Ein aufgeschlagenes Buch vor einem mystischen Sternennachthimmel.
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Buchtipps Teil 1
Was zu lesen für die Feiertage

Lange, kalte Tage und etwas freie Zeit rund um die Feiertage. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler teilen ihre Ideen für eine anregende Lektüre.

24.12.2025

Axel Honneth empfiehlt Theodor W. Adorno: Probleme der Moralphilosophie, Suhrkamp Verlag 2010.

Axel Honneth ist Jack C. Weinstein Professor of the Humanities an der Columbia University in New York. Jürgen Bauer / Suhrkamp Verlag

Die Schwierigkeiten, vor die Adorno seine Leserinnen und Leser mit dem ihm eigenen Stil immer wieder stellt, verschwinden wie durch Wunderhand, wenn man sich seiner inzwischen veröff„entlichten Vorlesungen annimmt. In seinen Vorlesungen über Probleme der Moralphilosophie gelingt es ihm in freigehaltener Rede, seine Zuhörer leicht verständlich und erfahrungsnah über die vielen Komplikationen zu unterrichten, die der Versuch mit sich bringt, nach allgemeinen Maßstäben moralisch richtigen Handelns zu suchen. Wer sich darüber Klarheit verschaff„en möchte, sollte unbedingt zu diesem großartigen Buch greifen.


Christine Wenona Hoffmann empfiehlt Jean Said Makdisi: Teta, Mother, and Me, Three Generations of Arab Women, W. W. Norton & Company 2005.

Christine Wenona Hoffmann ist Professorin für Praktische Theologie am Fachbereich Evangelische Theologie an der Goethe-Universität Frankfurt. Lars Röske

Jean Said Makdisis "Teta, Mother, and Me" bietet eine vielschichtige autobiografische Reflexion über weibliche Identität, Erinnerung sowie über die Verflechtung von Religion, Geschichte, Politik und Geschlechternarrativen im östlichen Mittelmeerraum. Das Werk eröff„net wertvolle Einsichten in die Erfahrungen dreier Generationen und zeichnet deren Erleben, Identitätsbildung und Glaubenswege unter den Bedingungen von Kolonialismus und Krieg nach. Makdisis präzise Erzählkunst verbindet persönliche Geschichte mit kulturkritischer Analyse – ein beeindruckendes und bis heute hochaktuelles Zeugnis interkultureller und interreligiöser Selbstverortung.


Helen Ahner empfiehlt: Rebecca F. Kuang: Babel, Eichborn Verlag Köln 2022.

Helen Ahner ist Assistenzprofessorin am Institut für Europäische Ethnologie der Universität Wien. Rosa Burczyk

Wissen ist Macht und Sprache schaff„t Wirklichkeit. Diese Grundwahrheiten verarbeitet Rebecca F. Kuang im Fantasy-Roman "Babel" zu einer fesselnden Fabel über akademische Aufstiegsversprechen, koloniale Ausbeutungsverhältnisse und das Gefühl, nicht dazuzugehören. Vier Außenseiterinnen und Außenseiter kämpfen im England des 19. Jahrhunderts um ihren Platz an der magischen Eliteuniversität. Schließlich zetteln sie eine Revolution an. "Babel" lädt mit seinem ausgeklügelten Plot zur kritischen Auseinandersetzung mit Wissenschaft ein – und dazu, sich in den Seiten einer wirklich guten Geschichte zu verlieren.


Sandra Richter empfiehlt Max Goldt: Aber?, dtv Verlag 2025.

Sandra Richter ist Professorin für Germanistische Literaturwissenschaft an der Universität Hamburg und Direktorin des Deutschen Literaturarchivs Marbach. DLA / Chris Korner

Die Moralistik ist eigentlich eine französische Erfindung, und schon im Alten Reich gab es kein rechtes Gegenstück. Aphoristiker wie Johann Christoph Lichtenberg beließen es bei kurzen, einprägsamen Sätzen. Max Goldt nimmt die Herausforderung an und tri„t den Nerv der Gegenwart. "Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken", schreibt er zur Warnung, und das stimmt: Goldt will nicht einfach bestimmte Lehren verbreiten, sondern zum Widerspruch, zum eigenen Urteil anregen. Sein "Aber?" ist programmatisch in einer Zeit, die wie wenige durch moralische Rechthaberei gekennzeichnet ist.


Diese Buchempfehlungen sind zuerst in der Dezember-Ausgabe von Forschung & Lehre erschienen.