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Exzellenzstrategie
Zehn Exzellenzstandorte behalten ihren Titel

Die Entscheidung ist da: Im Anschluss an die Evaluation wurden neun Universitäten und ein Verbund als Exzellenzuniversitäten weiterbewilligt.

12.03.2026

"Exzellenz ist nicht statisch, sondern muss sich bewähren" sagte der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Professor Wolfgang Wick, am 11. März in Bonn. Gemeinsam haben die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Forschungsministerin Dorothee Bär, der stellvertretende Vorsitzende der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) Falko Mohrs und der Wissenschaftsrat bekannt gegeben, welche der aktuellen Exzellenzuniversitäten diesen Titel auch ab dem 1. Januar 2027 weiterhin tragen dürfen. Sie werden im Rahmen der Förderlinie Exzellenzuniversitäten der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern gefördert. Vorausgegangen war eine Evaluation der neun Universitäten und des Berliner Verbunds Berlin University Alliance (BUA).

Zehn Exzellenzstandorte bleiben Exzellenzuniversitäten

Von den seit November 2019 geförderten Universitäten, bei denen die formalen Voraussetzungen weiterhin erfüllt sind, wurden alle Standorte positiv bewertet: die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen, die Universität Bonn, die Technische Universität Dresden, die Universität Hamburg, die Universität Heidelberg, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, die Technische Universität München, die Universität Tübingen und die BUA bestehend aus Freier Universität (FU) Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Technischer Universität Berlin und Charité – Universitätsmedizin Berlin.

"Die Exzellenzuniversitäten sind unsere Leuchttürme für Spitzenforschung in Deutschland." Forschungsministerin Dorothee Bär

"Wir freuen uns über dieses starke Signal für den Wissenschaftsstandort Deutschland und für die Exzellenzstrategie", kommentierte Wick die Weiterbewilligung der Exzellenzstandorte. Die Exzellenzstrategie sei erkennbar "ein Hebel für Transfer und institutionellen Wandel". Auch Forschungsministerin Bär lobte das Ergebnis der Evaluation: "Die Exzellenzuniversitäten sind unsere Leuchttürme für Spitzenforschung in Deutschland". Der niedersächsische Wissenschaftsminister und stellvertretende GWK-Vorsitzende Mohrs, hob die Wirkung der Förderlinie Exzellenzuniversitäten in die Breite des Wissenschaftssystems in Deutschland hervor: "Es geht vor allem darum, das Gesamtsystem leistungsfähiger und stärker zu machen", sagte er.

Jubel bei den bewilligten Hochschulen

Die Freude bei den weiterbewilligten Hochschulen war groß und die Hochschulleitungen verwiesen in Pressemitteilungen auf bisher Erreichtes und in Zukunft Geplantes. Professor Michael Hoch, Rektor der Universität Bonn bezeichnete die Entscheidung als "weiteren historischen Meilenstein in der Geschichte" der Universität. "Dieser Erfolg ist das Ergebnis eines strategischen Transformationsprozesses, in dem wir die Universität Bonn zu einer global vernetzten Institution für exzellente Forschung, Lehre und Transfer weiterentwickelt haben. Wir stehen beispielhaft dafür, dass die Exzellenzstrategie wirkt und ihre Ziele erreicht", sagte er laut Mitteilung der Universität Bonn.

Der Präsident des KIT, Professor Jan S. Hesthaven, begrüßte die Weiterbewilligung ebenfalls. Mit der Förderung für Exzellenuniversitäten könne das gesetzte Ziel von "Science for Impact" noch schneller umgesetzt werden. Er erläuterte: "Das ist wichtig, denn die Herausforderungen unserer Zeit erfordern mutige Lösungen, die Wissenschaft und Gesellschaft in enger Partnerschaft entwickeln müssen."

Auch die Rektorin der Universität Tübingen, Professorin Karla Pollmann, betonte, dass die Welt von Umbrüchen und Unsicherheiten geprägt sei. In den nächsten sieben Jahren gehe es darum, Lösungen für globale Herausforderungen und den gesellschaftlichen Fortschritt zu erarbeiten. Alle sollten dazu beitragen, "dass die Universität als Ort, an dem die Grundlagen für Fortschritt erarbeitet werden, ihre Rolle als gesellschaftliche Akteurin noch intensiver wahrnimmt", so die Rektorin in einer Mitteilung ihrer Hochschule.

Die Universität Hamburg schrieb ihren Erfolg bei der Evaluation ihrem weiterentwickelten Profil zu, "das Nachhaltigkeit und Digitalisierung als transformativen Antrieb für Forschung, Lehre und Transfer" ins Zentrum rücke. Universitätspräsident Professor Hauke Heerkeren kündigte an, dass die Hochschule ihren Fokus künftig noch stärker auf die sogenannte Twin Transformation richten werde. Diese Art der Transformation verbinde Nachhaltigkeit und Digitalisierung als zentrale, universitätsweite Querschnittsaufgaben.

"Die erneute Auszeichnung bestätigt unsere konsequente Ausrichtung auf global kompetitive Spitzenforschung und bahnbrechende Innovation", kommentierte Professor Matthias H. Tschöp, Präsident der LMU München, die Weiterbewilligung seiner Universität. Das internationale Profil der Hochschule solle künftig weiter geschärft werden. "Dazu werden wir unsere interdisziplinären Stärken und starken Kooperationen mit der TU München und internationalen Partnern ausbauen und gleichzeitig versuchen, die herausragendsten Köpfe weltweit für die LMU zu gewinnen", so Tschöp. Der Exzellenzstatus gebe ihnen dazu "weiteren Rückenwind".

Wie klar war die Entscheidung zur Weiterbewilligung?

Vor der Bekanntgabe der Evaluationsergebnisse war unklar, ob alle Standorte weiterbewilligt würden. Besonders gezittert haben dürfte die BUA angesichts der Kürzungen der Landesregierung an der Finanzierung der Berliner Hochschulen. Diese waren Ende 2024 bekannt geworden und hatten die Änderung der erst im Februar 2024 unterzeichneten Hochschulverträge nach sich gezogen. Die Hochschulen sind seitdem zu Sparmaßnahmen gezwungen. Trotzdem hatte sich der aktuelle Sprecher der BUA, FU-Präsident Günter M. Ziegler, im Vorfeld der Evaluationsentscheidung gegenüber dem Tagesspiegel zuversichtlich gezeigt: "Wir haben die Akteure im Berliner Wissenschaftsraum so zusammengebracht, dass Schwung in die Berliner Wissenschaftslandschaft gekommen ist und wir die Dinge mehr denn je gemeinschaftlich bewegen", sagte er.

"Berlin hat sich von einer interessanten Idee zu einem spürbar wirksamen gemeinsamen Konstrukt entwickelt", erläuterte auch Wick im Rahmen der Bekanntgabe. Dies sei für die Studierenden und Mitarbeitenden aller Beteiligten des Verbunds spürbar. Auch die Kooperationsvereinbarung zwischen der BUA und Berlin Research 50 (BR50), einem Verbund fast aller außeruniversitärer Institute und Zentren in Berlin, sei bei der Begutachtung positiv wahrgenommen worden.

Auf die Frage, ob es Wackelkandidaten unter den weiterbewilligten Exzellenzstandorten gegeben habe, betonte DFG-Präsidentin Professorin Katja Becker, dass die Qualität der Arbeit aller Standorte hoch sei. Auch Wick antwortete, dass es keine Wackelkandidaten gegeben habe. Die Standorte seien alle unterschiedlich, viele Standorte hätten konstruktive Kritik für die Weiterarbeit erhalten.

Die 2019 als Exzellenzuniversität ausgewählte Universität Konstanz trägt diesen Titel ab 2027 nicht mehr, wie seit vergangenem Mai bekannt ist: Die Universität hatte ein Exzellenzcluster verloren und verfügt nicht länger über die formal nötigen zwei Cluster für den Titel der Exzellenzuniversität. Verbünde benötigen drei Cluster, um für die Förderlinie Exzellenzuniversität in Frage zu kommen.

Ablauf des Evaluationsprozesses

Von September bis Dezember 2025 wurden die Exzellenzuniversitäten durch Gutachterinnen und Gutachter jeweils vor Ort besucht. Sie sollten ermitteln, ob die Universitäten und der Verbund die Fördervoraussetzungen auch weiterhin erfüllen. Dazu gehörte etwa die Beurteilung, ob die Gesamtstrategie die Universität oder den Verbund im internationalen Umfeld besser positioniert und ob die geplanten Vorhaben wirksam sind. Ebenso evaluiert wurde das Leistungsniveau hinsichtlich Qualität in Forschung, Lehre, Transfer und Forschungsinfrastrukturen sowie die Exzellenz der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler.

Die Evaluationsgutachten und die von den Universitäten eingereichten Selbstberichte wurden vom Expertenkomitee bewertet: 39 Personen aus verschiedenen Wissenschaftsgebieten unter dem Vorsitz von Becker und Wick. Das Gremium hat der Exzellenzkommission Förderempfehlungen vorgelegt. Diese besteht aus den Mitgliedern des Expertenkomitees sowie den Landesforschungsministerinnen und -ministern und Bundesforschungsministerin Bär. Unter dem Vorsitz von Becker und Wick hat die Kommission über die Weiterförderungen entschieden.

Weitere Entscheidung im Oktober

Neben den Exzellenzuniversitäten, die sich um die Weiterbewilligung beworben hatten, möchten sieben weitere Universitäten und vier Verbünde im Rahmen der zweiten Wettbewerbsrunde eine der bis zu fünf neuen Exzellenzuniversitäten werden. Dazu erläuterte DFG-Präsidentin Becker, dass der Pool der fünf Plätze nicht ausgeschöpft werden müsse. Sollte dies nicht der Fall sein, erhielten die verbleibenden Exzellenzuniversitäten jeweils höhere Mittel. Die Ortsbesuche im Neuantragsverfahren finden laut DFG zwischen April und Juni 2026 statt. Am 2. Oktober sollen die Ergebnisse der Neubewerbungen vorliegen.

Die Förderlinie Exzellenzuniversität

Im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern erhalten Hochschulen mit dem Titel "Exzellenzuniversität" zusätzliche Gelder in Millionenhöhe: Exzellenzuniversitäten bekommen jährlich zwischen zehn und 15 Millionen Euro, Universitätsverbünde 15 bis 28 Millionen Euro laut der zugrundeliegenden Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern. Die Initiative zielt darauf ab, Spitzenforschung zu fördern und den forschenden Einrichtungen größere internationale Sichtbarkeit zu verschaffen. Insgesamt werden im Jahr 687 Millionen Euro in die Exzellenzstrategie investiert, davon trägt der Bund 75 Prozent. Exzellenzuniversitäten sollen auf Dauer gefördert werden, werden dazu aber alle sieben Jahre im Rahmen einer vom Wissenschaftsrat organisierten Evaluation überprüft.

Laut eines Policy Papers des Stifterverbands aus dem Jahr 2023, das Ergebnisse aus den Befragungen des Hochschul-Barometers von 2011 bis 2022 analysiert hat, bewerten die deutschen Exzellenzuniversitäten ihre Wettbewerbsfähigkeit in der Forschung im Vergleich zum Jahr 2011 deutlich besser. Ihre Attraktivität in internationalen Kooperationsbeziehungen habe signifikant zugenommen.

Die Exzellenzstrategie ist aber nicht ohne Kritik: Das Netzwerk Nachhaltige Wissenschaft kritisiert seit geraumer Zeit unter Verweis auf die Erfahrungen von Mitgliedern, dass die anfallenden Kosten für die Erstellung von Anträgen für Exzellenzcluster nicht beachtet werden. Laut einer Stellungnahme des Netzwerks von Januar 2025 sei der Druck hoch, den die Universitätsleitungen im Kontext von Bewerbungen um Cluster ausübten, während der Nutzen eher im Prestige als im finanziellen Gewinn liege. Forschende in Exzellenzclustern würden zudem oft von der Lehre freigestellt, was die Qualität der Lehre an den Universitäten beeinflusse. Es gebe innerhalb der Exzellenzstrategie nur wenige Maßnahmen gegen wissenschaftliches Fehlverhalten. Auch fehle ein unabhängiges Monitoring der Exzellenzstrategie. Diese Kritik scheint ernst genommen zu werden. So kündigte Wissenschaftsratsvorsitzender Wick laut Bericht der Tagesschau vom 11. März an: "Es wird eine interne und externe Evaluation der Exzellenzstrategie geben."

zuletzt aktualisiert am 12.03.2026 um 12.41 Uhr [Ergänzung von weiteren Zitaten], zuerst veröffentlicht am 11.03.2026 um 18.20 Uhr.

cpy