Brand in Forschungsinstitut
Feuer verzögert internationales Forschungsvorhaben
Eine große Rauchsäule und zahlreiche Einsatzkräfte: Ein Feuer auf dem Gelände einer Darmstädter Forschungseinrichtung hat einen hohen Schaden angerichtet. Es brach am Donnerstagmorgen aus zunächst unbekannter Ursache aus, wie die Feuerwehr mitteilte. Nach Auskunft des hessischen Forschungsministers Timon Gremmels (SPD) wird der Brand zu Verzögerungen bei einem internationalen Forschungsvorhaben führen, das gerade auf dem Gelände gebaut wird.
Am Donnerstagabend war das Feuer beim GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung weitgehend gelöscht. Am Freitagmorgen waren nach Angaben der Feuerwehr noch Einsatzkräfte für Nachlöscharbeiten vor Ort. Unter anderem suchten sie nach möglichen Glutnestern.
Das Feuer betraf die Stromversorgung einer bereits bestehenden Anlage zur Teilchenbeschleunigung. Auf dem Gelände entsteht derzeit zudem eine neue Anlage, in die mehrere Milliarden Euro investiert werden. Der neue Beschleuniger soll helfen, Fragen etwa der Raumfahrt und der Medizin zu erforschen.
Probelauf für Milliarden-Projekt verschiebt sich
Der Termin für einen Probelauf des neuen Teilchenbeschleunigers, der für Dezember geplant sei, sei nach jetzigem Kenntnisstand nicht mehr zu halten, sagte Gremmels. Welche Auswirkungen das Feuer auf das Großprojekt in Gänze habe, müsse abgewartet werden. "Insofern ist das heute auch ein schwarzer Tag für den Forschungsstandort", sagte der Minister am Tag des Brands.
Im Landtag kündigte der Minister an, dass nach dem Ende der Löscharbeiten eine Taskforce eingesetzt würde, um herauszufinden, wo Hilfe nötig sei. Es sollen seinen Worten nach alle Anstrengungen unternommen werden, um das Gebäude möglichst schnell wieder aufzubauen.
Das Großprojekt um den neuen Teilchenbeschleuniger solle höchstens zeitlich etwas verzögert werden. Bisherigen Angaben nach sollte Ende 2027 mit ersten Experimenten begonnen und Ende 2028 auch mit dem neuen 1,1 Kilometer langen Beschleunigerring geforscht werden.
Der neue Teilchenbeschleuniger trägt den Namen "Fair" (Facility for Antiproton and Ion Research; Anlage zur Forschung mit Antiprotonen und Ionen). Es handelt sich um ein internationales Kooperationsprojekt. 2024 war der Kostenrahmen mit rund 3,3 Milliarden Euro angegeben worden.
Brandursache wohl ein Kurzschluss
Über den Brandort und die Auswirkungen des Feuers hatte es zunächst unterschiedliche Angaben gegeben. Nach Angaben eines Sprechers des Forschungszentrums ist das Feuer von einem Kurzschluss ausgelöst worden. Betroffen sei die bereits bestehende Anlage zur Teilchenbeschleunigung.
Der Kurzschluss sei bei der Vorbereitung auf ein Hochfahren der Anlage in deren Hochspannungsversorgung aufgetreten. Zu Schäden konnte der Sprecher keine Angaben machen. Die neue Anlage sei nicht betroffen.
"Dramatische Situation" für das Forschungszentrum
Verletzt wurde bei dem Feuer niemand, wie die Feuerwehr mitteilte. Die Feuerwehr sprach allerdings von einem erheblichen Sachschaden.
Eine Sprecherin des Forschungszentrums sprach von einer dramatischen Situation. Zum Ausmaß des Schadens gebe es noch keine Angaben. Der Werkschutz habe das Gelände geräumt. Die Mitarbeitenden hätten den Ort verlassen.
Die Bevölkerung wurde in einem größeren Umkreis vor Brandgasen gewarnt. Man solle Fenster und Türen geschlossen halten und Lüftungs- und Klimaanlagen abstellen.
Feuerwehr misst keine Gefahrstoffe in der Luft
"Es handelt sich um einen großen Brand, der eben entsprechend auch Rauchgas freigesetzt hat", sagte Christian Wagner von der Feuerwehr Darmstadt. Daher habe es einen großen Messeinsatz gegeben, um nachzuweisen, dass keine Gefahrstoffe in die Umwelt freigesetzt wurden. Laut Feuerwehr seien zunächst keine Gefahrstoffe nachgewiesen worden.
Die Warnungen vor Geruchsbelästigung galten unter anderem auch für das fast 30 Kilometer entfernte Frankfurt sowie den Flughafen. Einsatzkräfte aus Darmstadt und den benachbarten Landkreisen waren im Einsatz, auch mehrere Werkfeuerwehren. Insgesamt sprach Wagner von 160 Einsatzkräften. Damit habe es sich um einen der größten Einsätze gehandelt, den sie in den vergangenen Jahren zu bearbeiten hatten.
aktualisiert am 06.02.2026 um 10:30 Uhr [Ergänzung: Brand gelöscht und Minister Gremmels kündigt Unterstützung an], zuerst veröffentlich am 05.02.2026
dpa/cpy