Freiburg
Universitäts-Mitarbeiter hat heimlich Frauen gefilmt
Ein ehemaliger Mitarbeiter der Universität Freiburg wurde am 9. März für das heimliche Filmen von Frauen in privaten Räumen sowie in einer für eine Dienstreise gemieteten Wohnung verurteilt. Einige der Taten hätten auch Beschäftigte und Studentinnen der Universität Freiburg betroffen. So meldete es die Universität am 12. März über ihre Website. Nach Bekanntwerden des Ermittlungsverfahrens 2024 habe die Hochschule ihm umgehend eine fristlose Kündigung ausgesprochen, Schutz- und Präventionsmaßnahmen verstärkt und Betroffene unterstützt.
Das Amtsgericht Freiburg hat den 57-jährigen Studienberater Medienberichten zufolge zu einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Staatsanwaltschaft habe inzwischen vor dem Landgericht Berufung eingereicht, da sie ursprünglich eine Gefängnisstrafe von zweieinhalb Jahren gefordert hatte. Es soll sich um über 800 Betroffene handeln, die heimlich in intimen Situationen von dem Verurteilten gefilmt worden seien. Laut tagesschau.de kritisieren Hunderte Studierende und Beschäftigte das als zu milde empfundene Urteil sowie den Umgang der Universitätsleitung mit dem Fall und protestierten am 16. März in Freiburg.
"Über die Gerichtsverhandlung am 9. März wurde uns bekannt, dass der ehemalige Mitarbeiter auch innerhalb universitärer Sanitärräume sowie in Beratungssituationen Aufnahmen angefertigt hat", erläutert die Universität in ihrer Mitteilung. Da diese Taten mehr als fünf Jahre zurücklägen, seien sie verjährt und hätten strafrechtlich nicht mehr verfolgt werden können. "Ungeachtet ihrer Verjährung sind für uns diese Taten unerträglich. Sie erschüttern massiv das Vertrauen, das für das universitäre Miteinander notwendig ist", teilte die Hochschule mit.
Austausch mit Protestierenden und Stellungnahme der Rektorin
Am Tag der öffentlichen Proteste hatte die Universitätsleitung zu einem Austausch geladen, zu dem nach eigenen Angaben auch zahlreiche Hochschulmitglieder in der Aula erschienen sind, um über den Gerichtsfall zu sprechen. Wie die Rektorin Professorin Kerstin Krieglstein am 17. März mitteilte, hätten im Vordergrund des Austauschs kritische Beiträge zum Umgang der Universität mit dem Fall gestanden, da sich viele mehr Unterstützung und Kommunikation gewünscht hätten.
"Wir sind dabei, den bisherigen Umgang der Universität mit dem Fall sorgfältig auszuwerten und aufzuarbeiten, hierzu werden wir auch externe Expertise mit einbeziehen", so Krieglstein. Wie in der Veranstaltung angekündigt, sammle man zudem die gestellten und eingereichten Fragen, und werde diese "gebündelt beantworten und veröffentlichen". Die Rektorin betonte ihre persönliche Betroffenheit, Sprachlosigkeit und Wut über die Straftaten sowie ihre Entschlossenheit, die Universität zu einem sicheren Campus und Arbeitsplatz zu machen.
Aktuell versuche man Krieglstein zufolge, betroffenen und möglichen betroffenen Mitarbeiterinnen und Studentinnen einen direkten Kontakt zur Staatsanwaltschaft zu ermöglichen. Der Universitätsrat informierte am 18. März über die Website der Hochschule, dass man in der am selben Tag stattgefundenen Sitzung "die Situation sehr eingehend ohne und mit der Universitätsleitung" besprochen habe. Die Universität werde eine unabhängige externe Untersuchung in Auftrag geben, um die Vorfälle umfassend aufzuklären und Vorschläge für eine Verbesserung der Governance sowie der Prävention zu erarbeiten. Der Universitätsrat formulierte zudem seine Erschütterung und tiefes Bedauern über die Ereignisse.
Weitere Betroffene melden sich – Prüfvorgang anhängig
Laut Deutscher Presse-Agentur haben sich nach Informationen der Freiburger Staatsanwaltschaft und Polizei inzwischen weitere Personen gemeldet. Wie viele neue Hinweise oder Betroffene es gebe, könne derzeit nicht gesagt werden. Informationen würden zusammengetragen, ein sogenannter Prüfvorgang sei anhängig. Damit solle geklärt werden, ob ein Anfangsverdacht für eine Straftat vorliege.
cva