Umfrage Stifterverband
Hochschulen als zentraler Einwanderungsweg für Fachkräfte
Internationale Absolventinnen und Absolventen eines MINT-Studiums an einer deutschen Hochschule finden dreimal schneller einen Job, integrieren sich leichter und bleiben tendenziell länger hier als Personen, die direkt zur Jobsuche nach Deutschland kommen. Das ist das Ergebnis der Studie "Zwischen Abschluss und Anschluss – Internationals Employability Framework", welche auf einer Umfrage basiert. Am 11. Mai stellt der Stifterverband das Diskussionspapier online vor.
Die Studie beschäftigt sich damit, wie Zuwanderung über die Hochschule Berufseintritt und Verbleib von internationalen Fachkräften im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) stärkt. Herausgegeben wird das Framework gemeinsam vom Stifterverband und der DEGIS – Deutsche Gesellschaft internationaler Studierender im Rahmen der Zukunftsmission Bildung.
Nach Studium in Deutschland höhere Jobchancen hierzulande
Ein Arbeitsplatz wirkt als ein entscheidender Bleibefaktor, stellt der Stifterverband in seiner Pressemitteilung fest. Studierende und Arbeitssuchende aus dem Ausland, die ursprünglich nur vorübergehend hätten bleiben wollten, würden sich bei erfolgreicher Jobsuche um 60 Prozent häufiger für einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland entscheiden als Personen ohne Job. Gingen sie zurück in ihre Heimat, liege dies mehrheitlich an Visa-Schwierigkeiten und an gesellschaftlicher Isolation.
In der Studie werden auch bestimmte Erfolgsfaktoren definiert, die den Eintritt für internationale Expertinnen und Experten in den deutschen Arbeitsmarkt erleichtern. Einfacher als bereits ausgebildete Arbeitssuchende hätten es internationale Fachkräfte, die schon in Deutschland studiert haben. Internationale Absolventinnen und Absolventen deutscher Hochschulen hätten bereits während der Studienzeit ihre interkulturellen Kompetenzen ausgebaut und die deutsche Sprache erlernt. Inhalte des Studiums, erste Kontakte in Unternehmen etwa durch Praktika und ein deutscher Studienabschluss könnten darüber hinaus förderlich für die Jobsuche sein. Wer in Deutschland studiert hat, sei außerdem besser integriert und habe ein soziales Netzwerk. Diese Faktoren erleichterten die berufliche Integration sowie die Zufriedenheit.
Die Folge sei, dass sich die Wahrscheinlichkeit erhöhe, im Land bleiben zu wollen. "Deutschkenntnisse, Selbstwirksamkeit, Studienerfolg sowie Kontaktpunkte in die Praxis während des Studiums sind entscheidend, um bei der Jobsuche erfolgreich zu sein", bringt es das Diskussionspapier auf den Punkt.
Internationale Fachkräfte könnten Lücke schließen
Der demografische Wandel und der technologische Fortschritt verschärfen den Fachkräftemangel in Deutschland, erläutert der Stifterverband in seiner Pressemitteilung. Weniger Arbeitskräfte träfen auf einen steigenden Bedarf, besonders an qualifizierten Spezialistinnen und Spezialisten im MINT-Bereich. Im Diskussionspapier wird das Problem an konkreten Zahlen verdeutlicht: "Aktuell ist fast ein Viertel der Beschäftigten in MINT-Berufen, insgesamt rund 1,85 Millionen, älter als 55 Jahre und wird perspektivisch in den nächsten 10 Jahren den Arbeitsmarkt verlassen."
"Um die Innovationskraft in Deutschland zu stärken, muss die Fachkräftezuwanderung über die Hochschulen gestärkt werden."
Andrea Frank, stellvertretende Generalsekretärin des Stifterverbands
Andrea Frank, stellvertretende Generalsekretärin des Stifterverbands, erklärt: "Mehr als die Hälfte der internationalen Studierenden an deutschen Hochschulen belegt ein MINT-Fach." Diese Absolventinnen und Absolventen gelte es, für den deutschen Arbeitsmarkt zu gewinnen. "Um die Innovationskraft in Deutschland zu stärken, muss die Fachkräftezuwanderung über die Hochschulen gestärkt werden", fordert Frank.
Dafür hat das Autorenteam im Framework zentrale Handlungsempfehlungen formuliert:
- Ein erster Schritt wäre die bessere Verzahnung von Hochschulen mit Programmen wie "Make it in Germany" – dem Portal der Bundesregierung für Fachkräfteeinwanderung aus dem Ausland.
- Hochschulen sollten praxisorientierte Inhalte mit Unternehmen curricular verankern und Career-Service-Angebote stärken. So könnten studienrelevante Nebenjobs vermittelt oder Kooperationen mit Unternehmen für erfolgreiche Abschlussarbeiten gefördert werden.
- Durch extra-curriculare Angebote für internationale und deutsche Studierende könnten Hochschulen die soziale Vernetzung weiter ausbauen und den Erwerb der deutschen Sprache besser in den Hochschulbetrieb verankern.
"In den kommenden zehn Jahren geht ein Viertel der MINT-Fachkräfte in Rente. Das sind bis zu zwei Millionen Beschäftigte. Gleichzeitig erfordern neue Technologien immer mehr MINT-Fachkräfte. Diese klaffende Lücke ist mit den stagnierenden Nachwuchszahlen nicht zu schließen", sagt Frank zum Fachkräftemangel, den es zu bekämpfen gelte. Im Diskussionspapier heißt es dazu, dass die Zuwanderung von internationalen Studierenden und Fachkräften den demografisch bedingten strukturellen Wandel der MINT-Beschäftigten stabilisieren könne, wenn trotz wirtschaftlicher Schwächen jetzt in die Förderung von Internationals investiert würde.
cva