Universität Gent
Arday-Kritiker Cofnas erwartet keine Entlassung mehr
Der US-Philosoph Nathan Cofnas rechnet nicht mehr damit, dass die Universität Gent ihn entlässt. Das hat der im Projekt "The Future of Liberalism" tätige Postdoktorand am Abend des 27. August auf der Plattform "X" mitgeteilt. Der US-amerikanische Botschafter in Belgien, Bill White, kommentierte: Die Universität habe Cofnas Suspendierung aufgehoben. Von der Universität Gent wurde diese Darstellung bisher nicht bestätigt.
Zuletzt hatte die Universität mitgeteilt, mit dem US-Botschafter in Belgien zum Fall Cofnas im Austausch zu stehen. Demnach habe sie White über das anhängige Disziplinarverfahren unterrichtet und über die bereits ergriffenen Maßnahmen informiert, während der Botschafter seine Aussagen auf der Plattform "X" näher erläutert habe. Dort hatte White am 21. August das Verhalten der Universität gegenüber dem amerikanischen Wissenschaftler verurteilt und angekündigt, dass die US-Regierung ihre Beziehungen zur Hochschule überprüfe. Cofnas habe mit seinem Newsletter, in dem er dem inzwischen zurückgetretenen und verstorbenen Cambridge-Professor Jason Arday Plagiate in der Doktorarbeit und Unstimmigkeiten im Lebenslauf vorhielt, lediglich versucht, Lügen zu enttarnen.
Am 26. August hatte die Universität mitgeteilt, dass dem Postdoktoranden, der sich öffentlich zu Jason Arday geäußert hatte, für drei Monate eine Disziplinarmaßnahme auferlegt wurde. Er dürfe nur im Homeoffice arbeiten und vorerst keine Lehre ausüben. Forschungsarbeit im Rahmen seiner Tätigkeit an der Universität Gent dürfe er nur verfolgen, wenn es um Themen gehe, für die er angestellt wurde.
Disziplinarmaßnahmen gegen Cofnas finden Gegner und Unterstützer
Währenddessen haben über 950 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie die Universität dazu auffordern, Cofnas nicht dafür zu bestrafen, dass er Verstößen gegen die gute wissenschaftliche Praxis nachgehe. Es sei ein wesentlicher Bestandteil der Wissenschaftsfreiheit, die Forschung anderer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unabhängig von deren Position oder Status zu hinterfragen.
Gleichzeitig signalisierten über 4.000 weitere Forschende ihre Unterstützung der Maßnahmen, die die Universität Gent getroffen hat – ebenfalls in einem offenen Brief. Darin bestreiten sie, dass die Sanktionen aufgrund von Cofnas Veröffentlichung der Plagiatsvorwürfe erfolgt sei. Vielmehr sei es der ethische Verhaltenskodex der Hochschule, der eine Disziplinaruntersuchung rechtfertige, unter die beispielsweise die Verbreitung rassistischer Ideen falle. Die Unterzeichnenden werfen Cofnas vor, seine Anstellung an der Universität zu nutzen, um rassistischen Äußerungen im Rahmen seines Blogs und anderer nichtakademischer Formate den Anschein von Wissenschaftlichkeit zu geben. Dort behauptet er beispielsweise, schwarze Menschen würden in einer leistungsbasierten Gesellschaft keine Führungspositionen bekleiden.
Cofnas schon vor Arday-Kritik umstritten
In ihrem Brief zur Unterstützung der Universität Gent weisen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausdrücklich darauf hin, dass Cofnas schon vor seinen öffentlichen Äußerungen zu Arday in die Kritik geraten war. Bereits wenige Wochen nachdem er seine Arbeit als Postdoktorand aufgenommen hatte, versendeten die Mitglieder des Departments of Philosophy and Moral Sciences, an dem er tätig ist, ein 19-seitiges Statement an die Hochschulleitung, wie der Guardian am 27. August berichtete. Darin stellten die Mitarbeitenden die Eignung von Cofnas für die Position infrage. Er habe nur wenig Expertise in den zentralen Feldern seines Projekts und auch kein starkes Forschungsinteresse am Liberalismus, wie die Stellenausschreibung verlangt habe. Schon damals wurden Befürchtungen laut, seine Verbreitung rassistischer, pseudowissenschaftlicher Ideen könnten negative Auswirkungen haben.
Untersuchung von Todesumständen angekündigt
Vergangene Woche gab es auch bei der Aufarbeitung von Jason Ardays Tod neue Entwicklungen: Eine Untersuchung der Umstände seines Todes wurde eingeleitet, sagte ein Gerichtsmediziner bei einer Anhörung in London am 26. August, wie der Guardian noch am gleichen Tag berichtet hat. Die Metropolitan Police habe den Tod Ardays zwar nicht als verdächtig eingestuft, aber die Umstände machten eine Untersuchung notwendig. Der Soziologe war am 14. August tot in London aufgefunden worden, nachdem er wenige Tage zuvor in Folge von Plagiatsvorwürfen und Zweifeln an seinem Lebenslauf als Cambridge-Professor zurückgetreten war. Vorausgegangen war eine wochenlange intensive mediale Berichterstattung.
Studierende, Angestellte und Alumni der Universität Cambridge haben am 24. August in einem Offenen Brief den Rücktritt von Vizekanzlerin Professorin Deborah Prentice sowie eine Untersuchung des Umgangs der Universitätsleitung mit Arday gefordert. Laut "Good Law Project", der gemeinnützigen Organisation, die den Brief veröffentlicht hat, haben sich bis zum 3. September knapp 8.000 Menschen mit ihrer Unterschrift den 65 Initiatoren angeschlossen.
In ihrem Brief werfen sie Prentice vor, ihrer Verantwortung, Arday und andere marginalisierte Mitglieder der Hochschule zu schützen, nicht genügend nachgekommen zu sein. Dies habe zum Tod des ehemaligen Professors beigetragen. Sie hätte dem öffentlichen Druck nachgegeben und Arday im Stich gelassen. Die Unterzeichnenden fragen, welche Unterstützung Arday erhalten habe, nachdem er zurückgetreten war. Sie kritisieren, dass Prentice die rassistischen Untertöne der öffentlichen Debatte nicht benannt habe. "Stattdessen haben ihre Stellungnahmen die rassistisch motivierte Kampagne gegen Arday weiter befeuert", schreiben die Studierenden. Warnungen aus Ardays Umfeld, dass er besonderen Schutz benötige, habe die Hochschule ignoriert.
aktualisiert am 03.09.2026 um 12.46 Uhr [Ergänzung der letzten beiden Absätze], zuerst veröffentlicht am 31.08.2026
cpy/hae