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PISA-Studie 2025
Ein Fünftel der Jugendlichen ohne ausreichende Basiskompetenzen

Die Kompetenzwerte von Schülerinnen und Schülern sinken in Deutschland und anderen OECD-Staaten. Frühe Sprachförderung soll den Negativtrend umkehren.

08.09.2026

Die Lese- und Mathematikkompetenzen von Schülerinnen und Schüler sind in Deutschland auf einen neuen Tiefstwert gesunken. Das hat die PISA-Studie 2025 ergeben, die am 8. September im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt wurde. Präsentiert wurden die Ergebnisse von Dr. Francesco Avvisati von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und Professor Samuel Greiff, Leiter des PISA National Center an der Technischen Universität München (TUM). Anwesend waren zudem Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) und Anna Stolz (Freie Wähler), Präsidentin der Bildungsministerkonferenz (BMK) und Bayerische Staatsministerin für Unterricht und Kultus.

Greiff erklärte, dass Schülerinnen und Schüler in Deutschland beim Lesen sowie in Mathematik und Naturwissenschaften so schlechte Ergebnisse wie noch nie seit Beginn der PISA-Erhebungen im Jahr 2000 erzielten. Erreicht werde in allen drei Bereichen nur noch das Durchschnittsniveau der OECD-Staaten. Bemerkenswert sei der zu erkennende Trend: "Nach einer Phase der deutlichen Verbesserung beobachten wir seit rund zehn Jahren einen kontinuierlichen Kompetenzrückgang, der sich auch in PISA 2025 weiter fortsetzt", so Greiff.

Jugendliche haben Schwierigkeiten, Basiskompetenzen zu erwerben

Durchschnittlich erreichten 15-Jährige an deutschen Schulen laut Studie in den Naturwissenschaften 486 Punkte. Seit dem Jahr 2006 (516 Punkte) ist der Wert kontinuierlich gesunken. Ähnliches ist im Bereich Lesen zu erkennen. Hier verzeichnet die PISA-Studie für 2025 nur noch durchschnittlich 465 Punkte im Vergleich zu 508 Punkten im Jahr 2012 und 495 Punkten in 2006. Bei den mathematischen Kompetenzen erreichten Jugendliche in Deutschland noch 464 Punkte, während es 2012 noch 514 und im Jahr 2006 504 gewesen waren.

Als besonders besorgniserregend bezeichnete es Greiff, dass ein wachsender Anteil an jungen Menschen nicht einmal Basiskompetenzen erreiche. In Naturwissenschaften handele es sich um ein Viertel der Jugendlichen, in Lesen und Mathematik um ein Drittel. Etwa ein Fünftel erwerbe auf keinem der Gebiete ausreichende Basiskompetenzen. Die Betroffenen hätten große Schwierigkeiten, etwa aus kurzen Texten einfachen Informationen zu erfassen oder alltagsnahe Prozentrechnungen durchzuführen.

"Die negativen Entwicklungen betreffen aktuell leider das gesamte Leistungsspektrum."

Professor Samuel Greiff

Auch der Anteil besonders kompetenzstarker Schülerinnen und Schüler gehe in Lesen und Mathematik zurück, sagte Greiff. Laut Pressemitteilung des Zentrums für internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB), das die PISA-Studie in Deutschland veröffentlicht, erreichen noch neun Prozent der 15-Jährigen in Deutschland eine der höchsten beiden Kompetenzstufen in den Naturwissenschaften. 2015 waren es noch elf Prozent. In der Mathematik war ein Rückgang von 13 auf acht Prozent zu verzeichnen und beim Lesen von zwölf auf sieben Prozent. Nur drei Prozent der Jugendlichen erreichten die höchsten Stufen in allen drei Fähigkeitsbereichen. "Die negativen Entwicklungen betreffen aktuell leider das gesamte Leistungsspektrum", fasste Greiff zusammen.

Avvisati gab zu bedenken, dass immer weniger junge Menschen angegeben hätten, wissen zu wollen, wie Dinge funktionieren. Zudem räumten deutlich mehr Jugendliche ein, dass sie Dinge, die sie beginnen, nicht beenden. "Eine solche Entwicklung sollte uns ebenso beunruhigen wie die verlorenen Punktzahlen, denn letztlich geht es darum, das Engagement junger Leute für die Schule und fürs Lernen zurückzugewinnen."

"Eine solche Entwicklung sollte uns ebenso beunruhigen wie die verlorenen Punktzahlen."

Dr. Francesco Avvisati

Einfluss des sozioökonomischen Status in Deutschland besonders stark

Die PISA-Studie widmet sich neben der Erfassung der Leistungen von Schülerinnen und Schülern auch den äußeren Umständen, die den Bildungserfolg beeinflussen. In Deutschland hingen die Kompetenzen von Jugendlichen maßgeblich vom sozialen Status ihrer Familien ab, erklärte Greiff. Die Unterschiede fielen hier 2025 noch deutlicher aus als in früheren Erhebungen und sei auch im internationalen Vergleich signifikant. Der soziale Hintergrund präge den Bildungserfolg in Deutschland etwa dreimal so stark wie in Kanada.

Nur etwa zwei Prozent der jungen Menschen aus sozial benachteiligten Familien erreichten hohe Kompetenzen. Greiff betonte weiter, dass der soziale Status auch bei der Berücksichtigung anderer Aspekte, wie beispielsweise Migrationshintergrund oder Geschlecht, der "mit Abstand entscheidende Faktor" des Bildungserfolgs bleibe.

Greiff fordert gezielten Einsatz der Ressourcen

Als positives Zeichen wertete Greiff den Umstand, dass sich drei Viertel der Jugendlichen in ihren Schulen wohl fühlten und diese damit ein sozial wichtiger Ort blieben. Auch das grundsätzliche Interesse an Naturwissenschaften habe zugenommen. "Das heißt, wir verfügen über Potentiale im deutschen Bildungssystem, an die wir anknüpfen können", sagte der Leiter des PISA National Center.

"Wir verfügen über Potentiale, an die wir anknüpfen können."

Professor Samuel Greiff

Um die negative Entwicklung umzukehren, brauche es zusätzliche und konsequente Maßnahmen, betonte Greiff. Beispielsweise müsste die Lernentwicklung von Kindern möglichst früh erfasst und mit verbindlicher Förderung verknüpft werden. Zudem sollten Schulen, die vor besonders großen Herausforderungen stehen, gezielt unterstützt werden. Die Qualität von Unterricht und Schule müsste datengestützt weiterentwickelt werden, damit Entscheidungen evidenzbasiert getroffen werden können.

Bildungsministerin Prien betonte, dass gegen die negative Entwicklung eine langfristige Anstrengung auf allen staatlichen Ebenen notwendig sei. Bildung müsse – auch innerhalb der Familie – einen deutlich höheren Stellenwert eingeräumt bekommen. Es gehe neben Wettbewerbsfähigkeit und Fachkräfteausbildung auch um Grundfragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Man müsse sich große Sorgen um die Kritik- und Beurteilungskompetenz junger Menschen machen, die nicht richtig lesen lernen. Wie Greiff sieht Prien in der frühen sprachlichen Förderung den Schlüssel zu einer besseren Unterstützung von Kindern und Jugendlichen. Zur qualitativen Verbesserung des Unterrichts forderte Prien die Schulen und Hochschulen zu einer engeren, praxisrelevanten Zusammenarbeit auf. Mit dem Recht auf Ganztagsförderung müsse eine stärker bildungsorientierte Betreuung einhergehen – auch für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler.

Stolz kündigte an, dass die BMK die Ergebnisse der PISA-Studie analysieren und ihre Ergebnisse im Dezember vorstellen wolle. Aktuell werde mithilfe einer Roadmap an sieben Handlungsfeldern gearbeitet, darunter die datengestützte Unterrichtsentwicklung, Lernvoraussetzungen oder Lehrkräftebildung.

Politik und Bildungssektor reagieren nicht überrascht

Wie Prien und Stolz zeigte sich auch Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Dorit Stenke (CDU) von den Ergebnissen der neuen Studie nicht überrascht. Sie seien Ausdruck einer Gesellschaft, die zunehmend unter Druck stehe, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur (dpa). "Dazu zählen die psychischen Belastungen infolge multipler Krisen, die Heterogenität der Schülerschaft und eine veränderte Mediennutzung der Schülerinnen und Schüler", erklärte sie. Brandenburgs Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) forderte gegenüber der dpa, sich genauer anzuschauen, wo Schülerinnen und Schüler Unterstützung brauchen. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass Verbesserungen Zeit benötigten: "Viele unserer Maßnahmen setzen bewusst früh an und werden ihre volle Wirkung erst über mehrere Jahre entfalten." Die stellvertretende Vorsitzende der der SPD-Bundestagsfraktion, Dagmar Schmidt, forderte laut einen Bildungsgipfel von Bund Ländern und Kommunen.

Der Deutsche Philologenverband (DPhV) warnte vor pauschaler Kritik am Bildungssystem und forderte, den Blick auf die Voraussetzungen guter Bildung zu richten. Es brauche eine konsequente vorschulische Diagnose, die sprachliche Förderung von Kindern und eine nachhaltige Stärkung von Lehrkräften. Die DPhV-Bundesvorsitzende, Professorin Susanne Lin-Klitzing sagte: "Wer mehr Chancengerechtigkeit will, muss dafür sorgen, dass Kinder die deutsche Sprache altersgemäß beherrschen, wenn sie eingeschult werden. Und wer bessere Leistungen will, muss lesestarke Kinder besser fördern und zugleich in gut ausgebildete, fachqualifizierte Lehrkräfte investieren, statt sie immer mehr mit unterrichtsfernen Aufgaben zu belasten oder ihre Ausbildung stetig weiter zu verkürzen."

hae