Studierende sitzen in einer schriftlichen Prüfung
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Standpunkt
Deutschland braucht ein gemeinsames Kernabitur

Die Planungen zum Nationalen Bildungsrat haken am altbekannten Bund-Länder-Gezänk. Dabei brauchen Lehrer und Schüler dringend Verbindlichkeit.

Von Ludger Wössmann 04.12.2018

In ihrer letzten Sitzung hat die Kultusministerkonferenz einen Reformplan verabschiedet, der zu größerer Vergleichbarkeit in der Schulpolitik der Bundesländer führen soll. Auch im Koalitionsvertrag der Bundesregierung steht die Forderung nach mehr Transparenz, Qualität und Vergleichbarkeit ganz oben im Bildungskapitel.

Nun haken die Planungen zum Nationalen Bildungsrat am altbekannten Bund-Länder-Gezänk. Zudem umfasst der Themenkatalog der Kultusministerkonferenz neben einer einheitlichen Bildungsstatistik vor allem viel unverbindlich Klingendes zur Harmonisierung von Standards und Lehrerbildung. Allerdings scheint das Ziel in einem neuen Staatsvertrag der Länder zu bestehen, was sehr zu begrüßen wäre.

Wenn ein neuer Staatsvertrag zur Bildung kommt, dann muss er ein gemeinsames Kernabitur enthalten. Nur wenn einheitliche Prüfungen das Erlernte deutschlandweit überprüfen, wird aus der Unverbindlichkeit von Standards ein unausweichliches Ziel, auf das sich Lehrer und Schüler in allen Bundesländern vorbereiten müssen. Umfangreiche Forschung belegt, dass zentrale Abschlussprüfungen zu besseren Schülerleistungen führen.

Nationale Bildungsstandards

Wie das konkret aussehen könnte, hat der Aktionsrat Bildung schon vor einigen Jahren ausbuchstabiert. Im Zentrum steht ein gemeinsam durchgeführter Prüfungsbestandteil in den Kernfächern Mathematik, Deutsch und Englisch auf der Basis der bereits geltenden nationalen Bildungsstandards.

Diese länderübergreifende Abiturkomponente würde 30 Prozent der Abschlussprüfung und damit zehn Prozent der Abiturnote ausmachen. Ein solches Konzept ließe sich leicht in das bestehende System der Abiturprüfungen einbinden und würde den Ländern ein hohes Maß an Flexibilität bewahren. Zugleich würde es zur Sicherstellung der nationalen Bildungsstandards beitragen, zu bundesweit hinreichender Studierfähigkeit und zu einem fairen Hochschulzugang.

Die Bundesländer haben sich mit kleinen Schritten auf den Weg gemacht. Letztes Jahr haben fast alle Länder ihre Mathematik-Abiturprüfungen am selben Tag durchgeführt, mit standardbasierten Prüfungsaufgaben aus einem gemeinsamen Aufgabenpool. Die gewonnenen Erfahrungen sollten zu einem echten gemeinsamen Kernabitur mit denselben Prüfungsaufgaben an einheitlichen Prüfungstagen in ganz Deutschland weiterentwickelt werden, das in einem Staatsvertrag festgeschrieben wird.

Wie sehr die Bevölkerung das will, zeigt sich im aktuellen ifo Bildungsbarometer. Eine überaus große Mehrheit von 90 Prozent der Deutschen spricht sich für deutschlandweit einheitliche Abiturprüfungen aus. Solche Zustimmungsraten gibt es zu keiner anderen bildungspolitischen Maßnahme. Ähnlich hoch sind sie nur für bundesweite Prüfungen in den anderen Schulabschlüssen. Die wären ein weiterer sinnvoller Schritt für mehr Vergleichbarkeit im deutschen Bildungssystem.