Außenansicht von Senate House, dem zeremoniellen Zentrum der Universität.
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Fall Arday
Universität Cambridge prüft eigene Fehler

Cambridge Vize-Kanzlerin Prentice kündigt eine zweigeteilte Untersuchung an. Sie soll auch prüfen, ob die Uni Jason Arday ausreichend unterstützt hat.

07.09.2026

Die Universität Cambridge hat weitere Details zu ihrer Untersuchung im Fall des verstorbenen ehemaligen Professors Jason Arday bekanntgegeben. In einem Videostatement, das die Universität am 4. September veröffentlicht hat, sprach Vize-Kanzlerin Professorin Deborah Prentice von einer zweigliedrigen, unabhängigen Untersuchung. Der Universitätsrat habe die nötigen Schritte veranlasst, damit diese beginnen könne. Analysiert werden sollen die Entscheidungen und organisatorischen Prozesse, die im Zusammenhang von Ardays Tod stattgefunden haben. Es ginge darum, zu prüfen, ob die Universität Fehler begangen habe und wie sie sich zukünftig besser verhalten könne.

Zwei Berichte sollen Schutzmaßnahmen und Unterstützung prüfen

Die hochschulische Untersuchung wird demnach zwei Teile haben: Der frühere leitende Staatsanwalt für den Nordwesten Englands und aktuelle Kanzler der University of Manchester, Nazif Afsal, soll für den ersten Teil die Hilfs- und Schutzmaßnahmen prüfen, die Arday vor seinem Tod zur Verfügung gestanden haben. Afsals Bericht werde innerhalb von drei Monaten erwartet, seine Empfehlungen für Verbesserungen sollen im Anschluss schnell umgesetzt werden, kündigte Prentice an.

Als zweiter Teil der Untersuchung sei geplant, die institutionellen Prozesse der Universität und den "breiteren Kontext" von Ardays Zeit in Cambridge zu prüfen. Ein unabhängiges Expertengremium unter externem Vorsitz solle die Einstellung von Führungskräften ebenso untersuchen wie ihr Mentoring und ihre Unterstützung durch die Hochschule. Ebenso werde die Reaktion der Hochschule auf Vorwürfe akademischen Fehlverhaltens und die Unterstützung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern beleuchtet, die das Ziel von außerordentlicher öffentlicher und medialer Kritik geworden sind. Den Bericht dieses Gremiums erwarte die Universität nach sechs Monaten, so Prentice.  

Die Auswertung werde keine Aspekte umfassen, die aktuell Teil des offiziellen Untersuchungsverfahrens der Todesumstände sind, das bei einer Anhörung am 26. August angekündigt wurde.

Sobald beide Teile der von Cambridge beauftragten Untersuchung abgeschlossen seien, werde eine Zusammenfassung der Ergebnisse veröffentlicht. Die Erkenntnisse würden in Maßnahmen einfließen, die der Unterstützung der Hochschulmitglieder dienen sollen.

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Videostatement als Reaktion auf politischen Druck

Neben den organisatorischen Aspekten drückte Prentice auch ihre Trauer über Ardays Tod aus. Sie zeigte Verständnis dafür, wie sehr sein Tod schwarze und neurodiverse Studierende und Mitarbeitende der Hochschule getroffen habe. Einen beobachteten Anstieg an rassistischen und hasserfüllten Angriffen gegenüber Hochschulmitarbeitenden und Studierenden in Onlineforen und in den Sozialen Medien verurteilte sie.

Bereits einige Tage vor der Mitteilung der Universität Cambridge hatte die für Hochschulbildung zuständige Ministerin Jacqui Smith vom Department for Education and Department of Work and Pensions dem britischen Parlament versichert, dass sie die Reaktion der Universität Cambridge auf den Fall Arday mehr als nur im Auge behalten werde. Das hat das Onlinemagazin Times Higher Education am 3. September berichtet. Als Reaktion auf Nachfragen aus dem britischen Oberhaus hatte Smith angekündigt, dass die Universität mehr über ihre Untersuchung bekannt geben werde. Prentice hat dies mit dem Videostatement eingelöst.

Smith war kritisiert worden, dass die Hochschule den Fall selbst untersuche. Sie bestätigte laut Bericht, dass das britische Office for Students (OfS), die unabhängige Hochschulregulierungsbehörde in Großbritannien, die Berechtigung habe, über die Untersuchung der Hochschule hinaus zu recherchieren, sollte dies nötig sein.

Hintergrund der Kritik an der Universität

Arday war im Juli und August in den Medien stark kritisiert worden, nachdem Vorwürfe veröffentlicht worden waren, die ihm Plagiate in seinen wissenschaftlichen Arbeiten und Unwahrheiten in seinem Lebenslauf vorwarfen. Die Universität Cambridge hatte sich zunächst vor Arday gestellt, der 2023 im Alter von nur 37 Jahren als jüngster schwarzer Professor an die Hochschule berufen wurde. Dann aber kündigte die Universität eine Untersuchung an. Arday trat als Soziologie-Professor zurück und verwies in einer öffentlichen Stellungnahme auf den hohen Druck durch die Medien. Am 14. August wurde er tot in London aufgefunden. Seitdem wird auch die Universität Cambridge kritisiert.

cpy