Das Foto zeigt eine DNA-Sequenz unter der Lupe
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Jahrestagung des Deutschen Ethikrates Schäuble warnt vor zu großem Glauben an Perfektion der Technik

Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Deutschen Ethikrates wurde die Themenwahl der Politik kritisiert. Auch wurde Besonnenheit angemahnt.

28.06.2018

Die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Professorin Claudia Wiesemann, hat die Fokussierung vieler deutscher Politiker auf die Flüchtlingspolitik kritisiert. Wiesemann sagte im "Deutschlandfunk", ihr Gremium sei besorgt, dass deshalb wichtige Fragen der technologischen Zukunft "ganz und gar von der Politik verschlafen werden".

Konkret äußerte sich die Medizinethikerin von der Universität Göttingen unter anderem zu Möglichkeiten in der Biotechnologie, mit denen man in das menschliche Genom eingreifen könne. Zudem führte sie Informationstechnologien an, die Prognosen über Krankheitsverläufe mithilfe Künstlicher Intelligenz machten oder das Gehirn von Menschen beeinflussen könnten.

Der Deutsche Ethikrat berät bei seiner Jahrestagung darüber, wie sich Fortschritte in Gentechnik, Hirnforschung oder bei der Künstlichen Intelligenz auf das menschliche Zusammenleben auswirken. Bundestagspräsident Schäuble forderte laut "Deutschlandfunk" in seiner Eröffnungsrede, diese Fortschritte müssten sich an der Menschenwürde orientieren. Sie stehe über allem. Der CDU-Politiker warnte zudem vor zu großem Glauben in Perfektion durch Technik. Der Mensch sollte sich zur Unvollkommenheit bekennen. Schäuble ermunterte den Ethikrat, "den Finger in die Wunde zu legen".

Harari: Computer-Algorithmen könnten bald Kontrolle übernehmen

Der israelische Historiker Yuval Noah Harari nannte dem Deutschlandfunk zufolge in seinem Einführungsvortrag die Verschmelzung von Biotechnologie und Informationstechnik die "größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts". So entstehe die Möglichkeit, "den Menschen zu hacken". In einem Interview mit "Deutschlandfunk Kultur" warnte Harari, die Kontrolle des menschlichen Lebens könnte sich schon bald von den Menschen selbst hin zu Computer-Algorithmen verschieben.

Der Deutsche Ethikrat hat 26 Mitglieder aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen, die Bundestag und Bundesregierung in ethischen Fragen beraten. Zu seinen Aufgaben zählt das Gremium auch die Information der Öffentlichkeit und die Förderung von Diskussionen in der Gesellschaft. Der Ethikrat begeht in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen.

gri