Das Bild zeigt Benny Morris im Profil bei einem Vortrag.
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Uni Leipzig
Vortrag eines israelischen Historikers abgesagt

Wegen Sicherheitsbedenken hat die Uni Leipzig den Vortrag von Benny Morris abgesagt. Er wird für seine Äußerungen kritisiert.

02.12.2024

Das Institut für Praktische Theologie der Universität Leipzig sagt den für Donnerstag geplanten Vortrag des israelischen Geschichtsprofessors Benny Morris ab. Die Veranstaltenden gaben an, von verschiedenen Seiten zur Absage des Vortrags gedrängt worden zu sein. Es ist von "in der Art und Weise beängstigenden" studentischen Protesten die Rede. Grund dafür seien jüngere Äußerungen von Morris, "die teilweise als verletzend und sogar rassistisch gelesen werden können". Deswegen und wegen entstandener Sicherheitsbedenken sei die Entscheidung zur Absage des Vortrags "The 1948 War and Jihad" gefallen.

Mit der Einladung des Historikers habe man eine kritische Auseinandersetzung einleiten wollen. Nach Auskunft der Uni gilt Morris als Experte auf dem Gebiet des israelisch-palästinensischen Konflikts. Sein Buch "1948" über den ersten arabisch-israelischen Krieg zeichne sich gerade durch eine kritische Position gegenüber allen Konfliktparteien aus. Über diese Arbeit habe man mit Morris sprechen wollen. Von seinen zuletzt in Interviews und Diskussionen geäußerten Ansichten distanziere sich die Uni aber entschieden: "Die Einladung von Vortragenden an der Universität bedeutet prinzipiell keine notwendige Übereinstimmung mit deren Ansichten", heißt es in einer Stellungnahme des veranstaltenden Instituts.

Zweck des geplanten Vortrags im Rahmen der Ringvorlesung "Traditionen und Gegenwart des Antisemitismus" sei die kritische Auseinandersetzung mit Morris' Thesen gewesen, betonen die Veranstaltenden. Einen solchen konstruktiven Umgang traue man den Studierenden zu. Man befürchte eine entstehende Doppelmoral, weil zunehmend israelische Gelehrte von Diskussionen ausgeschlossen würden. Morris verurteilte die Entscheidung laut Bericht der Deutschen Presseagentur in der israelischen Zeitung "Haaretz" scharf. Angst vor gewaltsamen Studierendenprotesten sei der Grund für die Absage gewesen. Das sei "Feigheit und Appeasement par excellence".

 

hes