Blick auf ein Schild am Eingang zum Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten.
picture alliance/dpa | Marcus Brandt

Mecklenburg-Vorpommern
Vermutete Verstöße bei Bachelor-Vergabe

Wurden an der Hochschule Neubrandenburg trotz Verstößen Bachelor-Abschlüsse vergeben? Nach Hinweisen zu vier Fällen ermittelt das Land.

08.07.2025

Wegen mutmaßlicher Unstimmigkeiten bei der Vergabe von Studienabschlüssen an der Hochschule Neubrandenburg hat sich das Schweriner Wissenschaftsministerium eingeschaltet. "Wir sind nach eingehender Prüfung zu dem Schluss gekommen, dass in der Angelegenheit ein Disziplinarverfahren gegen einen Professor in der Hochschule Neubrandenburg einzuleiten ist", teilte das Ministerium der regionalen Tageszeitung Nordkurier mit. Ein Ministeriumssprecher bestätigte dies gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Das Ministerium werde das Verfahren an sich ziehen und "einen Ermittlungsführer einsetzen".

Die Vorwürfe waren bereits Gegenstand einer Anfrage des AfD-Landtagsabgeordneten Nikolaus Kramer. In der Antwort erklärte das Ministerium, dass es Ende 2023 Informationen erhalten hätte, die "den Verdacht nahelegen", dass zwei ehemalige Studierende einen Bachelorabschluss in einem Studiengang verliehen bekommen hätten, "obwohl Verfahrensverstöße nicht auszuschließen sind". Es geht demnach um Sachverhalte aus den Jahren 2017 und 2018. Dem Vernehmen nach sind inzwischen Hinweise zu zwei weiteren Fällen hinzukommen. Ein Professor soll bevorzugten Studentinnen und Studenten zusätzliche Bachelorabschlüsse ohne ausreichende Studienleistungen verliehen haben, so beschreibt es der Nordkurier.

Verfahren nach Beschwerde eingestellt

Aus der Antwort des Ministeriums geht zudem hervor, dass gegen einen Prüfungskommissionsvorsitzenden eine Dienst- und Fachaufsichtsbeschwerde bei der Hochschule erhoben und ein entsprechendes Verfahren eingeleitet wurde. Beide Verfahren waren demnach 2019 abgeschlossen: "Es wurden keine disziplinarischen Schritte eingeleitet, weil ein ahndungswürdiges Dienstvergehen verneint wurde. Die Fachaufsichtsbeschwerde wurde dahingehend beantwortet, dass eine Rücknahme der Prüfungsentscheidungen wegen Ablaufs der Jahresfrist nicht mehr zulässig sei."

Laut Bericht des Nordkurier von Montag könnten weitere Hochschulmitarbeitende in die Vorfälle verwickelt sein. Demnach soll der Prüfungskommissionsvorsitzende mit einem höher gestellten Kollegen abgestimmt haben, die Vorfälle kleinzuhalten und die Weiterbeschäftigung eines kritischen Kollegen zu verhindern, der die Dienst- und Fachaufsichtsbeschwerden eingereicht hatte. Eine Person, die einen irregulären Abschluss erhalten habe, soll sich inzwischen auf eine Professur an der Hochschule beworben haben und für diese in der engeren Auswahl sein.

Ministerium bemüht, komplexe Sachverhalte aufzuklären

Nachdem dem Ministerium die Vorgänge im Dezember 2023 angezeigt worden waren, seien notwendige Unterlagen und Stellungnahmen zwischen Mai 2024 und Januar 2025 durch die Hochschulleitung vorgelegt worden mit anschließender Prüfung durch das Ministerium.

Das Ministerium nimmt die erhaltenen Hinweise nach Angaben des Sprechers sehr ernst und treibt die Ermittlungen mit Hochdruck voran. Es handle sich um sehr komplexe Sachverhalte, die teilweise sieben Jahre zurücklägen. Auch die Schwere der Anschuldigungen verpflichtete zu Genauigkeit und Gründlichkeit. Eine Vorverurteilung müsse vermieden werden, zitiert der Nordkurier den Ministeriumssprecher.

Die Hochschule Neubrandenburg weist die Vorwürfe im Namen der beschuldigten Professoren zurück, so berichtet der Nordkurier. Zu laufenden Berufungsverfahren gebe die Hochschule grundsätzlich keine Auskünfte. Professor Gerd Teschke, der Rektor de Hochschule, begrüße die Einschaltung einer externen Stelle gegenüber dem Norddeutschen Rundfunk. So sei eine unabhängige Beurteilung der Vorgänge möglich.

aktualisiert am 10.07.2025 [Ergänzung einer Quelle], zuerst veröffentlicht am 08.07.2025

dpa/cpy