Wohnkosten
Unterschiede zwischen Hochschulstandorten wachsen
Nur noch rund ein Fünftel der Studierenden – 20,7 Prozent – ist im Wintersemester 2026/27 an einer Hochschule eingeschrieben, deren Standort sich im mittleren Preissegment bewegt. Vor zehn Jahren waren es noch 35,4 Prozent. Das hat eine Studie des Moses Mendelssohn Instituts unter der Leitung des Geschäftsführenden Direktors, Professor Stefan Brauckmann, ergeben.
Laut Pressemitteilung vom 19. September hat die Zehnjahresanalyse zudem gezeigt, dass der relative Abstand zwischen den günstigen und teuren Hochschulstandorten um etwa 27 Prozent angewachsen ist. Dies mache für junge Menschen, die für ein Studium in eine neue Stadt ziehen, einen deutlichen Unterschied, erklärt Brauckmann demnach: "Ob ein WG-Zimmer 400, 500 oder 650 Euro kostet, kann erheblich darüber mitentscheiden, welcher Studienort überhaupt finanzierbar ist. Die zunehmenden Unterschiede zwischen den Hochschulstandorten sind deshalb weit mehr als eine statistische Größe."
Datengrundlage
Für die Studie zu studentischen Wohnkosten im Wintersemester 2026/2027 haben Brauckmann und sein Team die 90 Hochschulstandorte in Deutschland betrachtet, die mehr als 5.000 Studierende haben. Zum teuersten Preissegment zählen Standorte, deren Meridian mehr als zehn Prozent über dem studierendengewichteten Deutschlandwert liegt. Im mittleren Segment sind Studienorte verzeichnet, deren Meridian höchstens zehn Prozent über oder unter den bundesweiten durchschnittlichen Wohnkosten für Studierende liegt. Das unterste Preissegment beinhaltet Hochschulstädte, deren Meridian mehr als zehn Prozent unter dem deutschlandweiten Wert liegt.
Für die Wohnkostenanalyse griffen die Forschenden auf Daten der Plattform WG-Gesucht zurück. Untersucht wurde eine Stichprobe von 3.870 Angeboten für unbefristet angebotene WG-Zimmer in Wohnungen mit zwei bis drei Personen.
Entsprechend dem Rückgang der Studierendenzahlen im mittleren Preissegment ist der Anteil im oberen sowie im unteren Segment gestiegen. An den günstigeren Standorten sind 46,1 Prozent der Studierenden eingeschrieben. Im Wintersemester 2016/2017 waren es noch 35,5 Prozent. An den teuersten Studienorten ist es derzeit etwas mehr als ein Drittel (33,2 Prozent). Vor zehn Jahren waren es 29,1 Prozent.
Größte Hochschulstandorte bilden teuerstes Preissegment
Die größten und zugleich teuersten Standorte München (850 Euro), Berlin (650 Euro), Hamburg (650 Euro), Köln (640 Euro) und Frankfurt am Main (639 Euro) vereinen laut Analyse die meisten Studierenden im teuersten Preissegment. Hier sind circa 558.000 Personen immatrikuliert – das sind etwa 70 Prozent dieser Gruppe.
Der Vergleich zum Wintersemester 2016/2017 weist laut Mendelssohn Institut Kontinuitäten auf. So gehörten diese Städte zusammen mit Stuttgart, Düsseldorf und Freiburg schon vor zehn Jahren zu den teuersten Hochschulstandorten.
Am günstigsten wohnen Studierende heute in Chemnitz (305 Euro), Halle und Magdeburg (jeweils 350 Euro) sowie Trier und Jena (jeweils 370 Euro).
BAföG-Pauschale wird meist überschritten
Wie die Studie ergeben hat, sind die aktuellen Mietpreise in den meisten Fällen höher als die BAföG-Wohnkostenpauschale, die momentan 380 Euro beträgt. 76 der 90 in die Analyse einbezogenen Standorte liegen mit den aktuellen Mietangeboten im Median über der derzeitigen Wohnkostenpauschale. Das betrifft 84,4 Prozent der Studierenden. Mit der Anhebung der Pauschale auf 440 Euro im Sommersemester 2027 gelte dies noch immer für 45 Standorte und damit für etwa 56 Prozent der Studierenden.
Für Matthias Anbuhl, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Studierendenwerks, sind die Studienergebnisse ein Warnsignal. "Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum und die auf hohem Niveau sich einpendelnden Mieten bleiben ein eklatantes Strukturdefizit und bergen gesellschaftlichen Sprengstoff", teilte er am 19. September in einer Presseerklärung mit. Es drohe eine neue Form der sozialen Auslese über die Miete. "Die Frage, ob ich mir in einer teuren Hochschulstadt, in der aber meine Wunsch-Hochschule liegt, überhaupt ein WG-Zimmer leisten kann, darf nicht darüber entscheiden, wo ich studiere", so Anbuhl weiter.
Ein Lichtblick sei das Bund-Länder-Programm "Junges Wohnen". Sollten die Bundesländer mitziehen, könnten die Studierendenwerke mit den Mitteln zusätzlichen bezahlbaren Wohnraum schaffen.
hae