Anti-Israel Schmierereien an der Fassade der Technischen Universität München (TUM), utner anderem Parolen gegen das Existenzrecht Israels.
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Antisemitismus
Antisemitische Vorfälle folgen Mustern

Ein neuer Bericht analysiert den Antisemitismus an europäischen Hochschulen. Jüdische Studierende fühlen sich isoliert und entrechtet.

28.08.2025

Europäische Hochschulen sind "Arenen", "in denen antisemitische Rhetorik, Diskriminierung und sogar Gewalttaten an der Tagesordnung sind". Der Antisemitismus folgt transnationalen Mustern. Das ist das Ergebnis eines Berichts, der die Lage an Hochschulen in neun europäischen Ländern verglichen hat. Er wurde am Dienstag von der jüdischen Interessensvertretung B'nai B'rith International, der European Union of Jewish Students und dem Verein democ veröffentlicht. Neben Hochschulen in Deutschland werden weitere in Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Österreich, Spanien und Schweden auf Antisemitismus hin analysiert und in Länderstudien präsentiert. Der Bericht möchte einen Austausch darüber ermöglichen, wie die Rechte von jüdischen Studierenden gewahrt und gleichzeitig die Prinzipien der Wissenschaftsfreiheit und des respektvollen Austauschs aufrechterhalten werden können.

Antisemitismus habe an den Hochschulen in Europa im Anschluss an den terroristischen Angriff der Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023 deutlich zugenommen und würde immer mehr normalisiert, so der Bericht. Auch wenn Hochschulen eigentlich Umgebungen seien, in denen intellektuelle Erforschung im Fokus stünde, herrschten in ihnen zunehmend antisemitische Rhetorik, Diskriminierung und sogar Gewalttaten. Dies liege an der Präsenz von radikalen Studierendengruppen an den Hochschulen und der Übernahme von Protestformen aus den USA. In der Folge verbreiteten sich einseitige Perspektiven auf den Nah-Ost-Konflikt.

Antisemitische Vorfälle an den Hochschulen gleichen sich

Der Bericht stellt bei den antisemitischen Vorkommnissen in den verschiedenen Ländern transnationale Muster fest: Dazu gehöre die Normalisierung von antisemitischen Narrativen, unter dem " Deckmantel" von anti-kolonialistischen oder anti-imperialistischen Perspektiven oder als Bürgerrechtsnarrative vorgebracht würden. Dies geschehe bewusst, damit die antisemitischen Ansichten im akademischen Umfeld Akzeptanz fänden, so die Autorinnen und Autoren. Auch käme es oft zu Relativierungen des Holocausts. Die Protestaktionen folgten Mustern, dazu gehöre neben der Errichtung von Protestcamps auch mutwillige Zerstörungen. Beispielhaft genannt werden die Freie Universität Brüssel, die Humboldt Universität zu Berlin, die Linnaeus University in Schweden und diverse Hochschulen im Vereinigten Königreich.

Oft seien externe Aktivistinnen und Aktivisten an Campusprotesten beteiligt, etwa Gruppen, die der BDS-Bewegung angehören (Boycott, Divestment, Sanctions). Auch glichen sich die Reaktionen der Hochschulleitungen insofern, dass viele nur zögerlich reagierten. Zwar gebe es oft Regeln gegen Diskriminierung, diese würden aber durch die Hochschulleitungen nicht immer durchgesetzt. Die Leitungen seien überfordert, das verunsichere die jüdischen Studierenden. Kommilitoninnen und Kommilitonen nähmen ihre Erfahrungen mit Anfeindungen oft gleichgültig hin. Die Folgen für die jüdischen Studierenden seien erheblich: Sie fühlten sich auf dem Campus ängstlich, isoliert und entrechtet. Der Bericht urteilt, dass für jüdische Studierende und Forschende die Freiheit der Wissenschaft bedroht sei.

Zu Deutschland berichtet der Report von Vorfällen an zahlreichen Hochschulorten und erwähnt gesondert den Angriff auf Lahav Shapira.

Besonders heftig und häufig seien die Vorfälle an belgischen Hochschulen. An diesen herrsche eine Atmosphäre des radikalen Anti-Zionismus. Die Situation unterscheide sich von der in europäischen Nachbarländern. Zwei Hochschulen, die Freie Universität Brüssel und die Universität Gent gehörten zu den führenden europäischen Hochschulen, die für einen Boycott Israels werben würden.

Was Universitäten gegen Antisemitismus tun können

Gegen den herrschenden Antisemitismus empfiehlt der Bericht den Hochschulen, die Antisemitismus-Definition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) anzunehmen. Diese wird allerdings von verschiedenen Expertinnen und Experten als missbrauchsanfällig betrachtet. Außerdem sollten laut Bericht antisemitische Vorfälle als solche benannt und verurteilt werden. Jüdische Studierende benötigten klar bestimmte Ansprechpersonen bei antisemitischen Vorfällen. Die Hochschulleitungen müssten zudem das Vertrauen der jüdischen Studierenden zurückgewinnen, etwa indem sie gute Kontakte zu jüdischen Studierendengruppen pflegen.

Campusproteste sollten klaren Regeln unterliegen und das Sicherheitspersonal auf dem Campus sollte verstärkt werden. Die Lehrenden sollten darin geschult sein, im Seminarraum auftretende Spannungen zwischen Studierenden aufzulösen. Denn, so beschreibt es Katharina von Schnurbein, Koordinatorin der EU-Kommission zum Kampf gegen Antisemitismus und zur Förderung des Jüdischen Lebens, in ihrem Vorwort zum Bericht: "Debatten und hitzige Diskussionen, Protest und andere politische Manifestationen sind ein wichtiger Teil des Hochschullebens. Allerdings sollte Protest nie in Hass, Diskriminierung, Ausgrenzung oder gar Gewalt umschlagen."

cpy