Emblem der National Science Foundation
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USA
Trump entlässt Mitglieder des National Science Board

Ende April erhielten die Mitglieder des NSB die Mitteilung ihrer sofortigen Entlassung. Ehemalige NSF-Führungspersonen fordern baldige Neubenennungen.

27.04.2026

US-Präsident Donald Trump hat Mitglieder des National Science Board (NSB) von ihren Pflichten entbunden. Das berichteten übereinstimmend unter anderem Washington Post, New York Times, Forbes und Inside Higher Ed (IHE) am letzten Aprilwochenende. Demnach wurden die Betroffenen am 24. April per E-Mail darüber informiert, dass sie "mit sofortiger Wirkung" von ihrem Posten entlassen seien. Während zunächst unklar war, ob alle Vorstandsmitglieder betroffen sind, scheint dies nun bestätigt. Die Mitgliederliste des NSB auf der offiziellen Homepage ist bis auf den Vermerk "Neuernennungen ausstehend"  leer; das ursprünglich für den 5. Mai angesetzte Vorstandstreffen ist abgesagt. Laut Medienberichten hat ein Vertreter des Weißen Hauses mitgeteilt, dass die Befugnisse, die das NSB seit seiner Gründung innehat, "möglicherweise aktualisiert" werden müssten.

Das NSB wurde 1950 als Vorstandsgremium der Forschungsförderungsbehörde National Science Foundation (NSF) gegründet und besteht normalerweise aus 25 – aktuell aus 22 – Mitgliedern. Es legt die Richtlinien für die NSF fest, berät den Präsidenten und den Kongress und genehmigt wichtige Fördergelder. Damit ist es entscheidend für die wissenschaftliche Innovation und die Wahl der Forschungsthemen in den USA. Es verwaltet zudem die Mittel, die die NSF jährlich aus dem Bundeshaushalt erhält. Die amtierenden Vorständinnen und Vorstände besetzen die Posten eigentlich für sechs Jahre. Bei sieben Mitgliedern wäre die Amtszeit 2026 ausgelaufen, acht hätten ihre Posten noch bis 2028 ausgefüllt und weitere sieben bis 2030.

Nach Informationen des Online-Magazins Inside Higher Ed  (IHE) haben 13 ehemalige Führungskräfte der NSF den US-Senat sowie Präsident Trump am 30. April in einem Brief aufgefordert, die Spitze der Organisation in Zeiten "intensiven internationalen Wettbewerbs" neu zu besetzen. Zum ersten Mal in der Geschichte investiere China mehr in Forschung und Entwicklung als die USA, betonten die Unterzeichnenden demnach und unterstrichen die Bedeutung der Forschungsförderorganisation als Teil der nationalen Sicherheit im Wissenschaftssektor. "Die NSF ist auf ihren Direktor und ihren Vorstand angewiesen, um ihren Auftrag zu erfüllen."

Reaktionen auf die Entscheidung

Dr. Willie E. May, Vize-Präsident der Morgan State University und nun entlassener NSB-Vorstand, zeigte sich gegenüber der New York Times nach Bekanntwerden der Entlassungen in einer E-Mail vom 25. April enttäuscht, aber nicht überrascht: "Ich habe den systematischen Abbau der wissenschaftlichen Beratungsinfrastruktur dieser Regierung mit wachsender Besorgnis beobachtet, und der Nationale Wissenschaftsrat ist lediglich das jüngste Opfer."

Dr. Barbara R. Snyder, Präsidentin der Association of American Universities (AAU), einem Zusammenschluss von 71 US-Forschungsuniversitäten, reagierte mit Besorgnis auf die Berichte. Ohne einen Vorstand oder einen bestätigten Direktor sei die NSF gerade in einer Zeit führungslos, in der eine klare Ausrichtung und strategische Aufsicht unerlässlich seien, um Amerikas weltweite wissenschaftliche Führungsrolle zu sichern, äußerte sie am 25. April in einer Presseerklärung. "In einer Zeit, in der China massiv in die Wissenschaft investiert und die Vereinigten Staaten in mehreren Schlüsselbereichen eingeholt oder überholt hat, sendet die Abschaffung der unabhängigen Stimme des NSB genau das falsche Signal", erklärte Snyder.

Schwierige Zeit für die National Science Foundation

Für die NSF fällt die Entlassung der Führungsriege in eine ohnehin schwierige Zeit. Im April 2025 war der damalige Direktor mehr als ein Jahr vor dem regulären Ende seiner Amtszeit überraschend zurückgetreten. Als Ersatz hatte Präsident Trump Jim O’Neill nominiert, der zuvor im Gesundheitsministerium und für einen Hedgefonds tätig war. Zudem hatte die Trump-Regierung geplant, die Haushaltsmittel der NSF für 2026 um etwa die Hälfte zu reduzieren. Der Kongress hat dies zunächst verhindert – wie die New York Times unter Bezug auf NSB-Mitglieder berichtet, unter anderem aufgrund der Lobby-Arbeit des NSB-Vorstands. Die Regierung plant nun für 2027 erneut, die Mittel der NFS um 54,7 Prozent zu kürzen.

Offener Brief von Forschenden an den Kongress

In einem offenen Brief haben Mitglieder der National Academies of Sciences, Engineering & Medicine den US-Kongress am 11. Mai aufgefordert, sich für die Wiedereinsetzung der entlassenen NSB-Mitglieder einzusetzen. Es müsse zudem sichergestellt werden, dass vakante Positionen "ausschließlich auf der Grundlage nachgewiesener herausragender Verdienste" ausgewählt würden. 

Die Unterzeichnenden betonen, dass sich der Kongress in der Vergangenheit als verantwortungsbewusster und kluger Verwalter der wissenschaftlichen Infrastruktur des Landes gezeigt habe. Nun solle er der Situation erneut gerecht zu werden, um die wissenschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, das wirtschaftliche Wohlergehen und die nationale Sicherheit der USA zu schützen.

Unterzeichnet haben bislang über 2.200 Forschende, darunter 37 Nobelpreisträgerinnen und Nobelpreisträger. Etwa 1.800 weitere Personen sowohl mit wissenschaftlichem als auch nicht-wissenschaftlichem Hintergrund haben angegeben, den Inhalt des Briefes zu unterstützen.

aktualisiert am 12. Mail um 12:03 [Ergänzung Offener Brief an US-Kongress]; erstmals aktualisiert am 4. Mai um 15:23 Uhr [Ergänzung Brief der ehemaligen NSF-Führungspersonen]; erstmals veröffentlicht am 27. April 2026

hae