Exzellenzuniversitäten
Was die Gutachten über Deutschlands Spitzenunis sagen
Noch bessere Forschungsleistungen, mehr interdisziplinäre Zusammenarbeit und erhöhte internationale Sichtbarkeit: Die Evaluationen der neun Exzellenzuniversitäten und des Exzellenzverbunds fallen durchweg sehr positiv aus. Vergangene Woche wurden daher alle Standorte für eine weitere Förderung im Rahmen der Förderlinie "Exzellenzuniversität" von Bund und Ländern bewilligt. Doch die Gutachterinnen und Gutachter belassen es nicht beim Lob, wie die Stellungnahmen des Committee of Experts (CoE) zeigen, die der Wissenschaftsrat am Montag online veröffentlicht hat. Forschung & Lehre hat sich einen Überblick verschafft.
Eine Rangliste der Exzellenzstandorte kann mittels der Stellungnahmen allerdings nicht erstellt werden, da diese nicht vergleichend angelegt wurden: "Im Unterschied zum Neuantragsverfahren", so steht es in der Vorbemerkung der Stellungnahmen "findet bei der Evaluation keine vergleichende Bewertung der geförderten Standorte untereinander statt".
Der lange Weg der Gutachten
Die Gutachten des CoE haben einen langen Weg hinter sich: Zunächst wurden die Exzellenzuniversitäten und der Verbund von standortspezifisch zusammengesetzten Gruppen von Expertinnen und Experten vor Ort begutachtet, was in einer englischsprachigen Zusammenfassung mündete. Diese war Grundlage einer Übersetzung ins Deutsche, die mit Informationen aus den Selbstberichten der Standorte angereichert wurde. Basierend auf diesen Evaluationsberichten hat das CoE die nun veröffentlichten Stellungnahmen zur Weiterförderung erarbeitet. Es muss davon ausgegangen werden, dass die Stellungnahmen sprachlich nicht einheitlich sind: Vergleichbare Leistungen können unterschiedlich formuliert sein.
Inhaltlich ähneln sich die Stellungnahmen: Fast überall werden Fortschritte bei Profilbildung, Governance, interdisziplinärer Forschung, Karriereförderung und Transfer betont. Alle Standorte werden als "herausragend" oder "hervorragend" in diverser Hinsicht beschrieben: So kommen diese Adjektive in den zehn Stellungnahmen insgesamt 51-mal vor. Sie scheinen das Grundniveau der Beurteilung zu bilden. Dabei ist keine konsistente und standardisierte Verwendung der Begriffe erkennbar, die es ermöglichen würde, eine Hierarchie festzustellen. Die meisten Standorte werden mit beiden Adjektiven beschrieben, einige wenige nur mit einem der beiden, allerdings nicht konsequent mit dem gleichen.
Welcher Exzellenzstandort womit glänzt
Die unterschiedlichen Beschreibungen weisen trotzdem auf spezifische Stärken der jeweiligen Standorte hin, ein Vergleich der Bewertungen ist objektiv nicht möglich.
Über das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) heißt es in der Stellungnahme beispielsweise nicht nur, dass seine Forschungsleistungen im Förderzeitraum "herausragend in Qualität und Quantität" seien. Beschrieben wird auch die "vorbildliche Sicherheitsarchitektur des KIT", die international "einzigartig" sei, wodurch es eine "Referenzinstitution für den Schutz vor Cyberangriffen" sei. Im Bereich Nachhaltigkeit könne das KIT deutschlandweit eine "Führungsrolle" einnehmen.
Die Technische Universität München (TUM) hingegen wird für ihre Governance-Struktur als "Referenzmodell" im "nationalen Hochschulkontext" gewürdigt. Gelobt wird auch die "außergewöhnlich gelungene Integration der Sozialwissenschaften in das Gesamtprofil der Technischen Universität". Die TUM habe Maßnahmen und Konzepte etabliert, die "Modellcharakter weit über den traditionellen Rahmen technischer Universitäten hinaus" hätten. Auch in der Karriereförderung sehen die Gutachtenden die TUM als "europäische Referenzinstitution".
Die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München habe herausragende Ergebnisse "nach höchsten nationalen und internationalen Maßstäben" erzielt. Die "Hebelwirkung der Exzellenzförderung" konnte dabei laut Stellungnahme "maximiert" werden. Die LMU nehme eine "internationale Spitzenstellung in Forschung und Innovation" ein und sei eine "globale Impulsgeberin für exzellente Forschung".
Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn wiederum wird für "äußerst bemerkenswerte Fortschritte" gelobt: "Der im Förderzeitraum erreichte Qualitätssprung und die institutionelle Erneuerungsfähigkeit werden als herausragend angesehen", heißt es in der Stellungnahme. Ihre nunmehr acht Exzellenzcluster gelten als "deutschlandweit unerreichte Spitzenposition", ihre Forschungsorganisation mit transdisziplinären Research Areas (TRA) sei "beispielgebend".
Die Berlin University Alliance (BUA) wird nicht primär über Forschungskennzahlen charakterisiert, auch wenn ihr "hervorragende wissenschaftliche Erfolge" bescheinigt werden, sondern über ihre Rolle im Wissenschaftssystem. Die BUA habe erfolgreich eine "Kultur der Zusammenarbeit und Offenheit" etabliert. Das zeige sich auch in ihrer Rolle "als institutionelle Pionierin einer verantwortungsbewussten Forschungsbewertung". Dabei nehme sie auch unter den Exzellenzeinrichtungen "eine Vorreiterrolle" ein und "ragt deutschlandweit heraus".
Die Universität Hamburg wiederum wird nicht nur für ihre wissenschaftlichen Leistungen, sondern auch für ihre institutionellen Veränderungen gewürdigt. Sie habe in beiden Bereichen "eine beeindruckende Entwicklung vollzogen". Als "herausragend" erwähnt wird die "auf partizipative Kommunikation und Transparenz ausgerichtete Führungskultur".
Die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen habe eine "eindrucksvolle Leistungssteigerung" verzeichnet. Die RWTH habe mit "der erfolgreichen Transformation zu einer integrierten interdisziplinären Universität […] ihre Fähigkeit zur kohärenten strategischen Profilbildung eindrucksvoll unter Beweis gestellt". Die qualitative und quantitative Entwicklung der Forschungsleistungen sei "hervorragend".
Die Technische Universität (TU) Dresden habe ihre "herausragende Leistungsstärke" bewiesen. Vor allem der "Wissens- und Technologietransfer zählt zu den herausragenden Stärken" der TU. Die Universität habe dafür ihre Technologieplattformen mit "bemerkenswerter Konsequenz und sichtbarem Erfolg" ausgebaut. Die transCampus-Initiativen ihrer internationalen Kooperationen werden als "beispielgebendes Modell" beschrieben.
Die Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg habe ihre "herausragende Leistungsfähigkeit in der Forschung" weiter gesteigert. Forschungsergebnisse seien durch "vorbildliche Vermittlung" in Ausstellungen, Vorträgen und Diskussionsformaten in die Gesellschaft gebracht und der "Bereich Wissenschaftskommunikation deutlich gestärkt" worden. Auch für ihr Diversitätskonzept wird die Universität gelobt: Eine "überzeugende Maßnahme mit Vorbildcharakter für andere deutsche Universitäten" sei dabei das GUIDE-Projekt, das durch Vertrauenslotsinnen und -lotsen niedrigschwellige Kontaktmöglichkeiten und Hilfe bei Fehlverhalten biete.
Bei der Eberhard Karls Universität Tübingen werden "erneut herausragende wissenschaftliche Leistungen auf hohem nationalem und internationalem Niveau" ebenso gelobt wie die "hervorragende Forschungsinfrastruktur". Internationale Forschungskooperationen, besonders im Bereich der Künstlichen Intelligenz, bei der die Universität Tübingen laut Stellungnahme zu den "international führenden Einrichtungen" gehört, seien ausgebaut worden.
Diversität bleibt vielerorts eine Herausforderung
Trotz der insgesamt sehr positiven Bewertungen benennen die Stellungnahmen auch wiederkehrende Herausforderungen. Am häufigsten geht es um Diversität – diese solle breiter und weiter gefasst und gefördert werden. Viele Standorte hätten bereits Fortschritte erzielt, sollten ihre Strategien allerdings über Geschlechtergerechtigkeit hinaus ausweiten. Die Universität Hamburg habe beispielweise die universitätsweiten Anteile von Professorinnen mit nun 36 Prozent über den bundesweiten Durchschnitt von etwa 30 Prozent steigern können. Allerdings solle sie "neben der Gleichstellung der Geschlechter künftig Aspekte wie sozioökonomischen Hintergrund, ethnische Zugehörigkeit, gesundheitliche Einschränkungen und weitere Formen von Unterrepräsentation noch stärker berücksichtigen".
Ähnliche Hinweise auf mehr Vielfaltsdimensionen finden sich in allen weiteren Stellungnahmen mit Ausnahme der TU München. Die Evaluation der TUM stellt "ein breites Diversitätsverständnis" fest, das außer Geschlecht auch weitere Dimensionen wie "soziale und kulturelle Herkunft oder individuelle Lebensumstände berücksichtigt und im universitären Alltag sichtbar verankert ist". Allerdings liege der Professorinnenanteil der TUM mit 24 Prozent (2019: 19 Prozent) trotz eines Wachstums weiterhin unter dem Bundesdurchschnitt.
Wunsch nach besserer Messbarkeit der Erfolge
An mehreren Standorten fordern die Gutachtenden die Einführung konkreter Kennzahlen. So wird die Universität Tübingen beispielsweise ermuntert "für die nächsten sieben Jahre in den zentralen Leistungsdimensionen und Handlungsfeldern klare, überprüfbare Meilensteine zu setzen und Benchmarks zu definieren, um Fortschritte besser messbar zu machen". Die TU Dresden soll "durch belastbare Monitoring- und Evaluationsinstrumente die Wirksamkeit der Maßnahmen sowie die Nachhaltigkeit der institutionellen Strukturen" sicherstellen. Auch die Universität Bonn soll ihre Transferaktivitäten durch strukturierte Monitoringprozesse systematischer erfassen.
Andere Verbesserungspotentiale sind eher standortspezifisch. Bei der Berlin University Alliance geht es um "weiterhin bestehende administrative Hürden für die verbundweite Anerkennung von Studienleistungen", die abgebaut werden sollten. Einige Exzellenzstandorte machen das Thema Nachhaltigkeit zu einem zentralen Punkt ihrer Strategie für die kommenden Jahre, so auch die TU München. Dazu schreibt das Expertenkomitee in seinem Gutachten, dass die TUM in diesem Bereich "erhebliches Potenzial" habe, eine Vorbildfunktion für andere Hochschulen einzunehmen. Sie solle ihre Nachhaltigkeitspolitik dazu weiterentwickeln und "systematisch in die universitätsweiten Strukturen und Prozesse" integrieren. Bisherige Erfolge "sollten durch messbare Indikatoren und Meilensteine – vor allem mit Blick auf die Klimaneutralität in zentralen Bereichen wie Materialnutzung, Energieverbrauch und Mobilität – flankiert werden." – Ein erneuter Verweis auf den Wunsch nach besserer Messbarkeit der Erfolge.
Die Exzellenzstandorte haben ihre Erfolge in den Selbstberichten detailliert dokumentiert, lobt das CoE laut einer Mitteilung des Wissenschaftsrats. Die Besuche vor Ort seien als "Impuls für die Qualitätssicherung und Weiterentwicklung" genutzt worden, bei denen auch die positiven Entwicklungen sichtbar geworden seien. Die Exzellenzstandorte hätten "Energie und Ressourcen […] wirksam eingesetzt, die gesetzten Ziele erreicht und teilweise sogar übertroffen". Davon würden nicht nur sie selbst profitieren, sondern das gesamte deutsche Wissenschaftssystem.
cpy