TU Berlin
Hauptgebäude der Universität muss schließen
Am 9. Mai musste das Hauptgebäude der Technischen Universität (TU) Berlin aus Sicherheitsgründen vollständig schließen. Eine Begehung durch Bauaufsicht und Feuerwehr habe ergeben, dass erhebliche bauliche Mängel bestehen, teilt die Universität auf ihrer Website mit. TU-Präsidentin Professorin Fatma Deniz betont in diesem Zusammenhang: "Die Universität arbeitet mit Hochdruck daran, den Lehr-, Forschungs- und Verwaltungsbetrieb bestmöglich aufrechtzuerhalten und tragfähige Lösungen für die kommenden Wochen zu entwickeln." Am 11. Mai hatten Mitarbeitende und Studierende die Möglichkeit, Gegenstände aus dem Gebäude zu holen. Betroffene wurden zudem zu einer digitalen Informationsveranstaltung eingeladen.
In einer Videobotschaft nannte Deniz die Schließung des Hauptgebäudes einen "sehr einschneidenden Schritt. Ihr sei bewusst, dass die Situation mit großen Unsicherheiten und erheblichen Einschränkungen verbunden sei. Die festgestellten Baumängel müssten jedoch detailliert geprüft werden. Dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) berichtete die TU-Präsidentin am 8. Mai, dass es unter anderem um Wasserschäden gehe, die Brandschutz- und Stromsysteme beeinträchtigten. Dabei handelt es sich nach übereinstimmenden Medienberichten unter anderem um ein undichtes Rohr über einem Sicherungskasten der Notstromversorgung. Demnach müssen etwa 350 Lehrveranstaltungen verlegt werden – entweder in den digitalen Raum oder in andere Räumlichkeiten zu Randzeiten am Morgen beziehungsweise Abend.
Wachsender Konflikt zwischen Hochschulen und Politik
Die Berliner Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra (SPD) bezeichnete die Schließung des TU-Hauptgebäudes mitten im Semester gegenüber dem rbb am 8. Mai als "mittlere Katastrophe". Die vielen kleineren und größeren Baumängel an der TU müssten nun strukturell aufgearbeitet werden. Die Universität habe die Unterstützung des Senats. "Die TU hat dafür auch Geld", sagte die Senatorin. Sie verwies in diesem Zusammenhang auf die Gründung der Berliner Hochschulbaugesellschaft, die Mängel strukturiert aufarbeiten und einen Sanierungsplan für die Hochschulen des Bundeslands erarbeiten soll.
Professor Günter Ziegler, Präsident der Freien Universität (FU) Berlin und Sprecher des Berliner Exzellenzverbunds, hob gegenüber dem Tagesspiegel die Verantwortung der Politik hervor. Die Schließung des TU-Hauptgebäudes müsse ein "finaler Weckruf sein, den Sanierungsstau der letzten 30 Jahre endlich ernsthaft anzugehen". Die geplante Baugesellschaft hält er demnach jedoch nicht für geeignet, die Situation zu lösen, da mit Sanierungen nach den jetzigen Plänen erst Mitte der 2030er-Jahre gerechnet werden könne. Er plädierte für einen Schulterschluss der Hochschulen. Die FU habe der TU schon Unterstützung angeboten. "Wir müssen zeigen, dass wir mit solchen Schlägen umgehen können", sagte Ziegler dem Tagesspiegel.
Kritik an den kürzlich beschlossenen finanziellen Kürzungen wies Czyborra gegenüber dem Tagesspiegel zurück. Diese hätten mit der aktuellen Situation nichts zu tun. Für die Schließung des Gebäudes sei die TU selbst verantwortlich. Sie warf der Universität vor, entgegen ihrer Anweisung eine große Gesamtsanierung vornehmen zu wollen, statt kleine Reparaturen umzusetzen.
Der ehemalige TU-Präsident Professor Jörg Steinbach äußerte auf LinkedIn ebenfalls Kritik an der Berliner Hochschulpolitik und suchte den Schulterschluss mit Ziegler. Eine zentrale Baugesellschaft sei keine Lösung für die bestehenden Schwierigkeiten. "Im Gegenteil, die Bürokratie behindert noch zusätzlich die Lösung der anstehenden Probleme." Statt einer abwiegelnden Haltung bedürfe es "einer Hauruckaktion, die den Betrieb der TU in kürzester Zeit wiederherstellt".
Berlins regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat laut Medienberichten für diese Woche ein Gespräch mit Czyborra angekündigt.
Deutscher Hochschulverband kritisiert Sanierungsstau
Am 12. Mai äußerte der Deutsche Hochschulverband (DHV) deutliche Kritik am politischen Umgang mit der Schließung des TU-Hauptgebäudes. DHV-Präsident Professor Lambert T. Koch sagte: "Das ist ein peinliches Schauspiel, das vor allem an der bitteren Realität vor Ort vorbeigeht und keinem hilft." Wer den Universitäten die Handlungsfähigkeit abspreche, während sie das Dach über dem Kopf verlören, habe den Ernst der Lage verkannt.
Koch lenkte den Blick zudem über Berlin hinaus. Vielerorts würden Hochschulen auf Verschleiß gefahren, so dass die Probleme durch weiteres Zuwarten wachsen, erklärte er. Entschlossenes Handeln sei zwingend erforderlich, um den bundesweiten Sanierungsbedarf von etwa 140 Milliarden Euro zu stemmen. Es sei höchste Zeit, "dass Bund und Länder den Erhalt der wissenschaftlichen Infrastruktur als prioritäre Aufgabe für Wohlstand und Innovation unseres Landes wahrnehmen. Sonst machen bald auch andernorts weitere Hochschulgebäude dicht", betonte der DHV-Präsident.
aktualisiert am 12. Mai um 12:48 Uhr [Ergänzung DHV-Kritik an Sanierungsstau]; erstmals veröffentlicht am 11. Mai
hae