Chinesische Studentin schaut in Bibliothek in ein Buch
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Internationaler Austausch USA wollen härter gegen Ideenklau an Hochschulen vorgehen

Ein Unterausschuss des US-Senats hat zu einer fragwürdigen Anhörung eingeladen. Ihr Titel wurde geändert, ihr Thema sorgt weiter für Diskussion.

Von Katrin Schmermund 09.06.2018

In den USA sorgt der Titel einer Anhörung im Senat für Diskussionen. Ein Unterausschuss hatte zur Debatte aufgerufen: "A Thousand Talents: China’s Campaign to Infiltrate and Exploit U.S. Academia".

Die Kritik an einer solchen Veranstaltung ließ nicht lange auf sich warten und so wurde der Termin umbenannt in "Student Visa Integrity: Protecting Educational Opportunity and National Security". Im Vordergrund standen damit die Rechtmäßigkeit bei der Visa-Vergabe und die nationale Sicherheit der USA.

Der Anlass der Debatte hatte sich dadurch nicht verändert: die Annahme, chinesische Studierende und Wissenschaftler würden ihren Aufenthalt in den USA für ihre Zwecke nutzen. Einem Land, dessen Präsident immer wieder die Parole "America first" wiederholt, kann das nicht gefallen. Und das zeigte sich auch in vielen Wortbeiträgen während der Anhörung im Senat.

Der republikanische Senator John Cornyn beschrieb das US-amerikanische Hochschulwesen als "Kronjuwel" der "soft power" der USA, um international Einfluss nehmen zu können. Es müsse verhindert werden, dass einzelne Länder daraus einen Nutzen zögen, ohne dass die USA etwas davon hätten. "Es gibt Staaten – eingeschlossen derer, die den Terrorismus befördern, wie der Iran –, die Studentenvisa-Programme ausnutzen, um technische Informationen oder Produkte aus den USA für ihre Länder abzugreifen. Sie umgehen damit den teuren Weg der Forschung und Entwicklung", so Cornyn. 

Spionageabwehr: Hochschulen sollen enger mit FBI zusammenarbeiten

Obwohl die USA von internationalen Studierenden in vielerlei Hinsicht profitieren könnten, müsste man sich über die "möglichen Risiken im Klaren sein", betonte auch ein Mitarbeiter aus dem Büro für Spionageabwehr. Es seien viele ausländische Wissenschaftler aus "strategischen Konkurrenzländern" an US-Institutionen. Dabei nannte er Iran, Russland und China. Mit Blick auf China müsse man besonders aufmerksam sein, weil das Land einer der größten Mitstreiter im internationalen Wirtschaftswettbewerb sei.

Ein Vertreter des universitären Zusammenschlusses Texas A&M University System empfahl, eine Arbeitsgruppe einzurichten. Diese sollte mit Sicherheitsbehörden wie dem FBI oder dem Ministerium für Innere Sicherheit zusammenarbeiten, um besser gegen  die "ausländische Bedrohung sensibler akademischer Forschung" vorgehen zu können.

Das FBI hatte sich bereits auf seiner Website zu dem Thema der Anhörung positioniert. US-amerikanische Hochschulen brächten viele der größten Denker und wichtigsten Erfindungen des Landes und der Welt hervor, heißt es dort. "Die große Mehrheit der internationalen Akademiker, die jedes Jahr an unsere Campus kommen, tragen zu dieser Größe bei. Amerika will und braucht sie weiterhin." Trotzdem müsse man "klug und vorsichtig sein, weil das, was diese Schulen groß macht, sie auch verletzlich macht."

Einige Demokraten sahen in den Argumenten während der Debatte eine pauschale Verurteilung der Chinesen sowie anderer internationaler Studierender und Wissenschaftler, die in den Statements angesprochen wurden.

Dabei sei das Risiko, dass internationale Studierende die wirtschaftliche Integrität und nationale Sicherheit der USA riskierten, im Vergleich zu anderen Gruppierungen verschwindend gering, kritisierte der demokratische Senator Dick Durbin. Anstatt überlegt vorzugehen, entscheide sich die US-Regierung für pauschale Amtshandlungen wie Reisebeschränkungen für Menschen aus bestimmten muslimischen Ländern, die ohne konkreten Anlass deren Freiheiten einschränkten und die wahren Probleme nicht lösten.

Forschungs-Visa für Chinesen eingeschränkt

Einige fürchten, dass solche Debatten chinesische Studierende und Wissenschaftler von einem Aufenthalt in den USA abschrecken könnte. "Es ist äußerst wichtig, dass die Mehrheit der chinesischen Studierenden und Lehrenden versteht, dass wir heute nicht über sie sprechen", sagte Jill Welch von der US-amerikanischen Bildungsorganisation NAFSA. "Es ist äußerst wichtig, weil talentierte Menschen viele Möglichkeiten haben, wohin sie gehen können, und unsere Forschungsprogramme in den Vereinigten Staaten, insbesondere auf Hochschulniveau, hängen stark von diesen Talenten ab – auch um US-amerikanischen Studierenden die entsprechenden Lehrangebote bieten zu können."

Auch die Republikaner wollen sich keine pauschale Verurteilung zuschreiben lassen und so sagte auch Senator Cornyn: "Die meisten Studierenden und Gastwissenschaftler kommen aus legitimen Gründen in die Vereinigten Staaten. Sie sind hier, um zu lernen, ihre Kultur zu teilen, mehr über uns zu erfahren und ihre Talente in Amerika einzubringen."

Die USA sind laut Deutschem Akademischen Austauschdienst das beliebteste Zielland von chinesischen Studierenden. Sie machen knapp ein Drittel aller internationalen Studierenden an den US-Hochschulen aus, zeigen Zahl des International Institute of Education (IIE) von 2017. Das Interesse sei aktuell aber leicht rückläufig – wie auch von Studierenden aus anderen Ländern.

Diskussionen über das Misstrauen gegenüber Chinesen gibt es nicht erst seit der Anhörung im Senat. Seit einigen Wochen sorgt eine Gesetzesänderung für Kritik. Ab dem 11. Juni soll die Dauer der Visa für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus China auf ein Jahr begrenzt werden können, falls sie in "sensiblen Forschungsfeldern" unterwegs sind. Dazu zählt die US-Regierung Robotik, Luftfahrt und Spitzentechnologie, wie ein Mitarbeiter des Weißen Hauses der Nachrichtenagentur "Reuters" berichtete.