Syrien
Chancen des akademischen Wiederaufbaus in Syrien
"Die Zeit für einen Anfang ist jetzt", betont der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) in seinem Impulspapier Wiederaufbau des Hochschulwesens in Syrien. Die Organisation hat es am Montag veröffentlicht. Trotz der noch fragilen Sicherheitslage im Land sei es wichtig, "Perspektiven für den Wiederaufbau des vom Bürgerkrieg schwer gezeichneten Landes aufzuzeigen, die auch unter den aktuellen Bedingungen denkbar sind", so DAAD-Präsident Professor Joybrato Mukherjee. Hochschulen seien in Postkonfliktstaaten Orte der Begegnung. Ihnen komme eine herausragende Rolle für die gesamtgesellschaftliche Versöhnung zu. "Die Stabilisierung und der Wiederaufbau Syriens beginnen damit auch im Hörsaal", sagte Mukherjee weiter.
Chancen und Herausforderungen des syrischen Hochschulsystems
Das Impulspapier analysiert zunächst die Lage des syrischen Hochschulbereichs: Die Ressourcen seien knapp und die Infrastruktur teilweise zerstört. Als zentrales Problem wird aber der Mangel an qualifiziertem Personal beschrieben. Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer seien in dem über zehn Jahre andauernden Bürgerkrieg nicht nur ins Ausland abgewandert, sondern auch in die private Wirtschaft gewechselt. Lehrpläne und Studiengänge seien in den vergangenen Jahren nicht adäquat erneuert worden.
Positiv bewertet das DAAD-Papier, dass Bildung und Hochschulbildung in der syrischen Gesellschaft ein hohes Ansehen hätten, dass mehrere Hochschulen bereits oder immer noch arbeitsfähig seien und es eine engagierte akademische Diaspora gebe, die sich in den Wiederaufbau des Hochschulsystems einbringen wolle.
Zu dieser syrischen Diaspora, die auch in Deutschland vertreten ist, betont Dr. Christian Hülshörster, Leiter des Bereichs Stipendien Südliche Hemisphäre im DAAD-Interview, dass sich mit ihnen "gut an die traditionsreiche Zusammenarbeit mit Syrien anschließen" lasse. Syrien sei "vor dem Ausbruch des Bürgerkriegs im Jahr 2011 ein ganz wichtiger Partner für Deutschlands wissenschaftlichen Austausch" gewesen. Die syrische Hochschullandschaft habe für bemerkenswerte wissenschaftliche Qualität gestanden. Er warnt: "Wenn Deutschland diese Chancen nicht nutzt, werden andere Staaten sich umso mehr engagieren."
DAAD drängt auf internationales Bemühen um Wiederaufbau
Das Impulspapier skizziert Ansätze für ein international abgestimmtes Engagement für den Wiederaufbau des syrischen Hochschulbereichs. Es stellt kurz-, mittel- und langfristige Handlungsmöglichkeiten auf zwei Ebenen vor: die gezielte Qualifizierung und Vernetzung von Studierenden, Lehrenden und Hochschulpersonal einerseits sowie die Unterstützung eines schrittweisen Wiederaufbaus zukunftsfähiger Hochschulstrukturen andererseits.
"Der akademische Wiederaufbau Syriens ist eine Mammutaufgabe, die selbst unter günstigsten Rahmenbedingungen Jahre bis Jahrzehnte in Anspruch nehmen wird", heißt es im Papier. Die "enormen Kosten für diese Aufgabe" müssten "in einer konzertierten Aktion von nationalen und internationalen Akteuren" getragen werden. Der DAAD und seine Mitgliedshochschulen seien bereit, sich mit ihren Fähigkeiten und Ressourcen einzubringen.
Mit Unterstützung des Auswärtigen Amts startet der DAAD laut Mitteilung erste eigene Maßnahmen. Geplant seien unter anderem Förderangebote zur individuellen Qualifikation und Vernetzung syrischer Hochschullehrender sowie die Anbahnung von Kooperationen. Ebenso kündigt der DAAD Fortbildungsangebote zur Erneuerung der Hochschulcurricula und zum Wissenschafts- und Hochschulmanagement an. Die Umsetzung der Maßnahmen sei allerdings vom Ende der aktuellen Kämpfe in der Region abhängig.
cpy