschaften mit The Ph.D. Project, einer Organisation, die Doktorandinnen und Doktoranden Unterstützung bei der Promotion gewährt. The Ph.D. Project habe die Teilnahmeberechtigung "rechtswidrig aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit der Teilnehmenden" eingeschränkt. Dieser Sachverhalt verstoße gegen das Bürgerrechtsgesetz von 1964 (Titel VI), indem die Hochschulen mit einer Organisation zusammenarbeiteten, die aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit diskriminiere.

Die 31 Universitäten hätten ihre Beziehungen zu The Ph.D. Project teils bereits beendet oder sich verpflichtet, ihre Partnerschaften mit externen Organisationen zu überprüfen. "Dies ist der Trump-Effekt in Aktion: Hochschulen erklären sich bereit, die Verbindungen zu diskriminierenden Organisationen zu kappen, bekräftigen ihr Engagement für die Einhaltung des Bundesrechts und stellen die Chancengleichheit auf den Campus im ganzen Land wieder her", sagte die US-Bildungsministerin Linda McMahon. Man hoffe, dass andere Institutionen mit ähnlich diskriminierenden Praktiken diesem Beispiel folgen würden, und so "den Weg für eine Zukunft ebnen, in der wir die Beurteilung von Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe ablehnen und uns wieder den Prinzipien von Leistung, Exzellenz und Chancengleichheit verpflichtet haben".

Wil Del Pilar, Senior Vice President von Education Trust äußerte sich gegenüber der Washington Post empört über die Beendigung von Programmen zur Unterstützung marginalisierter ethnischer Gruppen. Es gebe keinerlei Beweise dafür, dass Studierende anderer ethnischer Herkunft weniger Zugang oder Chancen hätten. Seine Organisation vertritt die Interessen von einkommensschwachen Schülerinnen und Schülern sowie jenen, die Minderheiten angehören. Sie setzt sich dafür ein, die Bildungsungleichheit zu beenden.

Zu den unterzeichnenden Hochschulen gehören unter anderem die Arizona State University, das Massachusetts Institute of Technology (MIT), die New York University (NYU), die Ohio State University, die University of California – Berkeley, die University of Chicago, die University of Colorado – Colorado Springs und die Yale University.

Das Office for Civil Rights (OCR) verhandelt laut Pressemitteilung derzeit mit den verbleibenden 14 Hochschulen, gegen die im vergangenen Jahr entsprechende Untersuchungen eingeleitet worden waren.

cva