Schlange am Flughafen
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Klimawandel
Wissenschaftler wollen Kurzstreckenflüge vermeiden

Wissenschaftler müssen häufig reisen. Anlässlich eines globalen Klimastreiks verpflichten sich immer mehr dazu, klimafreundlicher unterwegs zu sein.

20.09.2019

Über tausend Wissenschaftler aus Berlin und Brandenburg wollen künftig bei kürzeren Dienstreisen auf Flüge verzichten. Damit wollen sie einen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leisten, wie die Initiatorin der Initiative "climatewednesday.org", Professorin Martina Schäfer, am Donnerstag mitteilte. Die Selbstverpflichtung soll bei Reisen bis zu einer Entfernung von 1.000 Kilometern gelten. Für diese Strecke wollen sie den Zug nehmen, wenn die Reise nicht länger als zwölf Stunden dauert.

Die aktuell rund 1.600 Wissenschaftler von sieben großen Hochschulen in Berlin und Brandenburg stellen bis zu 25 Prozent der Gesamtgruppe aus Professoren und anderen Wissenschaftlern an ihren Einrichtungen dar. Das Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung kommt als eine von zwei Forschungseinrichtungen bislang auf eine Beteiligung von 75 Prozent. Die Selbstverpflichtungen wollen die Wissenschaftler bei der globalen Klima-Aktion am 20. September an die Fridays-For-Future-Bewegung übergeben.

 

 

Schäfer, die Geschäftsführerin des Zentrums Technik und Gesellschaft der TU Berlin ist, sagte: "Jeder muss das letztlich für sich selbst entscheiden. Aber uns geht es darum, einen Denkprozess anzustoßen." Selbstverständlich gewordene Routinen, wie die Flugreisen zu zahlreichen Konferenzen, müsse man in Zeiten der Klimakrise in Frage stellen. Die Verpflichtung würde bezogen auf die Entfernung etwa für die Strecken Berlin - London, Berlin - Paris, Berlin - Mailand oder Berlin - Belgrad gelten.

Klimaneutrale Universitäten bis 2035

Darüber hinaus wollen sich die Wissenschaftler für das Ziel klimaneutraler Universitäten bis 2035 einsetzen. Die Betreiber des Portals beziehen sich auf eine Studie der ETH Zürich die zeige, dass die Hälfte der CO2-Emissionen der ETH auf Reisen zurückzuführen sind, davon 93 Prozent auf das Fliegen. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Situation an anderen Hochschulen ähnlich aussehe.

Die Präsidentin der Humboldt Universität, Professorin Sabine Kunst, begrüßte die Initiative für ihre Universität. Wenn Universitäten ihre Klimabilanz verbessern wollten, sei das persönliche Verhalten der Hochschulmitglieder ein wesentlicher Punkt, sagte sie dem Berliner "Tagesspiegel".

Kunst hätten laut Bericht zahlreiche Anfragen erreicht, ob es eine Dienstbefreiung für die Teilnahme an der Klimademonstration am Freitag geben könne. Eine solche prinzipielle Befreiung gäbe es an der HU wie auch an anderen Berliner Universitäten nicht. Die Uni-Leitung spreche laut "Tagesspiegel" allerdings an alle Dienstvorgesetzten die Bitte aus, über Gleitzeit und eine Verschiebung der Arbeitszeiten eine Teilnahme an der Demonstration zu ermöglichen.

Die Initiative "Scientists for future", der sich fast 27.000 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aller Fachrichtungen angeschlossen haben, unterstützt die "Globale Aktionswoche gegen die Klimakrise" vom 20. bis 27. September 2019 und ruft zur Teilnahme auf. "Die Fakten liegen auf dem Tisch, die Warnungen sind ausgesprochen. Jetzt ist es Zeit zu handeln!", heißt es auf ihrer Internetseite.

In Baden-Württemberg sollen neben den Ministerien künftig auch die Hochschulen eine Klimaabgabe für dienstliche Flüge zahlen. Die Hochschulen hatten allerdings darauf hingewiesen, dass sie sich die Klimaabgabe angesichts knapper Kassen nicht leisten könnten.

aktualisiert: 20.9.19, 9:27 Uhr, zuerst veröffentlicht: 19.9.19, 16:30 Uhr

dpa/gri