Ein einst pompöses Universitätsgebäude mit Säulengang liegt in Trümmern.
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Education Under Attack 2026
Höchststand der Angriffe auf Bildungseinrichtungen in Konfliktgebieten

Schulen und Universitäten werden angegriffen und von Konfliktparteien als Schutzunterkunft missbraucht. Dabei gab es 2024/2025 viele zivile Opfer.

15.06.2026

Die weltweiten Angriffe auf das Bildungswesen in Konfliktgebieten haben in den letzten beiden Jahren ein "beispielloses Ausmaß" angenommen. So geht es aus dem aktuellen Bericht Education Unter Attack 2026 hervor, der seit 2017 alle zwei Jahre von der Organisation "Global Coalition to Protect Education from Attack" (GCPEA) veröffentlicht wird. Deren Mitarbeitende haben dokumentiert, wie oft 2024/2025 Bildungseinrichtungen in den 28 untersuchten Konfliktregionen militärisch genutzt wurden. 

Die GCPEA hat mindestens 8.566 Angriffe auf das Bildungswesen verzeichnet. Dies entspricht einem Anstieg von mehr als 40 Prozent gegenüber dem Bericht zum letzten dokumentierten Zeitraum 2022 bis 2023. Als Gründe für die Erhöhung nennt die Organisation weltweit zunehmende Konflikte, eine "abnehmenden Zurückhaltung bei Gewaltanwendung" und "die Erosion globaler Normen" in mehreren Regionen. 

Bei den Angriffen in den Jahren 2024 und 2025 seien mindestens 10.600 Schülerinnen, Schüler, Studierende, Lehrkräfte, Hochschuldozierende und sonstiges Bildungspersonal zu Schaden gekommen. 

Hochschulen in Palästina und der Ukraine am häufigsten angegriffen 

Die GCPEA berichtet in ihrem Report von 377 Angriffen auf Hochschuleinrichtungen in 26 der 28 näher untersuchten Länder. Dazu gehörten Angriffe auf die Infrastruktur von Hochschulen wie der Drohnenangriff im Juli 2025 in der Ukraine, bei der erhebliche Schäden an der Nationalen Polytechnischen Universität Lwiw entstanden seien. 

"Das am stärksten von Angriffen auf Hochschuleinrichtungen betroffene Land war Palästina mit mehr als 29 gemeldeten Angriffen", heißt es im Report. Bis November 2025 seien praktisch alle Universitäten und Hochschulen von dem Konflikt betroffen gewesen. 95 Prozent der 206 begutachteten Hochschulgebäude seien durch Luftangriffe und Bodenoperationen entweder zerstört oder schwer beschädigt worden. 

Auch die Ukraine sei von Angriffen auf die Hochschulinfrastruktur stark betroffen gewesen. Dort seien im Untersuchungszeitraum mindestens 43 Angriffe gemeldet worden. Dies stelle einen leichten Anstieg gegenüber dem vorherigen Bericht von 39 Vorfällen in den Jahren 2022 und 2023 dar. Bei vielen dieser Angriffe seien Explosivwaffen, Luftangriffe oder Artilleriebeschuss zum Einsatz gekommen, so dass es Verletzte gegeben habe. 

Der Bericht führt zudem Angriffe auf Studierende und Hochschulangehörige im Zuge der Unterdrückung von Protesten mit Bildungsbezug oder solchen auf dem Campus auf. Bei all diesen Gewaltvorfällen seien weltweit mindestens 570 Hochschulmitglieder getötet, verletzt oder entführt, rund 2.380 inhaftiert oder festgenommen worden. 

Risikoindikatoren und Präventionsempfehlungen 

GCPEA habe mehrere potentielle Indikatoren für ein erhöhtes Risiko von Angriffen auf Bildungseinrichtungen identifiziert. Diese könnten zur Entwicklung von Frühwarnsystemen genutzt werden. Dazu gehörten bildungsfeindliche Ideologien, die diskriminierende Bereitstellung von Bildung durch Behörden, vertriebene und fliehende Lehrkräfte, ideologische Indoktrination im Bildungswesen, willkürliche Verhaftungen von Angehörigen der Bildungseinrichtungen oder eine restriktive Sprachpolitik. 

Im Bericht Education Under Attack 2026 wird betont, dass es die Pflicht der Staaten ist, das Bildungswesen vor Angriffen zu schützen und dies präventiv und nicht zur reaktiv zu verfolgen. Für diese Aufgabe seien Investitionen in und die Unterstützung von koordinierten, proaktiven Systemen zur Erkennung und Abwehr neu auftretender Risiken entscheidend. Bei der Entwicklung dieser Systeme müssten die am stärksten gefährdeten Personen und die Zivilgesellschaft einbezogen werden. Eine optimierte Datenerhebung über Gewalt könnte auch die Wirksamkeit von Interventionsmaßnahmen dokumentieren. 

Letztlich seien auch die Verbreitung und Verankerung globaler Normen sowie verfügbarer Rechenschaftsmechanismen für Opfer notwendig. Daneben müsse das vertrauliche Beschwerdeverfahren staatlich geschützt werden.

cva