Ein rotes Plakat mit der Aufschrift "Freie Lehre, Freie Forschung, Freier Geist" hängt an einem Gebäude der Universität Bremen.
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50 Jahre Universität Bremen
Was von der "roten Kaderschmiede" geblieben ist

Die Universität Bremen war ein Kind der Studentenproteste. Vieles am "Bremer Modell" hat nicht überlebt, doch einige Ideen prägen die Uni bis heute.

13.10.2021

Mit etwa 250 Studenten und Studentinnen begann der Lehrbetrieb im Herbst 1971 – heute lernen, forschen und lehren 23.000 Menschen an der Universität Bremen. Gegründet als Reformuni mit neuartigen Ansprüchen an Studium und Mitbestimmung, sieht sie sich nun als Forschungsuniversität mit hohem Praxisbezug.

Meeres-, Polar-, und Klimaforschung sind ein Schwerpunkt, Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik sowie Materialwissenschaften sind andere. Auch zu Sozialwissenschaften und Gesundheitswissenschaften wird geforscht. Zum Symbol des Universitäts-Campus am Stadtrand ist der 146 Meter hohe Fallturm für physikalische Experimente geworden.

Mit einem Festakt im Bremer Rathaus begeht die Universität an diesem Donnerstag ihr 50-jähriges Bestehen. Dazu kommen auch Bürgermeister Andreas Bovenschulte und Wissenschaftssenatorin Claudia Schilling (beide SPD). "Die Universität Bremen hat seit ihrer Gründung 1971 eine beeindruckende Entwicklung gemacht", sagte der Rektor der Uni, Professor Bernd Scholz-Reiter, in einer Mitteilung. "Sie ist auf nationaler und internationaler Ebene eine forschungsstarke Universität und ein inspirierender Ort der Bildung."

Umstrittene Drittelung der Stimmanteile im "Bremer Modell"

Gegründet wurde die Hochschule 1971 scherzhaft unter dem Namen "Marx- & Moritz-Universität" – wegen der Nähe vieler Hochschulleher zu den Theorien von Karl Marx und nach dem Namen des damaligen Bildungssenators Moritz Thape. Das sogenannte "Bremer Modell" hat der Universität anfangs viel Kritik eingetragen. Die Studentinnen und Studenten sollten in Kleingruppen lernen und fächerübergreifend arbeiten an Problemen, die als gesellschaftlich relevant erachtet wurden. In der akademischen Selbstverwaltung hatten Studierende ein Drittel der Stimmen, die Professoren ein Drittel und sonstige Mitarbeiter auch ein Drittel (Drittelparität).

"Das Modell war für die damalige Zeit progressiv", sagt Unisprecherin Meike Mossig. Es war beeinflusst vom Studentenprotest Ende der 1960er Jahre. Bremen habe sich rasch den Ruf einer "roten Kaderschmiede" erworben, sagte auch der Sozialhistoriker Wilfried Rudloff in einem Vortrag zu dem Bremer Jubiläum. Er stellte die Gründung der Bremer Uni in den Rahmen der Hochschulpolitik der 1960er Jahre: Es ging darum, mehr akademisch gebildete Arbeitskräfte zu gewinnen.

Deshalb wurden viele Fachhochschulen gegründet. Es gab Reformunis wie Konstanz oder Bielefeld, die von der Wissenschaft her neu gedacht wurden. Und es gab Unis wie Bremen und später Oldenburg (1973) mit einem neuartigen Studienbetrieb. Das Projektstudium sollte zum "Generalschlüssel der Bremer Studienreform werden".

Auf dem Weg zur "normalen" Uni

Die Drittelparität gab es nur bis 1977, sie wurde nach Klage einiger Professoren gerichtlich gekippt. "So wurde ein Aushängeschild der Reformuni nach dem anderen stillschweigend abmontiert, und man begab sich auch in Bremen auf den Weg der Normalisierung", bilanzierte Rudloff.

Vom "Bremer Modell" geblieben sei der Nachdruck auf forschendes Lernen, auf interdisziplinäres Arbeiten und gesellschaftliche Bedeutung der Themen, sagt Unisprecherin Mossig. "Wir sind ja auch als Klima-Universität bekannt." Die Uni arbeitet eng mit den Hochtechnologie- und Softwarefirmen zusammen, die sich in ihrer Nachbarschaft angesiedelt haben. Dazu zählt zum Beispiel der Satellitenbauer und Raumfahrtkonzern OHB.

dpa/ckr

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